Selbst 30 Grad waren früher selten

Krasse Entwicklung der Hitzetage in Deutschland

von Oliver Scheel

Früher war mehr Lametta. Das wissen wir alle seit die deutsche Komiker-Legende Loriot uns „Weihnachten bei Hoppenstedts“ ins Haus lieferte. Aber früher war vor allem weniger Hitze. Ein Hitzetag, das bedeutet, dass das Thermometer über 30 Grad klettert. Was uns heute im Sommer völlig normal vorkommt, war vor nur wenigen Jahren eine ziemliche Seltenheit. Die Entwicklung der Hitzetage ist ein drastischer Beleg für das sich schnell verändernde Klima und ein Warnsignal, dass wir schnellstens etwas ändern müssen, wenn wir nicht 45 Grad im Sommer erleben wollen.

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Die Zahl der Hitzetage explodiert geradezu

July 20, 2022, Seville, Andalusia, Spain: The heat wave which has affected Spain since last week has ended, at least in theory, according to the Spanish metereological agency, AEMET. The extreme heat episode officially ended this Tuesday but a new on
Zur Hitze gehören nicht nur schöne Strandbilder, sondern auch Menschen, die sich schützen müssen und deren Kreislauf in großer Hitze kollabieren kann.

Bis in die 90er Jahre des vorigen Jahrhunderts wurden Hitzetage nur sehr selten erreicht. Meist blieb es bei weniger als 5 Hitzetagen im Jahr. Eigentlich ist unser Klima ein sehr sehr träges System, Veränderungen gehen fast unmerklich vonstatten. Doch was wir derzeit erleben, hat es in der Geschichte noch nicht gegeben. Unser Planet heizt sich in Relation zum Alter der Erde schneller auf als ein Schnellkochtopf.

Mehr als zehn Hitzetage im Jahr wurden in Deutschland zum ersten Mal 1994 registriert. Im Juli 2022 wurden sowohl in Regensburg in Bayern als auch in Bad Mergentheim in Baden-Württemberg 16 Hitzetage registriert. Es war also an mehr als der Hälfte der Julitage mindestens 30 Grad heiß. In den Jahren 1961 bis 1990 erlebten die Regensburger im Schnitt drei Hitzetage im Juli und sechs im gesamten Jahr. Ein Wahnsinn, was mit unseren Temperaturen innerhalb von nur einer Menschheitsgeneration passiert ist.

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Was der Jetstream mit solchen Hitzewellen zu tun hat

Hitze nimmt extrem zu

ARCHIV - 11.08.2018, Griechenland, Athen: In Athen sind die Straßen wie leer gefegt, weil die Bewohner die Stadt für ihren Urlaub verlassen. Leere Straßen sind ein bekanntes Phänomen in Griechenlands Städten im August. Viele stöhnen, wenn es mal heiß
Hitze ist ein tödliches Ereignis. Vor allem ältere Menschen haben großer Hitze nichts entgegenzusetzen. Bei der Hitzewelle 2003 starben bis zu 70.000 Menschen. Hier sehen wir eine von der Hitze leer gefegte Straße in Athen.

Und Regensburg ist keine Ausnahme. Die Freiburger mussten im Juli 12 Hitzetage erdulden, von 1961 bis 1990 waren es nur 9,8 im gesamten Jahr. Wohin wir auch blicken, die Zahl der Hitzetage ist krass auf dem Vormarsch. München registrierte im Juli sechs Tage jenseits der 30 Grad. Von 1961 bis 1990 war das im Schnitt nur einmal der Fall.

Nicht ganz so eklatant ist der Vergleich mit der Referenzperiode von 1991 bis 2020. doch an diesen Sommer kommen auch die Messungen der letzten 30 Jahre nicht heran. Saarbrücken schaffte im Juli 2022 acht Hitzetage, von 1991 bis 2020 waren es durchschnittlich 3,4.

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Und die 40 Grad schafften es nun bis Hamburg und sogar nach England.

Mit den 30 Grad sind auch die 40 Grad auf dem Vormarsch. die wurden das allererste Mal überhaupt in Deutschland im Sommer 1983 gemessen. Dann war 20 Jahre Ruhe. Das zweite Mal wurden die 40 Grad in Deutschland in den Rekordlisten im Jahrhundertsommer 2003 geknackt. Dann dauerte es wiederum bis 2015, als die 40 Grad an drei Stationen gemessen wurden. Im Juli 2019 wurde an 25 offiziellen Wetterstationen eine 40 gemessen, dazu auch der bis heute gültige deutsche Rekordwert von 41,2 Grad in Duisburg-Baerl und Tönisvorst, beides in NRW.

In diesem Sommer kletterte dann die 40-Grad-Marke bis hinauf nach Hamburg und sogar nach England. Es ist eine rasende Geschwindigkeit, mit der sich diese unerträgliche Temperatur nach Norden bewegt. Innerhalb von nur 40 Jahren von südlich der Alpen bis Hamburg und London.

Dazu die Extremwetterforscherin Dr. Friederike Otto: „Eine Hitzewelle, die ohne Klimawandel ein Jahrhundertereignis gewesen wäre, ist jetzt normaler Sommer.“

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(osc)