Gefühlt mehr Wirbelstürme als zuvor

Ist der Klimawandel an den häufigen Tornados schuld?

Sind Tornados wirklich so selten in Deutschland?

Ein Tornado in Borken im Mai, nun eine Wasserhose in der Ostsee bei Kiel und ein Tornado im Landkreis Aurich. Nun stellt sich die Frage, ob die Wirbelstürme durch den Klimawandel häufiger auftreten. Fest steht, dass Tornados zu Deutschland gehören, wie das Rad zum Auto.

Im Video: Meteorologe Christian Häckl erklärt im Klima Update die Tornadosituation

Wie oft kommen Tornados vor in Deutschland?

Tornado, Windhose im Hintergrund. Ist der Klimawandel schuld?
Sind Tornados durch den Klimawandel wirklich häufiger in Deutschland zu beobachten?

Bisher gibt es 22 bestätigte, 8 plausible und weitere 149 Verdachtsfälle von Tornados im Jahr 2021. Zählt man diese zusammen kommt man auf eine Gesamtsumme von 179 möglichen Wirbelstürmen allein in diesem Jahr. Ähnlich sah es in den Jahren zuvor aus.

  • Im Jahr 2020: 213 Tornados
  • 2019: 189
  • 2018: 141
  • 2017: 232
  • 2016: 492

Dabei sticht das Jahr 2016 mit seiner mehr als doppelten Anzahl Tornados heraus. Davon waren 62 bestätigt, 15 plausibel und 414 Verdachtsfälle. Auffällig ist, dass ab den Jahren 2000/2001 die Anzahl kontinuierlich anstieg. Dabei muss erwähnt werden, dass es mit der Verbreitung der Handys mit integrierter Fotofunktion zusammenfällt.

Begünstigt der Klimawandel die Entstehung von Tornados?

ARCHIV - 05.05.2015, Mecklenburg-Vorpommern, ---: Die am frühen Abend  entstandene Aufnahme zeigt eine Windhose über einem Waldstück ca 15 Kilometer von Bützow entfernt. Der Tornado, der am Abend des 05.05.2015 durch Bützow fegte, hatte einen Schaden
Ein Tornado fegt im Mai 2015 über ein Waldstück in Bützow.

Wissenschaftler sowie Meteorologen sind uneins darüber, ob es durch den Klimawandel nun häufiger Tornados gibt. Für die Entstehung brauchen die Wirbelstürme feuchtwarme Luft am Boden und trockenkalte Luft in der Höhe. Ein Zusammenhang zwischen dem Klimawandel und der Entstehung der Tornados ist bisher noch nicht nachgewiesen worden. Fest steht, dass die Anzahl der Tornados in den vergangenen Jahren hin und her schwankt. Ein signifikanter Anstieg – abgesehen vom Ausnahmejahr 2016 – kann nicht an der Statistik abgelesen werden.

Hinzu kommt, dass Tornados zum Wetter in Deutschland gehören, wie Ereignisse in Viersen 2018 oder im März 2019 in Roetgen zeigen. Weitere Belege sind die bisher stärksten in Deutschland beschriebenen Tornados in Woldegk in Mecklenburg-Vorpommern im Juni 1764 und im sächsischen Hainichen im April 1800. Beide wurden mit F5, der höchsten Kategorie eingeordnet.

Was ist ein Tornado?

Gewitterwolke (Cumulonimbus) mit Incus (Ambos, lnks), Deutschland | cumulonimbus clouds with incus, Germany | Verwendung weltweit
Gewitterwolke (Cumulonimbus) mit Incus (Ambos, links)

Zur Entstehung von Tornados braucht es in der Regel zwei Komponenten. Das eine ist die sogenannte Windscherung: In unterschiedlichen Höhen muss der Wind dabei entweder aus verschiedenen Richtungen kommen oder die Windgeschwindigkeiten fallen sehr unterschiedlich aus. Dann können sich rotierende Luftwirbel bilden, die sich in horizontaler Richtung drehen. Bildet sich nun in dessen Umgebung eine Gewitterzelle, dann kann sich der Rotationskörper aufrichten und rotiert dann zwischen Erdboden und einer Cumulonimbus-Wolke oder in seltenen Fällen mit einer Cumulus-Wolke.

Von Wind- und Wasserhosen

Tornado, Wirbelsturm, Windhose
Gefürchtet sind Tornados wegen der Spur der Zerstörung, die sie auf ihrem Weg hinterlassen.

Tornados werden auch Windhosen genannt. Warum dieser Begriff von Meteorologen nicht mehr so gern benutzt wird, weiß RTL-Meteorologe Björn Alexander: „Begriffe wie Wirbelsturm, Windhose oder Luftwirbel sind umgangssprachlich zwar auch richtig. Aber aus meteorologischer Sicht unterscheidet sich ein Unwetterereignis wie in Viersen im Sommer 2018 oder bei aktuellen Tornado in Ostfriesland nicht von Tornados wie wir sie etwa aus dem Mittleren Westen der USA kennen. Und natürlich klingt beispielsweise Windhose wesentlich harmloser als Tornado. Doch die Schäden können ebenfalls sehr schlimm sein.“

Wasserhosen sind Tornados, die sich – wie der Name bereits andeutet – auf dem Wasser bilden. Das kann ein See genauso betreffen, wie das Meer. In der Regel sind sie schwächer als Tornados an Land und trotzdem können sie Windgeschwindigkeiten bis zu 300 Kilometern pro Stunde erreichen.

Wie wird die Stärke eines Tornados gemessen?

Die Stärke eines Tornados lässt sich in der Regel nur nachträglich anhand der Schäden am Boden ermitteln. Für eine erste Schätzung gibt es dabei klare Anhaltspunkte. Wenn etwa ganze Dächer - und nicht nur die Dachziegeln - fehlen, dann deutet das zum Beispiel auf einen F2-Tornado mit Windgeschwindigkeiten von 200 km/h oder mehr hin. Werden auch Hauswände ganz oder teilweise mitgerissen, dann dürfte die Spitzengeschwindigkeit im Inneren des Tornados 250 km/h oder mehr betragen haben. Auf der international gebräuchlichen Fujita-Skala wäre das dann schon die Kategorie F3. Mehr zu der Kategorisierung von Tornados gibt es im Klima Update.

Unsere Wettertrends und Themenseiten

Sollten Sie Interesse an weiteren Wetter-, Klima- und Wissenschaftsthemen haben, sind Sie bei wetter.de bestens aufgehoben. Besonders ans Herz legen,können wir Ihnen auch den 7-Tage-Wettertrend mit der Wetterprognose für die kommende Woche. Dieser wird täglich aktualisiert. Falls Sie weiter in die Zukunft schauen möchten, ist der 42-Tage-Wettertrend eine Option. Dort schauen wir uns an, was auf uns in den kommenden Wochen zukommt. Vielleicht interessiert Sie eher wie sich das Klima in den vergangenen Monaten verhalten hat und wie die Prognose für das restliche Jahr aussieht. Dafür haben wir unseren Klimatrend für Deutschland.

Damit Sie auch unterwegs kein Wetter mehr verpassen, empfehlen wir unsere wetter.de-App für Apple- und Android-Geräte.

(kfb)