Sven Harmeling von CARE

Interview über die deutsche Rolle bei der Klimakonferenz: Deutschland steht insgesamt gut da

aus Ägypten: Oliver Scheel

Was bringt die Klimakonferenz in Ägypten der Welt und dem Klima? Und wie ist die deutsche Rolle bei der COP27 zu beurteilen? Sven Harmeling ist klimapolitischer Koordinator von CARE und hat die Konferenz hier täglich beobachtet. Im Interview mit wetter.de erläutert er seine Sicht der Dinge.

Das ganze Interview mit Sven Harmeling sehen Sie oben im Video

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Die Klimakonferenz neigt sich dem Ende, wie ist die deutsche Rolle zu beurteilen?

„Wir wissen genau, dass wir eine größere Unterstützung für die Länder, die besonders vom Klimawandel betroffen sind, brauchen. Dennoch hat Deutschland positive Impulse gesetzt. Bei den Verhandlungen in den kommenden Tagen ist Deutschland in ganz entscheidender Rolle, weil eines der kritischen Themen, nämlich die Klimaschäden und die Unterstützung dazu, von einer deutschen Ministerin mitverhandelt wird.“

Hätten Sie sich eine stärkere deutsche Stimme gewünscht, was die Einhaltung der Menschenrechte angeht oder wollte Deutschland hier das Vorankommen der Verhandlungen nicht gefährden?

„Das ist ein umstrittenes und kritisches Thema mit den Menschenrechten. Die Deutschen haben sich sehr weit vorgewagt mit verschiedenen Statements, auch von Ministerin Annalena Baerbock und es gab kritische Veranstaltungen im deutschen Pavillon. Da können wir uns nicht beklagen.“

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War die Ausrichtung in Ägypten eine gute Idee?

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Ob Ägypten ein guter Ort für eine Klimakonferenz ist, wird kontrovers diskutiert.

„Im Endeffekt hat sich die afrikanische Ländergruppe dazu entschlossen, das ägyptische Angebot anzunehmen. Und Vieles ist dann in den Händen der Ausrichter. Aber es wirft natürlich einigen Schatten auf die Konferenz, wie hier mit Menschenrechten und der Zivilgesellschaft umgegangen wird.“

Im Nahen und Mittleren Osten wird viel Geld mit fossilen Energien verdient. Sehen Sie einen Sinneswandel bei den Ländern aus Nahost oder wird hier viel Greenwashing betrieben?

„Wir sehen Beides. Wir sehen Greenwashing, wenn es ums Thema fossiles Gas geht, was manche Länder als Übergangsenergielösung proklamieren. Wenn man sich aber die Klimaszenarien anschaut, dann können wir das Gas nicht aus der Erde holen. Gleichzeitig sind aber viele Länder dabei, sich auf den Weg zu machen. Sie kommen aus Situationen, wo sie ganz stark von fossilen Energien abhängig sind. Man sieht jetzt viele Initiativen, die Erneuerbaren Energien auszubauen und Energie zu sparen. Das ist aber noch sehr am Anfang.“

Wie ist der Umgang mit dem Thema Loss & Damage zu bewerten?

„Das Ziel der Entwicklungsländer eines neuen Fonds, eines Finanzinstruments zum Umgang mit den Klimaschäden, ist noch auf dem Tisch. Die EU hat sich ein bisschen bewegt. Aber wir sehen auf Seiten der USA doch einige Schwierigkeiten. Es ist dennoch wichtig, den Druck aufrecht zu erhalten und an der Seite der besonders betroffenen Länder zu stehen.“

Was würden Sie sich von deutscher Seite wünschen, welche Rolle sollte Deutschland in der internationalen Klimapolitik einnehmen?

„Deutschland steht insgesamt gut da, in dem es Initiativen mit anderen Ländern voranbringt. Ein Problem ist, dass Deutschland immer mehr Gas auch aus Afrika importieren will. Wir hören hier aber von den Kollegen aus Afrika, dass wir komplett auf Erneuerbare Energien umsteigen müssten. Es gebe da ein riesiges Potenzial. Das läuft zum Teil zuwider, da würden wir uns von Deutschland eine konsequentere Rolle bei den Erneuerbaren wünschen.“

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Wo sehen Sie die größten Gefahren der Internationalen Klimapolitik?

harmeling cop27 interview scheel
Der klimapolitische Koordinator von CARE, Sven Harmeling, im Interview mit Oliver Scheel von wetter.de

„Die größte Gefahr wegen dieser Vielfachkrise, in der wir uns befinden, ist, dass man sehr kurzfristig denkt. Die Staaten versuchen, kurzfristig neues Gas zu erschließen, um das russische Gas und Öl zu ersetzen, obwohl längst klar ist, dass wir auf Erneuerbare setzen müssen. China und Indien sind zum Teil konstruktiver aufgetreten als wir es erwartet haben. Ein wichtiges Signal war auch, dass die USA und China ihre Zusammenarbeit beim Klima wieder aufgenommen haben, nachdem da ein halbes Jahr Ruhe war. Das gibt ein bisschen Hoffnung.“

Mit welchen Gefühlen reisen Sie ab?

„Ich reise mit gemischten Gefühlen ab. Es müsste viel mehr passieren, die Länder müssten viel mehr zusammenarbeiten. Was aber inspirierend ist, ist zu sehen, wie viele Länder, Akteure und Unternehmen hier zeigen, was sie alles machen wollen im Kampf gegen den Klimawandel. Wenn das alles umgesetzt wird, kommen wir ein ganzes Stück weiter.“

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(osc)