Es riecht nach Medicanes

Unwetter-Herbst droht - von wegen schöner Spätsommer

von Claudia Träger

Im Oktober nochmal in die Wärme rund ums Mittelmeer– schöner Spätsommer statt useliger Herbst. Diese Rechnung könnte im Hitze- und Dürrejahr 2022 nicht aufgehen. Die Voraussetzungen für Unwetter sind nämlich ideal. Auch mit Medicanes muss gerechnet werden – mit Hurricanes im Mittelmeer.

Oben im Video: So sind die Windverhältnisse in den kommenden Tagen

Mittelmeer ist viel zu warm

Durch die anhaltende Hitze und Heißluftzufuhr aus dem Norden Afrikas haben sich nicht nur die Landmassen im Süden Europas extrem aufgeheizt. Auch das Wasser ist viel zu warm – 4 bis 5 Grad zu warm, um genau zu sein. 28 bis 30 Grad rund um die Balearen – da kann man kaum noch von einem Sprung ins kühle Nass reden, wenn man im Mittelmeer schwimmen geht.

Beste Bedingungen für Medicanes

Hier bildet sich ein Medicane über dem Mittelmeer.
Ansatz eines Medicane über dem Mittelmeer

Aber jetzt tut sich was in der Atmosphäre. Jahreszeitlich bedingt wird es im Norden nun kühler, das Temperaturgefälle zwischen Nordpol und Äquator größer und so kann es zu Kaltluftvorstößen bis weit ins Mittelmeergebiet kommen. Wenn dann diese kalte Luft auf die extrem warme und feuchte Luft über dem Wasser stößt, sind das beste Bedingungen für die Entstehung eines Medicane. Außerdem muss ein kaltes Höhentief, ein sogenannter Kaltlufttropfen, über dem Mittelmeer vorhanden sein, zwischen dem und der Meeresoberfläche sich der Wolkenwirbel entwickeln kann.

Wetter.de-Meteorologe Björn Alexander erklärt: „Ein Medicane entsteht, wenn sich ein eigentlich ganz normales Tief über warmem Wasser immer weiter verstärkt und so immer mehr tropische Eigenschaften bekommt. Meteorologisch gesehen, wird er somit zu einem sogenannten Medicane – ein mediterraner Hurrikan.” Manchmal entwickeln sie sogar ein wolkenfreies Auge wie es für Hurricanes typisch ist.

Medicanes: Sie werden immer mehr

Auch wenn Medicanes etwas geringere Windspitzen erreichen als ihre tropischen Verwandten, haben sie enormes Zerstörungspotential. Sturm und ungeheure Regensummen lösen dann Erdstürze, Überschwemmungen und andere immense Schäden an Gebäuden und in der Infrastruktur aus.

Laut Saffir-Simpson-Skala spricht man ab einem 1-Minuten-Mittelwind von 112 km/h von einem Medicane. Ein Hurricane braucht 119 km/h, um seinem Namen gerecht zu werden.

Früher waren die Medicanes – der Begriff entstand sogar erst in den 1980er Jahren – ein seltenes Phänomen. Mit der Erderwärmung entwickelt sich inzwischen fast in jedem Jahr ein solcher Wirbelsturm über dem Mittelmeer.

In Griechenland sorgte im September 2020 ein Medicane für Verwüstung.
Medicane IANOS schlug im September 2020 in Griechenland zu.

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(ctr)