Dieser Herbst war so garnicht typisch

Herbst brachte von allem zu viel: Sonne, Temperatur und Regen

von Amelie von Kruedener und Martin Pscherer

Der typische Herbst blieb aus. Nach einer langen Trockenperiode im Sommer konnte der September mit viel Regen die Dürre vertreiben. Das hat die Niederschlags-Statistik im Herbst gerettet, denn auch der Oktober und November hatten mal wieder zu wenig Regen. Bei Sonne und Temperaturen gab es von Petrus mehr als genug: Im Oktober wurde geschwitzt und der November brachte mehr Sonnenstunden als typischen November-Nebel.

Im Video: Die warmen Temperaturen verabschieden sich – nun wird es eisig kalt

Sonne ohne Ende und viel zu mild

Einer ersten Prognose zufolge ist dieses Jahr bislang insgesamt in Deutschland so warm gewesen wie noch nie seit Beginn der Wetteraufzeichnungen im Jahr 1881. Bereits die Periode von Januar bis Oktober war mit einer Durchschnittstemperatur von 11,8 Grad die wärmste, die bisher gemessen wurde. Bilanz der drei Herbstmonate September, Oktober und November zeigt auch, es war deutlich zu mild. Meteorologe Martin Pscherer schiebt Fakten hinterher: „Der Herbst 2022 fiel mit einer Durchschnittstemperatur von knapp 11 Grad um gut 2 Grad zu warm aus im Vergleich zur international gültigen Referenzperiode 1961 bis 1990. Und auch die Sonne lag mit 368 Stunden knapp 20 Prozent über ihrem Soll.“

Der nasse September gleicht die trockenen Monate aus

„Was den Regen betrifft, können wir ebenfalls auf einen knapp überdurchschnittlichen Herbst zurückblicken.“, so Pscherer. Rund 200 Liter pro Quadratmeter entsprechen 107 Prozent der üblichen Regenmengen. Dabei waren die Unterschiede in den einzelnen Herbstmonaten sehr groß. Der viel zu nasse September (165 Prozent) gleicht die zu trockenen Folgemonate in der Gesamtbilanz aus.

Niederschlag am Freitag, 9. September in Deutschland
Diese Vorhersage vom 9. September hat Landwirte und Gartenbesitzer erfreut.

September beendet endlich die Dürre

Nachdem es in der ersten Septemberdekade noch hochsommerlich zuging, marschierte das Wetter mit großen Schritten in den Herbst. Der Regenschirm war massiv im Einsatz und die dicke Jacke musste ran. Sogar der Eiskratzer wurde gebraucht. Man hatte mehr den Eindruck, es wäre April, denn Regenbögen gab es an jeder Ecke. Das Gute: Die ausgetrockneten Böden wurden endlich nass und konnten ihre Farbe wieder in Grün wechseln. Nebel, der eigentlich erst später erwartet wird, versperrte häufig die Sicht und in den Alpen kam der erste Schnee herunter. Insgesamt war der September äußerst nass, sowie durchschnittlich temperiert und sonnig.

Sommer, Herbst und Frost: Das alles kann das Wetter im September

Ein extrem warmer Oktober mit neuen Rekorden

Viele Sonnenstunden im Oktober
Menschen genießen Ende Oktober in einem herbstlichen Biergarten in Stegen am Ammersee den Sonnenschein und die milden Temperaturen.

Der Oktober 2022 ging wieder in die Extreme, er war in Deutschland extrem warm. Es fühlte sich an, wie Sommer. Ab Monatsmitte flutete die Wärme vor allem den Süden des Landes. Nur ganz selten brachten Tiefausläufer mal kräftige Niederschläge und Gewitter vorbei. Die Durchschnittstemperatur lag im Oktober mit 12,5 Grad um 3,5 Grad über dem Wert der international gültigen Referenzperiode 1961 - 1990. Im Vergleich zur aktuellen und wärmeren Periode 1991 - 2020 betrug die Abweichung +3,1 Grad. Beim Regen war es im Oktober ähnlich: Es fielen rund 50 Liter pro Quadratmeter und damit knapp 10 Prozent weniger Niederschlag als im Mittel der Referenzperiode 1961 - 1990. Mit gut 140 Stunden übertraf die Sonnenscheindauer ihr Oktober-Soll von 109 Stunden (Periode 1961 - 1990) um rund 28 Prozent.

November erfüllt mehr als sein Soll

Der Monat hat sein Soll mehr als erfüllt, mit 75 Stunden bekamen wir sogar gut 40 Prozent mehr von der Sonne zu sehen als normalerweise. Dass er zu warm ausfällt, kommt dagegen weniger überraschend, damit reiht er sich in die lange Liste der letzten zu warmen Monate ein. Unterdurchschnittlich fällt dagegen die Bilanz in Sachen Regen aus. Mit ca. 45 Litern haben wir gerade mal 70 Prozent des üblichen Niederschlags bekommen.

Eine Übersicht über Herbst-Durchschnittstemperaturen

Mitteltemperatur und Abweichung vom langjährigen Mittel von 8,8 Grad (Quelle dwd)

  • Herbst 2021 9,8 Grad +1,0 Grad
  • Herbst 2020 10,3 Grad + 1.5 Grad
  • Herbst 2019 10,1 Grad + 1,3 Grad
  • Herbst 2018 10,4 Grad + 1,6 Grad
  • Herbst 2017 9,7 Grad + 0,9 Grad
  • Herbst 2016 9,8 Grad + 1,0 Grad
  • Herbst 2015 9,6 Grad + 0,8 Grad
  • Herbst 2014 11,1 Grad + 2,3 Grad
  • Herbst 2013 9,5 Grad + 0,7 Grad
  • Herbst 2012 9,2 Grad + 0,4 Grad
  • Herbst 2011 9,7 Grad + 0,9 Grad
Schaut man auf die Zahlen, ist klar erkennbar, dass der Herbst in den letzten Jahren immer zu warm war.

Das ist typisches Herbstwetter

Herbst und Sturm liegen nah beieinander.
Dass gerade in den Herbst- und Wintermonaten immer wieder Tiefdruckgebiete, teilweise mit Sturmstärke, über Teile Europas hinwegziehen, liegt an den zu diesen Jahreszeiten besonders ausgeprägten Temperatur- und Luftdruckunterschieden.

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(avo)