Faktencheck zum Klima

Das Weltklima im kritischen Zustand – 10 Fakten zum Klimawandel

von Dilara Bozkurt

Steigende Meeresspiegel, anhaltenden Dürre, Umweltkatastrophen. Der Klimawandel ist das prägendste Thema unserer Zeit. Der Klimazustandsbericht für das Jahr 2022 der Weltwetterorganisation (WMO) macht einmal mehr den globalen Krisenzustand deutlich. Was ist der Stand und wie gut seid Ihr über den Klimawandel informiert? Hier die wichtigsten Fakten.

1. Die globale Durchschnittstemperatur steigt

Global mean temperature
Die globale Durchschnittstemperatur war noch nie so hoch wie in den letzten acht Jahren seit Beginn der Aufzeichnungen

Im Pariser Abkommen haben die Länder der Welt vereinbart, dass die Erderwärmung nicht den kritischen Schwellenwert von 1,5 Grad Celsius übersteigen darf. Seit der vorindustriellen Zeit hat sich die Erde bereits um 1,15 Grad Celsius erwärmt. In Europa war der durchschnittliche Temperaturanstieg im selben Zeitraum 2,2 Grad Celsius. Das letzte Mal, dass es auf der Erde so warm war, war vor 125.000 Jahren! Mit einer globalen Mitteltemperatur von 1,15 Grad Celsius lag im Jahr 2022 die Erderwärmung über den Durchschnitt. Was bedeutet das? Noch nie war die globale Durchschnittstemperatur so hoch wie in den vergangenen acht Jahren seit Beginn der Aufzeichnungen.

2. Die größte Gletscherschmelze in Europa

Die Europäische Alpen brechen Negativrekorde. Der Tschiervagletscher ist in den Jahren 1935 bis 2022 drastisch geschmolzen. Dass zeigen Aufnahmen der Gletscherzunge, die immer weiter schwindet. Grund hierfür sind geringer Schneefall im Winter, Saharastaub im März und eine Hitzewelle im Sommer letzten Jahres. Langzeitbeobachtungen zwischen Oktober 2021 und Oktober 2022 zeigen einen durchschnittlichen Verlust der Schnee- und Eisdicke von -1,3 Meter. Weltweit haben Gletscher im Zeitraum von 1993 bis 2019 mehr als 6000 Gigatonnen an Eis verloren. Das entspricht dem Wasservolumen des Genfer Sees, dem größten See Westeuropas.

Lese-Tipp: Studie enthüllt: Fast die Hälfte der Gletscher bis 2100 verschwunden

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3. El Niño wird stärker

El Nino löst 2023 und 2024 mit großer Wahrscheinlichkeit La Nina ab
Der Pazifik ist der größte Ozean der Welt. Es ist die Heimat einer atemberaubenden Artenvielfalt.

Die Jahre 2023 und 2024 werden vermutlich durch das Wetterphänomen El Niño geprägt. El Niño beschreibt die veränderten Strömungen im Meer und höhere Temperaturen an der Ozeanoberfläche im Pazifik. Die Kaltphase, La Niña, geht hingegen zu Ende. Dieses Wetterphänomene finden im Wechsel statt. Jedoch beeinflusst der Klimawandel El Niño. Damit steige die Gefahr vor extremen Wetterlagen. Die amerikanische Ozean- und Atmosphärenbehörde NOAA, gab dem Wechsel auf El Niño mit einer Wahrscheinlichkeit von 80 Prozent bekannt und richtete ein Warnsystem ein. Auf das europäische Wetter seien diese Einflüsse vermutlich gering.

4. Der Meeresspiegel steigt schneller

Gletscherschmelzen und warme Gewässer führen zum Anstieg des Meeresspiegels
Der Meeresspiegel steigt rasend schnell an.

Der Meeresspiegel erreicht einen Rekordstand. Warum? Schmelzende Gletscher und wärmere Ozeane. Das Wasser erwärmt sich und dehnt sich aus. Zwischen 2013 und 2022 stieg der Meeresspiegel doppelt so schnell an wie zwischen 1993 und 2002. Durchschnittlich stieg der Meeresspiegel jährlich um 4,62 Millimeter. Das zeigen Messungen mit Satelliten. Im schlimmsten Fall könnte der Meeresspiegel bis zum Jahr 2100 um 1 Meter steigen.

5. Treibhausgaswerte auf Rekordhoch

 Das Kraftwerk Niederaußem von der RWE Power. Bergheim-Niederaußem, 19.09.2017 Foto:xC.xHardtx/xFuturexImage
Die Treibhausgaskonzentration in unserer Atmosphäre befindet sich auf einem Rekordwert

Nicht anders verhält sich die Treibhausgaskonzentration in unserer Atmosphäre. Die erreichen ebenfalls Rekordwerte. Treibhausgase, darunter Methan und CO2-Emissionen, tragen wesentlich zur Erderwärmung bei. 2022 soll nach Angaben der WMO das fünft- oder sechstwärmste Jahr in der Geschichte der Menschheit sein. Der deutsche Anteil am weltweiten Ausstoß von Treibhausgasen liegt bei 1,8 Prozent.

6. So wenig antarktisches Meereis wie nie zuvor

Das antarktische Meereis ist so wenig wie nie zuvor
Das Meereis der Antarktis hat sich nach der Sommerschmelze nicht wieder ausgedehnt.

Bedingt durch den Höchstwert an Treibhausgasen in der Atmosphäre, erreicht das antarktische Meereis einen neuen Tiefpunkt. Anfang 2022 sank das Meereis der Antarktis auf 1,92 Millionen km². Das sei der niedrigste Stand seit Beginn der Aufzeichnungen. Für das Jahr 2022 lag das Eis unter dem Durchschnitt und erreichte im Juni und Juli ein Rekordtief.

7. Earth Overshoot Day

World Overshoot Day: Fridays for Future Demo in München, Mindestens 188 Klimaaktivist*innen versammelten sich am 30.7.2021 in München, um für mehr Klimaschutz . - At least 188 climate activists gathered on July 30, 2021 in Munich, Germany to protest
World Overshoot Day: Fridays for Future Demo in München

Ein anderes Ereignis, dass die Klimakrise verdeutlicht, ist der Earth Overshoot Day, also der Erdüberlastungstag. Der 4. Mai 2023 markiert den Tag, ab dem Deutschland seine natürlichen Ressourcen, etwa fossile Brennstoffe, Holz, Pflanzen und Nahrungsmittel, aufgebraucht hat. 1970 lag der Overshoot Day der gesamten Erde noch am 29. Dezember. Seitdem rückt der Tag immer weiter nach vorne im Jahr. 2022 fiel der Stichtag schon auf den 28. Juli. Für das laufenden Jahr stoßen wir mehr CO2 aus, als Gewässer und Wälder maximal aufnehmen können und leben somit über unseren Verhältnissen.

8. Die Koralle sterben

ARCHIV - 11.09.2017, Australien, Cairns: Auf diesem von der Great Barrier Reef Marine Park Authority zur Verfügung gestellten Foto schwimmen kleine Fische in den Gewässern des Ribbon Reef 10 in der Nähe von Cairns, Australien.
So könnte das Great Barrier Reef bald überall aussehen.

Wärmere Ozeane finden vermutlich Urlauber erfreulich, jedoch gefällt das den Korallen so gar nicht. Unsere Ozeane nehmen CO2 auf, jedoch wird dadurch das Meerwasser wärmer und saurer. Jedes Grad mehr wird zur Überlebensfrage für Korallen. Das Great Barrier Reef ist immer häufiger von sogenannten Korallenbleichen betroffen. Die Temperaturen der Ozeane sind zum vergangenen Jahrhundert um 0,77 Grad Celsius gestiegen. Hinzu kommt, dass sich die Flachwassergewässer, wo die Korallen leben, stärker erwärmen.

9. Hitzewelle, Dürre und Flut

Nepal, Kathmandu: Nepalesen stehen auf einem Felsen am Ufer des überfluteten Flusses Bagmati und fotografieren die Strömung.
Mehr Katastrophen durch Klimawandel und Extremwetter

Eine weitere Folge des Klimawandels sind extreme Wetterlagen und Umweltkatastrophen. Europa war im Sommer 2022 von einer Rekordhitze betroffen. Einige Regionen kämpften mit extremen Temperaturen und Trockenheit. In Spanien, Deutschland, Großbritannien, Frankreich und Portugal stieg die Zahl der hitzebedingten Todesfälle auf rund 15.000.

In Ostafrika führte ein Dürreepisode sowie wenig Niederschlag an fünf aufeinanderfolgenden Regenzeiten zu einer Nahrungsmittelknappheit und versetzt das Volk in akute Ernährungsunsicherheit. In Pakistan haben Überschwemmungen im Juli und August 2022 Tausenden Menschen das Leben gekostet.

Lese-Tipp: Hitze, Waldbrände und trockene Flüsse: Copernicus-Bericht gibt Anlass zur Sorge

10. Auswirkungen auf den Menschen

In vom Klimawandel gefährdeten Regionen steigt die Sterblichkeit
Unterernährung als Folge des Klimawandel

Der Jahresbericht der WMO zeigt deutlich welche Auswirkungen der Klimawandel auf unseren Planeten hat. Der Weltklimarat geht davon aus, dass die Zielsetzung von 1,5 Grad Celsius für viele Jahre nicht eingehalten werden kann. Allein eine schärfere Klimapolitik der Länder würde die globale Durchschnittstemperatur wieder senken. Dabei ist nicht nur unsere Umwelt gefährdet, denn der Klimawandel hat auch direkte Auswirkungen auf das Leben des Menschen. Weltweit leben 3,6 Milliarden Menschen in Regionen, die durch den Klimawandel stark gefährdet sind. Dabei liegt die Sterblichkeit durch Klimafolgen in gefährdeten Weltregionen 15 Mal so hoch wie in gering gefährdeten Regionen.

„Während die Treibhausgasemissionen weiter ansteigen und sich das Klima weiter verändert, werden die Menschen weltweit weiterhin von extremen Wetter- und Klimaereignissen schwer getroffen“, warnt Generalsekretär Taalas.

Lese-Tipp: 10 Fakten zum Klimawandel: An diesen Stellen ist er jetzt schon messbar

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(dbo mit dpa)