Klimawandel und Jetstream

Glutofen und Saharaluft: Warum es bei uns so heiß ist

von Paul Heger

Europa leidet weiter unter der Gluthitze. Die Folgen der ungewöhnlich hohen Temperaturen sind deutlich zu spüren: viele Länder melden Waldbrände, Portugal zählt bereits mehr als 1000 Hitzetote. Müssen wir in Zukunft häufiger mit solchen Hitzewellen rechnen? Und wie hängen die mit dem Klimawandel zusammen? Das erklären wir hier.

Die heiße Luft bewegt sich nur langsam über Europa

Ein Tiefdruckgebiet sorgt derzeit für Extremwetter in Europa. Dieses bewegt sich langsamer als üblich von Westen nach Osten, weil es keine Verbindung zu Windbänden aufgebaut hat (ein sogenanntes Cut-Off-Tief). Dieses sieht auch eine Gruppe von Forschenden als Ursache der aktuellen Hitzewelle, wie in der Fachzeitschrift „Nature Communications“ veröffentlicht.

Ein Grund für die fehlende Verbindung des Tiefdruckgebiets: ein gespaltener Jetstream. Der Jetstream sorgt normalerweise dafür, dass sich unser Wetter nach einigen Tagen ändert. Circa zehn Kilometer über der Erde transportiert er nämlich Tief- und Hochdruckgebiete von Westen nach Osten. „Weil der Jetstream derzeit gespalten ist, sind die Windstärken nicht so stark wie üblich. Außerhalb von Europa ist der Jetstream derzeit 200 km/h schnell, über Europa teilweise nur halb so schnell“, erklärt wetter.de-Meteorologe Paul Heger. In Folge dessen kann das Tiefdruckgebiet über Europa nur langsamer abtransportiert werden, die Hitze bleibt also länger und verstärkt sich so.

Wahrscheinlichkeit von Hitzewellen steigt

Der genaue Grund für die Teilung des Jetstreams ist noch unklar. „Ob wir hier einen Klimatrend beobachten, oder diese Anomalie jetzt einfach so häufiger auftritt, wird noch diskutiert“, so wetter.de-Meteorologe Paul Heger. Eine mögliche Rolle ist, dass die Erde sich nicht überall gleichmäßig wärmer wird. „Die Pole erwärmen sich schneller als die Gebiete am Äquator, dadurch baut sich das Gefälle zwischen dem kalten Regionen im Norden und dem heißen Süden immer weiter ab. Dieses Gefälle ist aber eigentlich der Antrieb des Jetstreams. Durch die kleiner werdenden Kontraste wird dieser also langsamer und Wetterlagen können länger an einer Stelle bleiben.“

Die Verlangsamung des Jetstreams in Folge der Erderwärmung ist aber nicht die einzige Theorie zur Erklärung von Hitzewellen, sagt Andreas Friedrich vom Deutschen Wetterdienst im Spiegel. Da viele verschiedene Wetterfaktoren auf die Bewegung von Luftmassen einwirken würden, sei ein klarer Auslöser schwer auszumachen. Klar sei aber: Durch die Erderwärmung werden solche Hitzewellen häufiger.

Erwärmung des Klimas führt zu heißeren Sommern

Derzeit ist zwar noch unklar, wieso der Jet-Stream stellenweise langsamer wird, klar ist jedoch: Grund für die Hitzewellen ist der Klimawandel. Denn wenn die Durchschnittstemperatur langfristig steigt, kann es größere Ausreißer in den Temperaturen nach oben geben. Die möglichen Temperaturen an einem heißen Sommertag werden also größer und kühlere Tage werden unwahrscheinlicher. Der„sechste Sachstandsbericht“ des Weltklimarats IPCC aus diesem Frühjahr beschreibt folgendes: Eine Hitzewelle, die vor dem industriellen Zeitalter ungefähr alle 50 Jahre einmal aufgetreten wäre, tritt jetzt knapp fünfmal in 50 Jahren auf und ist durchschnittlich 1,2 Grad wärmer.

Die sogenannte Attributionsforschung kann zudem den Einfluss des Klimawandels auf einzelne Extremwetterereignisse herstellen. In Computermodellen können Forschende herausfinden, ob und wie eine Hitzewelle durch menschlichen Einfluss häufiger und intensiver geworden ist.

Dazu berechnen Forscher und Forscherinnen die Wahrscheinlichkeit von Hitzewellen unter verschiedenen Klimabedingungen, wie die Gluthitzen in Europa 2019 oder Nordamerika 2021. Zum einen können sie das aktuelle Wetter simulieren und in einer zweiten Simulation die menschengemachten Emissionen an Treibhausgasen und Aerosolen herausrechnen, den Klimawandel also quasi ausklammern. Das ist möglich, weil die Menge dieser Emissionen bekannt ist. Die Ergebnisse verschiedener Studien zeigen: ohne den menschengemachten Klimawandel wäre eine Hitzewelle wie in Europa 2003, oder Nordamerika 2021 so gut wie unmöglich gewesen.

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(phe)