Der Wald erholt sich nicht mehr

Studie: Amazonas-Regenwald verliert an Widerstandsfähigkeit

Die schlechten Nachrichten reißen nicht ab – der Klimawandel setzt sich fort und die Menschheit tut offenbar viel zu wenig für die Rettung der Lunge der Welt: Dem Amazonas. Nun haben Forscher festgestellt, dass der Regenwald im Amazonasgebiet seit Anfang der 2000er-Jahre kontinuierlich an Widerstandsfähigkeit eingebüßt hat. Bei mehr als drei Vierteln des Waldes habe die Fähigkeit nachgelassen, sich von Störungen wie Dürren oder Bränden zu erholen, heißt es in der Studie eines britisch-deutschen Forscherteams, die in der Fachzeitschrift „Nature Climate Change“ veröffentlicht ist.

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Abholzung des Regenwaldes in Brasilien auf Rekordniveau

Austrocknung des Amazonasgebiets durch globale Erwärmung

Tropische Schmetterlinge umringen eine Terekay-Schienenschildkroete (Podocnemis unifilis) und versuchen ihre Traenenfluessigkeit zur Deckung des Mineralstoffbedarfs zu trinken, Tambopata Naturschutzgebiet, Madre de Dios, Peru / Tropical butterflie ho
Tropische Schmetterlinge umringen eine Terekay-Schienenschildkroete . Stirbt der Amazonas, sterben Tausende Arten mit ihm.

Niklas Boers vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) und seine Mitarbeiter von der britischen Universität Exeter hatten hoch aufgelöste Satellitendaten zur Veränderung der Biomasse und der Produktivität im Amazonaswald statistisch analysiert. Sie führen die nachlassende Widerstandsfähigkeit auf den Stress durch Abholzung und Brandrodungen zurück, der Einfluss des Klimawandels sei bisher nicht eindeutig feststellbar.

„Eine verringerte Resilienz - die Fähigkeit, sich von Störungen wie Dürren oder Bränden zu erholen - kann ein erhöhtes Risiko für das Absterben des Amazonas-Regenwaldes bedeuten. Dass wir in den Beobachtungen einen solchen Resilienzverlust feststellen, ist besorgniserregend“, sagt Boers.

IPCC-Bericht: 3,6 Milliarden Menschen von Klimakrise bedroht

Besonders gefährdet für den Verlust der Widerstandsfähigkeit sind den Forschern zufolge trockene Gebiete. „Dies ist alarmierend, da die IPCC-Modelle eine allgemeine Austrocknung des Amazonasgebiets als Reaktion auf die vom Menschen verursachte globale Erwärmung vorhersagen“, sagt Boers. Auch Gebiete in der Nähe von menschlichen Siedlungen seien besonders bedroht.

Es droht eine riesige Wüste, wo jetzt Wald steht

Dichte Vegetation im Amazonas Regenwald, Tambopata Naturschutzgebiet, Madre de Dios, Peru / Dense vegetation of the Amazon rain forest, Tambopata National Reserve, Madre de Dios, Peru
Dichte Vegetation im Amazonas Regenwald, Der Wald hat mehr und mehr Probleme, sich zu erholen.

Der Amazonas-Regenwald speichert erhebliche Mengen an Kohlenstoff und besitzt eine Schlüsselrolle für das Weltklima und die Artenvielfalt. Er gilt als eines der sogenannten Kippelemente, die das Klima auf der Welt aus dem Gleichgewicht bringen können.

Plastikproduktion ist für 4,5 Prozent der weltweiten Treibhausgase verantwortlich

Forscher warnen davor, dass sich beim Überschreiten eines Kipppunktes ein Großteil des Amazonasgebiets in eine Savanne verwandeln könne. „Wann ein solcher möglicher Übergang stattfinden könnte, können wir nicht sagen. Wenn er dann zu beobachten ist, wäre es wahrscheinlich zu spät, ihn aufzuhalten“, so Boers.

Schätzungen zufolge könnte für das Erreichen des Kipppunktes ein Verlust von 20 bis 25 Prozent der Walddecke im Amazonasbecken ausreichen. Riesige Wüsten könnten eine Folge sein - und die weltweite Zunahme von Dürren und Überschwemmungen.

In weiten Teilen Brasiliens herrschten im vergangenen Jahr Wassermangel und Trockenheit, was auch dem Klimawandel und den Abholzungen zugeschrieben wird.

Die Politik des braslianischen Präsidenten Jair Bolsonaros treibe den Amazonas-Regenwald „geradewegs in den Kipppunkt“, sagte Roberto Maldonado, Brasilien-Referent der Umweltorganisation WWF. Bis zum Ende seiner Amtszeit im Oktober wolle Bolsonaro weiter Waldzerstörung für die Produktion von Futtermittelsoja und Rindfleisch legalisieren und indigene Territorien durch Bergbau in Mondlandschaften verwandeln. Als Abnehmer der Produkte stünden viele europäische Länder, darunter Deutschland, in der Verantwortung.

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(dpa/osc)