Interview mit Greenpeace Basilien

Amazonas am Scheideweg: Kann Brasiliens neuer Präsident Lula den Regenwald wirklich retten?

aus Ägypten: Oliver Scheel

Er wurde gefeiert wie ein Rockstar, es waren Szenen wie in einem Fußballstadion: Mit Sprechchören wurde Brasiliens neuer Präsident Luis Inacio Lula da Silva auf der Klimakonferenz COP27 in Ägypten empfangen. Aber ist er wirklich der Retter des Regenwaldes, der Messias der Wälder? Welchen Einfluss kann er nehmen und welche Hürden muss der 77-Jährige überwinden? Wir ordnen gemeinsam mit Carolina Pasquali von Greenpeace Brasilien ein.

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"Werden alle rigoros bestrafen, die in illegale Aktivität verstrickt sind"

16.11.2022, Ägypten, Scharm El Scheich: Luiz Inacio Lula da Silva (M), Präsident von Brasilien, steht beim UN-Klimagipfel COP27 auf einer Bühne im brasilianischen Pavillon  mit indigenen Frauen aus dem Amazonasgebiet. Foto: Christophe Gateau/dpa +++
Lula umgeben von Indigenen aus dem Amazonasgebiet.

Zugegeben: Es war eine starke Rede, die Lula da auf der COP27 in Sharm el Sheikh hielt. Er will bis 2030 die Abholzung auf Null senken. Keine weitere Art soll dann aussterben. „Es gibt keine Sicherheit für das Weltklima ohne einen geschützten Amazonas“, rief er aus.

Und weiter: „Wir werden alle rigoros bestrafen, die irgendeine Art illegaler Aktivität durchführen, seien es Goldgräber, Holzfäller, Landbesetzung der industriellen Landwirtschaft oder das Ausheben von Mienen. Dazu werden wir ein Ministerium von und für indigene Menschen einführen, um ihr Überleben, ihre Sicherheit, Frieden und Nachhaltigkeit zu garantieren.“

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Greenpeace: "Wir werden Lulas Wachhund sein"

FILE - An area of forest on fire near a logging area in the Transamazonica highway region, in the municipality of Humaita, Amazonas state, Brazil, Sept. 17, 2022. Marina Silva, a former senator and environmental minister, has a message for the U.N. c
Der Amazonas hat harte Jahre hinter sich: Ex-Präsident Bolsonaro öffnete der illegalen Abholzung Tür und Tor

Starke Wort – keine Frage. Aber wie kann Lula seinen Plan umsetzen? Wie stark wird der Gegenwind sein? Carolina Pasquali von Greenpeace Brasilien ist tatsächlich optimistisch: „Was wir in den letzten vier Jahren erlebt haben, war wie ein Abriss. Die Abholzung stieg auf ein Rekordhoch, wir hatten über 100.000 Wildfeuer in einer Saison, auch das war ein Rekord“, sagt sie. „Lula bringt eine neue Perspektive. Er bringt Brasilien zurück ins Spiel. Es gibt jetzt wieder Raum für Dialog, der war unter Bolsonaro verloren gegangen.“

Lula hat einige Möglichkeiten, den Schutz des Amazonas voranzutreiben. „Er kann die Behörden wieder mit mehr Geld ausstatten, er kann Leute dafür einstellen.“ Lula gilt aber als Anhänger des Freihandelsabkommens Mercosur, das schmeckt nicht allen, denn es öffnet dem Handel Tür und Tor, auch dem Handel mit Soja, Fleisch, Holz. „Natürlich müssen wir genau hinschauen. Wir werden ihn und den Kongress unter Druck setzen. Lula sagte, er wird der Wachhund bei den globalen Verträgen sein. Aber wir werden der Wachhund des Wachhundes sein“, so Pasquali.

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Europa kann sich mitschuldig machen

carolina pasquali
Carolina Pasquali von Greenpeace Brasilien

Gemeinsam mit Kongo und Indonesien, den Ländern, die neben Brasilien noch über die größten Regenwaldflächen verfügen, gründete Lula schon eine Kooperation. „Das ist eine gute Nachricht, denn der Amazonas hat harte Jahre hinter sich, er ist nah am Kipppunkt. Für die Menschen, die Erde, die Klimakrise geht kein Weg vorbei an einem gesunden Amazonas“, sagt Pasquali.

Lula will Ungleichheit, Hunger und Armut beenden. Und in Brasilien hängt alles am Regenwald: „Wie teuer ist unser Essen, wie teuer die Energie, alles hängt mit der Natur zusammen. Unsere Energie ist stark abhängig von Flüssen. Wenn es nicht mehr regnet, wird unsere Wasserkraft keinen Strom mehr liefern“, erklärt Pasquali.

Lulas schärfster Kontrahent wird die starke Agrarlobby in Brasilien sein. „Es wird seine Aufgabe sein, der Lobby deutlich zu machen, dass Europa und andere Märkte nichts bei ihnen kaufen werden, wenn es im Zusammenhang mit Abholzung steht. Wir brauchen da aber auch die Unterstützung aus Europa, sonst macht sich Europa mitschuldig an der Abholzung des Waldes und der Tötung von indigenen Menschen.“

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(osc)