Wetterlexikon: Meeresspiegelanstieg

Was verursacht den Meeresspiegelanstieg?

Im 20. Jahrhundert ist der Meeresspiegel um ungefähr 17 Zentimeter gestiegen (Quelle: IPCC). Eine Ursache für den aktuell immer stärker steigenden Meeresspiegel ist neben komplexen, teilweise noch nicht erforschten geodynamischen Zusammenhängen die globale Erwärmung. Diese führt zum einen zur Erwärmung der Ozeane, die das Ausdehnen des Wasservolumens zur Folge hat.

Zum anderen kommt es durch die höhere Lufttemperatur auf der Erde zum Abschmelzen der Gletscher und der Eisschilde in Grönland und in der Antarktis. Das ins Meer abfließende Schmelzwasser erhöht den Meeresspiegel dabei deutlich stärker als die thermische Expansion (Ausdehnung des Wassers durch Wärme). Schmelzendes Packeis und im Meer schmelzende Eisberge tragen nur unwesentlich zur Erhöhung des Meeresspiegels bei.

Der Meeresspiegel steigt immer weiter an

Seit dem Beginn der Industrialisierung im 19. Jahrhundert ist der Meeresspiegel stetig angestiegen. Der Weltklimarat IPCC gibt an, dass der mittlere Meeresspiegel im Zeitraum von 1901 bis 2010 um durchschnittlich 1,7 Millimeter pro Jahr gestiegen ist – in den letzten 20 Jahren hat sich der Anstieg mit durchschnittlich 3,2 Millimeter pro Jahr sogar fast verdoppelt. 2018 wurde nach Angaben der WMO (Weltorganisation für Meteorologie) mit 3,7 Millimeter der bisherige Rekordwert erzielt.

Auch das Wetterphänomen El Niño beeinflusst regional den Meeresspiegel und lässt diesen an der südamerikanischen Küste zeitweilig bis zu einem halben Meter steigen. Natürliche Meeresspiegelschwankungen durch tektonische Bewegungen, sich ändernde Meeresströmungen oder klimatische Veränderungen gab es in der Vergangenheit immer wieder.

Während des Höhepunkts der letzten Eiszeit war der Meeresspiegel verschiedenen Forschungen zufolge circa 115-130 Meter tiefer als heute. Durch das Abschmelzen des Eises stieg der Spiegel wieder an. Forscher fanden heraus, dass der Meeresspiegel während der Kreidezeit vor 80 Millionen Jahren zwischenzeitlich 170 Meter höher lag als heute – allerdings war die Erdkruste damals noch anders geformt und die Ozeane konnten nicht so viel Wasser aufnehmen (Quelle: „Science“-Wissenschaftsjournal, 2008).

60 Millionen Menschen weltweit vom Anstieg des Meeresspiegels bedroht

Besonders Küstenregionen sind gefährdet vom Meeresspiegelanstieg. Länder und Inselstaaten ohne effektive Küstenschutzmaßnahmen wie Bangladesch, Ägypten, Indonesien oder die Malediven würden je nach Anstiegshöhe in großen Teilen überflutet werden. Inseln mit wenig Landmasse und geringer Höhe wie die Halligen in der Nordsee oder die Atolle im Pazifischen Ozean drohen ganz im Meer zu versinken.

Doch auch in anderen Küstengebieten könnten Strände und Steilküsten erodieren. Es käme zu mehr Schäden durch Überflutungen oder Stürme. Tiefergelegene Gebiete wären häufiger von Überschwemmungen bedroht. Der Grundwasserspiegel stiege an. Zudem würde mehr Salz ins Grundwasser sowie in Seen und Flüsse geraten und den Feuchtgebieten ihre Fruchtbarkeit nehmen.

Bisher war man davon ausgegangen, dass ein Meeresspiegelanstieg um einen Meter im Mittel circa 60 Millionen Menschen existenziell bedrohen würde. Neueste Forschungen gehen aber davon aus, dass mindestens dreimal so viel Küstenbewohner betroffen wären als bisher angenommen (Quelle: „Nature“-Wissenschaftsjournal, 2019). Im Jahr 2019 lebten bereits über 100 Millionen Menschen unterhalb der mittleren Hochwasser-Linie.

Prognosen: Wie stark steigt der Meerespiegel bis 2100 an?

Die Wissenschaft ist sich weitestgehend einig, dass das Schmelzen der Polkappen und der Eisschilder in Zusammenhang steht mit der menschengemachten Erwärmung der Erdatmosphäre und der Ozeane. Der steigende Ausstoß von Treibhausgasen, insbesondere von CO2, heizt das Klima auf und lässt dadurch die Polkappen und die Eisschilde schmelzen. Das hat zur Folge, dass sich der Meeresspiegel weiter erhöht.

Wie stark der mittlere Meeresspiegel bis zum Ende des 21. Jahrhunderts steigen könnte, darüber ist sich die Wissenschaft uneins. Je nachdem, welches Szenario man durchspielt, halten Experten einen Anstieg zwischen 20 und 120 Zentimetern bis 2100 für möglich. Der IPCC ging in seinem Fünften Sachstandbericht, der im Jahr 2014 veröffentlicht wurde, von einem Anstieg von mindestens 26 Zentimetern (bei beträchtlichen Klimaschutzanstrengungen) bis 82 Zentimetern aus - ohne jedoch auszuschließen, dass der Anstieg auch deutlich höher ausfallen könnte. Momentan gilt ein Anstieg um einen Meter bis zum Ende des Jahrhunderts als durchaus realistisch.

Der Weltklimarat prognostiziert auch, dass der Meeresspiegel allein um etwa 20 Zentimeter bis zum Jahr 2100 steigen wird, wenn der Eisschild in Grönland weiter so rasant schmilzt wie zuletzt. Zur Einordnung: Würde das gesamte Eis in Grönland schmelzen, läge allein dadurch der Meeresspiegel um 7,4 Meter höher. Dabei entspricht die Masse des Grönlandeises nur etwa zwölf Prozent des Antarktiseises. Eine weitere Destabilisierung oder gar ein Kollaps des antarktischen Eisschildes hätte also weitaus drastischere Folgen.