Gestern Sommer, heute Winter

Darum springt die Langfrist gerade im Frühling so heftig

von Carlo Pfaff & Björn Alexander

Dass Langfristvorhersagen anderen Gesetzen folgen als klassische Prognosen, ist klar. Aber insbesondere jetzt springen sie extrem hin und her. Grund ist das Jahreszeiten-Roulette, das im Frühjahr besonders heftig sein kann.
Im Video: Temperatur-Vorhersage für 14 Tage in Deutschland

Die Ausgangslage: Krasse Kontraste prägen das Bild

Tiefstwerte in der Nacht zum Dienstag, 12. März 2024
Bibberkalte Nächte dominieren im Norden unseres Kontinents

Während in Südeuropa schon früh im Jahr sommerliche Temperaturen drin sind und gleichzeitig der Atlantik seit Monaten einen gewaltigen Temperaturüberschuss vor sich herschiebt, sieht es Richtung Norden noch ganz anders aus.

So zeigen die Wetterstationen in Skandinavien zum Start in den Dienstag gerne mal zweistellige Minusgrade – also strengen Frost. Den tiefsten Wert aus der Nacht vermeldet Kvikkjokk Arrenjarka in Nordschweden mit -25 Grad. Noch eisiger ist der Blick Richtung Osten entlang der Polarkreises, wo es nach wie vor auf unter -35 Grad runtergeht.

Jahreszeiten treffen sich vor unseren Toren

Dementsprechend ist klar: Sowohl satte Frühlings- bis Sommerluft als auch der eiskalte Winter sind nicht weit entfernt. Und alle Extreme könnten gleichermaßen ins Wettergeschehen eingreifen, was sich wiederum in die Wetterstatistiken und -rekorde für den März bestätigt. Denn im letzten Märzdrittel liegen die Spitzenwerte bei 26 bis knapp 27 Grad. Das qualifiziert schon mal für einen lupenreinen Sommertag. Auf der anderen Seite der Rekorde bewegen sich indes nächtliche Tiefstwerte von um bis unter -20 Grad. Im April liegen die Spannen zwischen den Rekorden bei knapp 33 Grad am oberen und bei unter -15 Grad am unteren Ende.

Wo platzieren sich die Motoren des Wetters?

Ensemble-Vorhersage für den Fichtelberg
Bereits nach wenigen Tagen machen die Ensemble-Vorhersagen die Grätsche - hier am Beispiel des Fichtelbergs, wo zwischen Winter- und Frühlingsluft alles drin ist

Ausschlaggebend für Frühlings-, Sommer- oder Winterluft ist die Lage von Hochs und Tiefs sowie der wettersteuernden Strömungen. Und da ist die Spannweite von den mittelfristigen bis in den langfristigen Bereich in Anbetracht der Gemengelage natürlich enorm. Selbst im kurzfristigen Bereich bereiten insbesondere die Übergangsjahreszeiten bei den Vorhersagen immer wieder Probleme.

Denken wir beispielsweise an Nebel- oder Hochnebel-Lagen. Löst sich der Nebel auf, dann wird es lecker warm, bleibt es grau, dann bleibt es kalt. Und je größer die Ungenauigkeiten schon am Anfang der Vorhersagen sind, umso größer können die Sprünge hintenraus werden.

Obacht bei der Langfrist

Somit sollten wir die Langfristvorhersagen immer mit entsprechender Vorsicht genießen. Sie sind experimenteller Natur und nicht mit klassischen Wetterprognosen, so wie Punktvorhersagen für fünf bis zehn Tage, zu vergleichen. Aber: Sie geben uns Trends und Prognosen an, die – je nach Wetterlage – einen sehr brauchbaren Blick in die weitere Weiterentwicklung geben. Vor allem gilt das beispielsweise für die Abschätzung im energiewirtschaftlichen Bereich, wo auch die Wurzeln der Langfristtrends liegen.

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(bal, apf)