Nur massive Änderungen helfen

Klimawandel bedroht Tierwelt und Artenvielfalt

von Zarah Reinders

Der Klimawandel bedroht das Überleben von etwa einer Million bekannten Tierarten auf dieser Welt. Für ihr Überleben kann daher entscheidend sein, ob sie sich an die neuen Umweltbedingungen anpassen können oder nicht. Wissenschaftlerin Dr. Claudia Bieber ordnet ein und erklärt, was wir tun müssen, um unsere Tierwelt zu schützen.

Einige Tierarten sind an extreme Klimabedingungen angepasst

Eine Gruppe von Kamelen zieht durch ein Sandfeld nahe der Weissen Wüste, aufgenommen am 22.05.2015. Die zur östlichen Sahara gehörende und in Ägypten gelegene Weisse Wüste wurde im Jahr 2002 zum Nationalpark erklärt, der berühmt ist für seine sedimen
Die langen Beine der Kamele halten sie vor der Hitze am Boden fern.

Seit Millionen von Jahren gibt es schon Regionen auf der Erde, in denen extreme Bedingungen herrschen. Die dort lebenden Tierarten haben sich erfolgreich an das Leben über der 40-Grad-Marke gewöhnt.

Claudia Bieber, Wissenschaftlerin am Forschungsinstitut für Wildtierkunde und Ökologie der Veterinärmedizinischen Universität Wien, hat ein Beispiel: „Kamele haben beispielsweise lange Beine, um mit der Hitze besser klar zu kommen. So sind sie weit vom Boden entfernt, der sie durch Radiation sonst weiter aufwärmen könnte. Außerdem haben sie spezielle Nasenkanäle, um beim Ausatmen möglichst wenig Wasser zu verlieren“.

Grundsätzlich ist es also möglich, dass sich Tiere an klimatisch neue Bedingungen – und auch ein extremes Klima – anpassen. Es gibt nur ein Problem.

Klimawandel bringt Veränderungen zu schnell

Fennek oder Wütenfuchs im Oasis Park, La Lajita, Fuerteventura, Spanien
Der Wüstenfuchs hat seine großen Ohren zur Temperaturregulierung vermutlich über Tausende von Jahren ausgebildet.

Die Anpassung der Tiere, an ihre extrem heiße Umwelt, hat sich über einen sehr langen Zeitraum entwickelt. Nun erwärmt sich die Erde allerdings schneller, als die Tierarten sich anpassen können. Schuld daran, hat laut Claudia Bieber auch der Eingriff des Menschen in die Natur und massive Abholzung der Wälder.

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"Wir müssen den Raubbau beenden"

Grafik, Abholzung der Wälder weltweit. Quelle: WWF
Übersicht der weltweiten Abholzung der Wälder 2014-2017.

„Wir sind schon in einer Situation, wo wir die Natur belasten, indem die Menschen extrem eingreifen, indem wir Wälder abholzen, und Häuser und Straßen bauen“, erklärt Bieber im Interview mit wetter.de. Das hat ernste Folgen:

1. Verringerung des Lebensraums von Tieren

Dadurch, dass wir immer mehr Straßen und Häuser bauen, würden Populationen zerschnitten, erklärt die Wissenschaftlerin. Das führe zu kleineren Populationen und auch einem kleineren Genpool. „Und je kleiner Populationen sind, und je schwieriger sie sich bewegen können, desto wahrscheinlicher ist es, dass Populationen aussterben können“, so Bieber. Denn die Wahrscheinlichkeit, dass ein extrem gut angepasstes Tier in einer Population lebt, dass sich fortpflanzen könnte, ist geringer.

2. Fehlende Ruhezonen

Hinzu kommt: Bei den heißen Temperaturen brauchen auch Tiere im Wald ihre Ruhe. „Wenn da noch in den letzten Winkeln mit dem Mountainbike gefahren wird und das Tier, das da in Ruhe im Schatten liegt und jetzt aufspringt, dann ist das eben auch eine zusätzliche Belastung“, erklärt die Wissenschaftlerin im Interview.

Zusätzlich zu der direkten Bedrohung für die Tierwelt feuert die Abholzung der Wälder auch die Erwärmung des Klimas an.

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Tiere könnten Lebensräume wechseln

Trotz des massiven Eingriffs durch den Menschen ist zu beobachten, wie die Tierwelt auf die Temperaturänderungen reagiert, sie wandern einfach weiter in den Norden: „Diesen Range Shift beobachtet man bei Insekten, bei verschiedenen Tierarten.“ Allerdings ist der Raum hier begrenzt. Und: der Bau von Straßen und urbanen Wohnorten erschwert den Tieren die Abwanderung von einem Lebensraum in den nächsten.

Da haben es die Meeresbewohner zum Teil schon etwas einfacher: „Ein Fisch kann im Wasser leichter schwimmen von Ort A nach Ort B, als ein Tier an Land laufen kann. Fische können eher ihren Lebensraum in kühlere Zonen verschieben. Für festsitzende Korallen gilt das nicht“, so Bieber. Hier seien dramatische Effekte der Erwärmung der Meere auf diese Organismen zu beobachten, wie die Korallenbleiche.

Einige Tiere sterben an der Hitze

Während Forschende bereits solche ersten Anpassungsstrategien einiger Tierarten beobachten, sterben andere den Hitzetod. In Australien ist es bereits häufiger vorgekommen, dass tausende Flughunde tot aus den Bäumen fallen. Jetzt will die Regierung mit Sprenkleranlagen aushelfen und die Tiere während extremer Hitzewellen schützen.

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Wie sich die Tierwelt verändern wird, ist kaum absehbar

Welche genauen Auswirkungen der Klimawandel auf einzelne Tierarten hat, ist kaum absehbar. Denn das Ökosystem Erde ist fein justiert, sterben einzelne Arten aus, kann das weitreichende Folgen ab. Claudia Bieber: „Wir müssen uns klar machen, dass die Welt, wie sie jetzt ist, kaum zu retten ist, wenn wir nicht ganz ganz massiv etwas ändern.“ Der wichtigste Schritt aus ihrer Sicht: Die Abholzung der Wälder stoppen und den Lebensraum der Tiere schützen.

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(zre)