Was ist das CO2-Budget?

Wetterlexikon: CO2-Budget

ARCHIV - 19.09.2019, Niedersachsen, Hohenhameln: Dampf steigt vom Kohlekraftwerk Mehrum auf. (Zu dpa
CO2-Budget: Die Atmosphäre kann nur noch eine begrenzte Menge CO2 vertragen. © dpa, Julian Stratenschulte, jst htf wst

Was ist das CO2-Budget?

Ausstoß von Kohlenstoffdioxid (CO2) hat es aufgrund natürlicher Prozesse (zum Beispiel Zellatmung) in der Welt schon immer gegeben. CO2 ist fester Bestandteil des Kohlenstoffzyklus. Insofern war in der Atmosphäre schon immer eine gewisse Menge CO2 vorhanden, sie hielt sich auf einem stabilen, notwendigen und nicht schädlichen Niveau. Der vom Menschen zusätzliche Ausstoß von Kohlenstoffdioxid (hauptsächlich durch die Nutzung fossiler Energien) war von der Natur allerdings in begrenztem Maße „eingeplant“. 

Eine übermäßige Freisetzung von CO2 durch den Menschen führt jedoch zu einer übermäßigen Konzentration von CO2 in der Atmosphäre, da die natürlichen CO2-Speicher nicht in der Lage sind, diese Menge aufzunehmen und zu verarbeiten. Ab einer gewissen Menge Kohlenstoffdioxid in der Atmosphäre steigt die Durchschnittstemperatur und es kommt zur globalen Erwärmung. Das CO2-Budget definiert nun, wie viel CO2 der Mensch wahrscheinlich insgesamt (Summe aus Vergangenheit und Zukunft) bis zum Jahr 2050 in die Atmosphäre ausstoßen kann, ohne dass die Durchschnittstemperatur um mehr als 1,5 bis zwei Grad ansteigt.

Warum zählen die CO2-Emissionen der Vergangenheit dazu?

Die Verweildauer von Kohlenstoffdioxid variiert stark, zum Teil kann das Gas bis zu 1.000 Jahre in der Atmosphäre verbleiben, man geht aber von einer Klimawirksamkeit von mindestens 100 Jahren aus. Das bedeutet, dass das Klima noch immer unter dem Einfluss der Emissionen der Zeit seit der Industrialisierung steht, und dass die Emissionen der Gegenwart noch weit in der Zukunft Wirkung entfalten werden. Deshalb müssen die bisher bereits emittierten Mengen mit in das Gesamtbudget eingerechnet werden.

Betrachtet man die Kurve der sich bislang angesammelten Kohlenstoffdioxid-Emissionen und die Kurve der Klimaerwärmung seit der Industrialisierung, lässt sich erkennen, dass die beiden Kurven fast linear zueinander verlaufen.

Wie groß ist das gesamte CO2-Budget und wie viel ist noch übrig?

Wie viel CO2 noch ausgestoßen werden kann (und wie hoch das Gesamt-Budget noch ist), hängt von unterschiedlichen Szenarien ab. Will man die globale Erwärmung auf 1,5 oder zwei Grad begrenzen?

Will die Weltgemeinschaft es mit einer ungefähr 66-prozentigen Wahrscheinlichkeit schaffen, das 1,5-Grad-Ziel einzuhalten, dann steht der Menschheit ein Budget von insgesamt 2.900 Gigatonnen an CO2-Emissionen zu. Das geht aus einem Bericht des Weltklimarates (IPCC) aus dem Jahr 2014 hervor. Im Jahre 2011 waren von diesem Budget jedoch schon 1.900 Gigatonnen verbraucht. Damit war 2011 noch ein Drittel des Gesamtbudgets übrig. Das erscheint zwar viel, es muss aber bedacht werden, dass die Emissionen in den letzten Jahrzehnten rapide angestiegen sind. In seinem Sonderbericht von 2018 gab der Weltklimarat an, dass (bezogen auf das 1,5-Grad-Ziel) noch 420 Gigatonnen verbleiben, im selben Jahr wurden allerdings 42 Gigatonnen ausgestoßen, bei gleichbleibender Emission wäre das Budget Ende 2027 aufgebraucht.

Etwas anders verhält es sich beim Zwei-Grad-Ziel. Um dieses mit einer circa 66-prozentigen Wahrscheinlichkeit erreichen, hatte man 2018 noch ungefähr knapp 1.200 Gigatonnen zur Verfügung. Dies hieße bei gleichbleibendem Ausstoß, dass das Budget Ende 2045 verbraucht wäre.