Wie wir mit den Himmelskörpern umgehen

Asteroiden sind Fluch und Segen für die das Leben auf der Erde

Asteroidentag am 30. Juni

Für viele Menschen sind sie die Gefahr, die aus der Dunkelheit kommt: Asteroiden. Es schwingt immer die Angst mit, dass Einschläge eines Weltraumbrockens Tod und Verwüstung über die Erde bringen. Ähnlich, wie es bereits vor 66 Millionen Jahren mit den Dinosauriern geschah. Um vorbereitet zu sein, scannen die Astronomen ständig den Himmel, um gefährliche Brocken aus dem All rechtzeitig zu sehen. Anlässlich des anstehenden Asteroidentages am 30. Juni stellt sich die Frage, wo wir momentan stehen.

Im Video: Wie sich die Erde vor Asteroiden schützen kann.

Gefahr von Asteroideneinschlägen allgegenwärtig

Komet, Asteroid glüht beim Eintritt in die Atmosphäre
Asteroiden stellen eine ständige Gefahr für das Leben auf der Welt dar, sobald sie Kurs auf die Erde nehmen. © © Johan Swanepoel, By Johan Swanepoel

Sie brachten möglicherweise das Wasser und damit die Grundlage allen Lebens auf die Erde, doch sie können auch den Tod bringen. Die Gefahr von Asteroideneinschlägen ist allgegenwärtig und die Raumfahrtbehörden richten zunehmend ihr Augenmerk auf die Brocken aus den Weiten unseres Sonnensystems. Auch die Abwehr dieser Überreste der Planetenentstehung ist längst keine Science-Fiction mehr. Der Beschuss von Asteroiden ist nicht nur Gegenstand von Katastrophenfilmen, sondern ist in den Köpfen von Forschern und soll in Kürze erstmals Realität werden.

Angst vor Unheil aus dem All muss man Experten zufolge aber derzeit nicht haben. Richtig große Brocken sind nicht auf Kollisionskurs mit unserem Heimatplaneten. „Es gibt keinen Grund zur Panik“, sagt der Asteroidenexperte der europäischen Raumfahrtagentur Esa, Detlef Koschny, aus Anlass des Asteroidentages am 30. Juni. Überraschungen kann es aber immer geben. „Es gibt viele Objekte da draußen, die wir noch gar nicht kennen.“

Was man aus Asteroiden-Namen herauslesen kann

Asteroid von Tscheljabinsk hatte eine Sprengkraft von 500 Kilotonnen TNT

1377168 Russia, Chelyabinsk. 02/15/2013 The trace of a flying object in the sky over Chelyabinsk (still from a dashboard camera). -/RIA Novosti (Best quality available) +++(c) dpa - Bildfunk+++
Meteoriteneinschlag im russischen Tscheljabinsk © dpa

2013 kam ein 20 Meter großer Asteroid in der russischen Millionenstadt Tscheljabinsk aus dem Nichts und richtete Verwüstungen an. Ohne jede Vorwarnung verletzte die Druckwelle rund 1500 Menschen – zumeist durch geborstene Scheiben. Eine Explosion eines Brockens dieser Größenordnung setzt eine Energie von 500 Kilotonnen des Sprengstoffs TNT frei – die Hiroshimabombe hatte eine Kraft von 15 Kilotonnen.

Am 30. Juni 1908 kam es ebenfalls in Russland zu einer Asteroidenexplosion. In Sibirien fegte die Druckwelle Millionen Bäume auf einer Fläche fast so groß wie das Saarland weg. Wegen dieser Naturkatastrophe riefen die Vereinten Nationen 2016 den 30. Juni zum Internationalen Asteroidentag aus.

Apophis stellt keine Gefahr dar

Apophis Asteroid, planetare Verteidigung
Der Asteroid Apophis wurde aus der Risikoliste der Esa gestrichen. © iStockphoto, Sven Bachstroem -; Earth in this montage provided by NASA

Ab einer Größe von 50 Metern muss man Koschny zufolge über eine absichtliche Ablenkung nachdenken. Asteroid „Apophis“ mit rund 300 Metern Durchmesser sei ein solcher Kandidat gewesen. Lange glaubte man, dass der Brocken im Jahr 2068 Kollisionspotenzial mit der Erde hat. „’Apophis’ ist vom Tisch. Die Gefahr ist gebannt“, sagt Koschny zu jüngsten Berechnungen. Der Asteroid wurde aus der Risikoliste der Esa gestrichen. Auch 2029 fliegt er an der Erde vorbei, in nur 30.000 Kilometern Entfernung. „Das ist unterhalb der Höhe von Wetter- und Fernsehsatelliten“, sagt der Asteroidenforscher vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt, Alan Harris. Zum Vergleich: Der Mond ist rund 400.000 Kilometer entfernt.

Esa und Nasa mit gemeinsamen Projekt zur Asteroidenabwehr

HANDOUT - 26.06.2020, ---: Die Computersimulation zeigt die Sonde «Hera» im Anflug auf den Asteroiden Didymoon. (zu dpa «Gefährliche Brocken aus dem All: Beschuss von Asteroid geplant») Foto: Mark Fittock OHB/OHB SE/dpa - ACHTUNG: Nur zur redaktionel
Esa und Nasa haben ein gemeinsames Projekt gestartet bei dem ein Asteroid erst beschossen und dann von der Sonde "Hera" (Illustration) untersucht werden soll. © dpa, Mark Fittock OHB, fie abl vco

Welche zerstörerische Kraft Asteroiden haben können, zeigt der Einschlag eines rund zwölf Kilometer großen Brockens vor rund 66 Millionen Jahren in Mexiko. Er gilt weithin als Ursache für das Aussterben der Dinosaurier. Wenn so etwas auf die Erde zukommt, hat man Harris zufolge nicht viele Optionen. Da müsste man versuchen, mit einer Reihe von atomaren Sprengköpfen die Bahn abzulenken. „Das würden wir aber Jahrhunderte im Voraus wissen. Wir sind sicher, dass nichts am Himmel ist, das die Erde treffen könnte, das größer ist als ein Kilometer.“

Vorbereitet auf etwaige Gefahren aus dem All möchten die Raumfahrtbehörden dennoch sein. Schon heute wird der Himmel gescannt und nun starten Esa und Nasa ein gemeinsames Projekt, um erstmals in der Geschichte der Raumfahrt den Orbit eines Asteroiden verändern. Die US-Sonde „Dart“ soll 2022 in 150 Millionen Kilometer Entfernung in den kleineren Brocken eines Doppelasteroiden einschlagen. 2024 soll dann die nach einer griechischen Göttin benannte und vom Esa-Kontrollzentrum in Darmstadt gesteuerte Mission „Hera“ starten und den „beschossenen“ Asteroidenteil untersuchen.

Armageddon-Film kein gutes Beispiel

Nach einem Schnellkurs starten die frischgebackenen Astronauten zu ihrer schwierigen Mission.
Im Film, Armageddon, sprengt Bruce Willis und sein Team einen Asteroiden, um die Gefahr von der Erde abzuwenden. Experten halten eine Sprengung allerdings für keine gute Idee. © Foto: VOX, 040808 Armageddon.jpg

Koschny zufolge wird „Dart“ mit eine Geschwindigkeit von knapp sieben Kilometern pro Sekunde aufschlagen. Bei einer solchen Geschwindigkeit wäre man in weniger als zwei Minuten von Amsterdam in München. „Für die Asteroidenabwehr ist das schon ein Meilenstein.“ Zerstören wolle man den Asteroiden aber nicht. „Die Dinger kaputt zu machen, so wie Bruce Willis das tut, ist nicht gut, weil dann die ganzen Brösel auf die Erde fallen“, sagt Koschny mit Blick auf den Katastrophenfilm „Armageddon“.

Asteroiden sind Harris zufolge Fluch und Segen zugleich. Der steten Gefahr von Einschlägen steht die möglicherweise lebensspendende Eigenschaft gegenüber. „Die Idee ist, dass die Asteroiden, die wir heutzutage sehen, verwandt sind mit den Bausteinen der Erde, mit den ursprünglichen Köpern, die die Erde aufgebaut haben.“ Man vermute, dass diese vielleicht die Hauptquelle von Wasser sind. „Das ist wirklich so, Asteroiden können das A und das O des Lebens auf der Erde sein.“

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(dpa/kfb)