Wir sind an einem Scheideweg

Weltklimarat mit neuem IPPC-Bericht: Was jetzt zu tun ist

von Amelie von Kruedener

Der Weltklimarat (IPCC) sagt es deutlich: der menschengemachte Klimawandel kann nur mit viel Einsatz begrenzt werden. Die Begrenzung der Erderhitzung auf maximal 1,5 Grad ist nach Ansicht des Weltklimarats nur noch zu erreichen, wenn der Ausstoß von Treibhausgasen sofort und drastisch verringert wird. Jetzt geht es um echte Taten!

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Wir sind an einem Scheideweg

"Wir sind an einem Scheideweg. Die Entscheidungen, die wir jetzt treffen, können eine lebenswerte Zukunft sichern", erklärte der IPCC-Vorsitzende Hoesung Lee. "Wir haben die Werkzeuge und das Wissen, um die Erwärmung zu begrenzen."

IPCC-Sachstandsbericht gibt klare Handlungsempfehlung

Der neue Sachstandsbericht bildet den Ist-Zustand ab und welche Maßnahmen jetzt notwendig und effektiv sind, um die Erderhitzung einzudämmen und damit die drohende Klimakatastrophe abzuwenden. Neben Wegen, wie der Ausstoß klimaschädlicher Treibhausgase etwa im Verkehr, der Industrie oder bei Gebäuden gesenkt wird, geht es auch um Technologien, wie man CO2 aus der Atmosphäre herausnehmen kann.

In den vergangenen Wochen hatten 195 IPCC-Mitgliedstaaten die Zusammenfassung des rund 2800 Seiten langen Berichts für politische Entscheidungsträgerinnen und -träger verabschiedet. Im Kernteam: 278 Wissenschaftler aus aller Welt, davon 14 aus Deutschland haben dafür in den vergangenen Jahren zehntausende Studien ausgewertet.

IPCC-Bericht: 3,6 Milliarden Menschen von Klimakrise bedroht

Bericht zeigt - es gibt auch Lichtblicke.

Im Kampf gegen die drohende Klimakatastrophe will die Welt die Erderhitzung bei 1,5 Grad stoppen. Dafür ist enormes Tempo in allen Lebensbereichen gefragt, wie ein Bericht des Weltklimarats zeigt. Doch es gibt auch Lichtblicke.

So soll eine weltweite Klimakatastrophe verhindert werden

Es geht um Taten, die unseren Planeten vor dem Kollaps retten können. Es geht um Möglichkeiten, von fossilen Energieträgern loszukommen. Es geht darum, die Wirtschaft klimafreundlicher zu machen. Es geht darum, Kohlendioxid aus der Atmosphäre zu entfernen.

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Fossile Energieträger müssen weg

Die Kosten für Solar- und Windenergie sind seit 2010 um bis zu 85 Prozent gesunken, was den Ausbau erneuerbarer Energien angekurbelt habe, so der IPCC-Bericht. Das Umsteuern im Energiesektor gilt als entscheidend. Dazu gehört den Forschern zufolge unter anderem, erheblich weniger fossile Energieträger zu nutzen und alternative Kraftstoffe wie Wasserstoff zu nutzen.

Besonders gute Möglichkeiten gebe es dafür in Städten - etwa indem man ihre Zentren so umgestaltet, dass Wege bequem und sicher zu Fuß oder mit dem Rad zurückgelegt werden können, oder indem man den öffentlichen Nahverkehr elektrifiziert.

Weniger Fleisch essen bringt was - aber die Politik muss ran

Methan Deutsch
Auch der Ausstoß des Klimagases Methan - etwa aus der Landwirtschaft - müsse sich bis 2030 um rund ein Drittel reduzieren.

Der Weltklimarat hat außerdem beleuchtet, welchen Einfluss es hat, weniger Fleisch zu essen und kommt zu dem Schluss: Der Lebensstil und das persönliche Verhalten spielen durchaus eine wichtige Rolle fürs Klima. Allerdings brauche es hier die richtigen Rahmenbedingungen durch die Politik, betonen die Autoren. Die Verantwortung dürfe nicht auf den Einzelnen abgewälzt werden.

Mit Richtlinien, neuen Technologien und passender Infrastruktur könne man die Treibhausgas-Emissionen in diesem Bereich jedoch bis 2050 um 40 bis 70 Prozent reduzieren, heißt es - "ein erhebliches ungenutztes Potenzial".

Erhitzung wird wohl kritische Schwelle übersteigen

Die Wissenschaft hält es für immer wahrscheinlicher, dass die Erhitzung der Erde zeitweise die kritische Schwelle von 1,5 Grad übersteigen könnte, bevor sie durch entsprechende Maßnahmen wieder darunter absinken könnte.

Dabei wird auch die Entnahme von CO2 aus der Atmosphäre eine Rolle spielen, die vom Weltklimarat erstmals ausführlicher untersucht wurde.

Selbst bei erreichter Klimaneutralität werde es in einigen Jahrzehnten noch immer Rest-Emissionen geben. "Die sollten möglichst niedrig sein, und sie müssen ausgeglichen werden."

Bislang noch kein Durchbruch, um Emissionen zu reduzieren

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Bei fossilen Kraftwerken, insbesondere der Kohle, seien "frühzeitige Abschaltungen und die Streichung geplanter Vorhaben" notwendig.

Der Weltklimarat befürwortet die Entwicklung und Erforschung solcher Techniken, warnt aber davor, sich darauf zu verlassen. Keine Technologie dieser Art könne auffangen, was an notwendigen Einsparungen in anderen Bereichen ausbleibe. "Wenn der CO2-Ausstoß bis 2030 weltweit nicht deutlich sinkt, dann werden wir die Grenze von 1,5 Grad globaler Erwärmung wahrscheinlich reißen. Das zeigen die neuen Zahlen auf krasse Weise", sagte der Physiker Elmar Kriegler vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK), der ebenfalls an dem Bericht mitgearbeitet hat.

Es sei bislang noch kein Durchbruch gelungen, die globalen Emissionen zu reduzieren, kritisierte Kriegler. "Dafür braucht es jetzt entschlossene und international abgestimmte Politik, kollektives Handeln und viele Investitionen."

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Treibhausgase so hoch wie nie

Treibhausgase in der Atmosphäre
Die Wissenschaft hält es für immer wahrscheinlicher, dass die Erhitzung der Erde zeitweise die kritische Schwelle von 1,5 Grad übersteigen könnte, bevor sie durch entsprechende Maßnahmen wieder darunter absinken könnte.

Im Durchschnitt lag der weltweite Ausstoß von Treibhausgasen zwischen 2010 und 2019 so hoch wie nie zuvor in der Geschichte der Menschheit. Allerdings habe sich die Wachstumsrate verlangsamt. Den Modellierungen der Wissenschaftler zufolge müssen die Treibhausgasemissionen für das 1,5-Grad-Ziel noch vor dem Jahr 2025 ihren Höhepunkt erreicht haben und bis 2030 um 43 Prozent gesenkt werden.

Fridays for Future: Das Zeitfenster schließt sich

Die Bewegung Fridays for Future zeigte sich alarmiert. Der Bericht zeige klar: „Das Zeitfenster für die Einhaltung des Pariser Klimaabkommen schließt sich rasant.“ Bereits jetzt müsse zum Einhalten der 1,5-Grad-Grenze Kohlenstoffdioxid wieder aus der Atmosphäre entfernt werden. Doch das Warten auf ein «technologisches Wunder» werde vergebens sein. „Es gibt keine Möglichkeit zur CO2-Entfernung, die die Notwendigkeit radikaler Emissionsreduktion ersetzt.“ Mit der Bundesregierung aus SPD, Grünen und FDP ging die Bewegung hart ins Gericht - deren Klimaschutzpläne reichten nicht aus.

Politik will neues Gesetzespaket

Bundeswirtschafts- und Klimaschutzminister Robert Habeck (Grüne) will in Kürze ein Gesetzespaket vorstellen, dass die Energiewende in Deutschland massiv beschleunigen soll. Im vergangenen Jahr hat Deutschland sein Klimaziel verfehlt. Bundesbildungs- und Forschungsministerin Bettina Stark-Watzinger sieht im neuen Bericht des Weltklimarats einen Beleg für die Notwendigkeit von Forschung zu technologischen Antworten auf die Erderwärmung. „Denn wir wollen lieber auf Innovationen setzen als auf Verzicht“, betonte die FDP-Politikerin.

Jennifer Morgan: "Die Welt steht in Flammen"

Die Staatssekretärin im Auswärtigen Amt und Sonderbeauftragte für internationale Klimapolitik, Jennifer Morgan, reagierte beunruhigt: „Der heutige Bericht zeigt mit erschreckender Klarheit erneut: die Welt steht in Flammen und die Staatengemeinschaft tut noch nicht genug, um den Brand zu löschen. Alle Staaten müssen jetzt mehr tun, um den 1,5-Grad-Pfad offen zu halten und somit noch dramatischere, irreversible Folgen für unser Leben und die Umwelt auf unserem Planeten abzuwenden“, forderte sie.

Guterres: "Ein Dokument der Schande"

UN-Generalsekretär Antonio Guterres machte Wirtschaft und Politik schwere Vorwürfe. „Es ist ein Dokument der Schande, ein Katalog der leeren Versprechen, die die Weichen klar in Richtung einer unbewohnbaren Erde stellen“, betonte er in einer Videobotschaft. „Sie ersticken unseren Planeten“, sagte Guterres über Regierungen und Firmen, die für hohe Treibhausgas-Emissionen verantwortlich sind. Guterres rief die Weltbevölkerung auf, selbst aktiv zu werden: „Fordert, dass erneuerbare Energie jetzt eingeführt wird - und zwar schnell und in großem Rahmen.“

Es ist Teil des 6. Sachstandsberichts des Weltklimarats, dessen Veröffentlichungen als umfassendster und international anerkannter Stand der Klimaforschung gelten.

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(avo)