"Ohne Artenvielfalt gibt es nichts"

Artenschutz und Klimakrise: Dirk Steffens erklärt, wieso Naturschutz so wichtig ist

von Clara Pfeffer

Seit Mai verstärkt Wissenschaftsjournalist Dirk Steffens die GEO-Redaktion von RTL Deutschland und damit auch von wetter.de. Als Experte spricht er im Interview über Artenvielfalt und weshalb die Rettung des Klimas nicht gleichzeitig die Rettung der Natur bedeutet.

"Wir verlieren jeden Tag schätzungsweise 150 Pflanzen- und Tierarten"

Auf der Erde leben ungefähr 8,7 Millionen Arten, berechnete ein Forscherteam der Dalhousie University in Halifax, Kanada. „Davon verlieren wir jeden Tag schätzungsweise 150“, erklärt GEO-Experte Dirk Steffens im Interview mit ntv-Reporterin Clara Pfeffer. Das ist ein Problem, denn „wenn wir atmen, trinken, essen, verdanken wir das den Millionen anderen Arten, die die Erde fruchtbar machen“, so Steffens.

Beim Stichwort „bedrohte Art“ würden viele an Tiere, wie Tiger und Elefanten denken und glauben, diese zu retten, löse das Problem. „Man muss sich das so vorstellen, wie einen Jenga-Turm. Mit jeder ausgestorbenen Art ziehen wir ein Stäbchen raus. Dabei ist es völlig egal, ob es ein Elefant ist oder irgendeine Mikrobe, die unter dem Gras im Boden lebt“, erklärt Steffens. Entscheidend sei eben das Gesamtgefüge. Verschwünden zu viele Arten aus dem Jenga-Turm, krache dieser irgendwann zusammen, „und dann sind tatsächlich auch wir weg“.

Zahlreiche Ursachen für das Artensterben

Anders als bei der Klimakrise, bei der es eine klare Ursache gibt - der Ausstoß von Treibhausgasen – sei das Problem des Artensterbens komplexer. Gründe für die schwindende Biodiversität sind unter anderem:

  • Vernichtung von Lebensraum, zum Beispiel durch die Ausweitung von Städten oder Abholzung von Wäldern
  • Übernutzung, zum Beispiel durch Überfischung der Meere
  • Verschmutzung der Umwelt

Ebenfalls ein Grund: die Klimakrise. Die Rettung des Klimas bedeute dabei aber nicht automatisch auch die Rettung der Natur.

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Umweltverschmutzung ist eine der Ursachen für das Artensterben.

Was dem Klima hilft, hilft nicht auch unmittelbar den Tieren und Pflanzen

Den Zusammenhang von Klima und Natur beschreibt der GEO-Experte so: „Die Klimakrise bedroht die Art, wie wir leben. Aber das Artensterben stellt in Frage, ob wir überhaupt leben.“ Denn: „Wenn wir es schaffen, den Anstieg der Temperaturen auf 1,5 bis 2 Grad zu beschränken, würden wahrscheinlich dennoch 25 Prozent aller Arten auf der Erde aussterben“, so Dirk Steffens.

Dass aber Klima und Umwelt nicht unbedingt gleichzeitig geschützt werden können, zeigt dieses Beispiel: Während des Lockdowns in der Corona-Pandemie wurde der internationale Flugverkehr stark eingeschränkt. Dabei ist der CO2-Ausstoß gesunken, es fehlte dann aber der Natur- und Wildtiertourismus. „Das heißt, wir konnten Ranger nicht mehr bezahlt werden, die Naturparks hatten keine finanziellen Mittel mehr“, erklärt der Experte.Es sei also nicht richtig zu denken „wir schützen das Klima und schauen nicht auf die Natur“.

Was jeder einzelne stattdessen tun kann, um die Artenvielfalt zu schützen, erklärt Dirk Steffens im Video.

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(zre)