Frankfurt so heiß wie Marseille

Sommerbilanz 2022 - unfassbar sonnig und extrem trocken

von Björn Alexander

Es ist ein Sommer der außergewöhnlichen Art - mal wieder. Diesmal vor allem vorangetrieben durch die zum Teil enorme Hitze, unfassbar viel Sonne und durch die damit einhergehende Dürre. Unsere Sommerbilanz im Überblick.

Oben im Video können Sie sehen, wie viele Sommertage, Hitzetage und Tropennächte es in Deutschland normalerweise gibt

Krasse Hitzewelle - 40 Grad bis rauf nach Hamburg

Das wohl prägendste Hitzeereignis des Sommers brachten uns der 19. und der 20. Juli. Denn nachdem und während in Westeuropa bis in den Süden Englands schon Dutzende Hitzerekorde gerade pulverisiert wurden, donnerte eine Hitzeglocke aus der Sahara ebenfalls bis in den Norden Deutschlands. 40,1 Grad in Hamburg-Neuwiedenthal - so heiß war es bei den Nordlichtern noch nie und zeigt leider auch, welche Sprünge die 40 Grad-Marke in Deutschland und Europa inzwischen gemacht hat. Denn in den Sommern der Vergangenheit war eigentlich mal die 30 Grad-Grenze ein eher seltenes Phänomen. Und die 40 Grad wurde erstmalig in den 1980er-Jahren in Deutschland erreicht. Seitdem leider aber immer häufiger und immer weiter nördlich.

Brutkasten Süddeutschland

Ansonsten verlief der Sommer 2022 in Sachen Hitze aber im Norden der Nation eher gemächlich, was sich in einer positiven Temperaturabweichung von um die 1,5 Grad gegenüber den letzten 30 Jahren widerspiegelt. Einen ganz anderen Schnack erlebten hingegen die Menschen in Süddeutschland. Den ein bis sechs Hitzetagen, also mit 30 Grad und mehr, an Deutschlands Küsten stehen nämlich im Süden zum Teil fast 50 Hitzetage gegenüber. Heißester Ort im Sommer 2022 war übrigens Bad-Neunkirchen in Baden-Württemberg mit 40,3 Grad.

Hitze in Deutschland - das Mittelmeer rückt immer näher

Fast 50 heiße Tage sind zwar gegenüber dem Ausnahme-Sommer 2003 mit fast 60 Hitzetagen im Südwesten noch weniger, hinterlassen aber natürlich ebenso einen üblen Nachgeschmack im Hinblick auf die Klimakrise und katapultiert den Süden Deutschlands mit einer Temperaturabweichung von um die 3 bis 4 Grad gegenüber den letzten 30 Jahren mal locker auf Mittelmeerniveau. So war Frankfurt im August 2022 so heiß wie Marseille mit mittleren Höchstwerten von um die 30 Grad. Doch wirkliche Bauchschmerzen bereiten wohl weniger schlafraubende tropische Nächte und extreme Hitze, sondern die teilweise extreme Trockenheit.

Wetterextreme im Sommer werden problematischer

Es war das Dürrejahr 2018, das uns erstmalig gezeigt hat was passiert, wenn der Regen fehlt. Denn in der Regel sind wir damit groß geworden, dass Wasser in Deutschland eine Ubiquität ist - es immer und an jedem Ort quasi zur freien Verfügbarkeit vorhanden ist. Und nachdem es mit den katastrophalen Überschwemmungen im letzten Jahr im Westen Deutschlands ein Sommerextrem der anderen Art gegeben hat, ist nun wieder die Dürreproblematik in Deutschland eingekehrt.

Zum Teil kaum 30 Liter pro Quadratmeter

 Rhein bei Düsseldorf, extremes Niedrigwasser.
Rhein bei Düsseldorf mit extremen Niedrigwasser - auch der Westen Deutschlands wurde von der Trockenheit gebeutelt

Trockenster Ort der letzten drei Monate ist Bad Kissingen in Bayern mit bisher 28,5 Litern pro Quadratmeter. Ebenfalls in Bayern gelegen sind gleichzeitig aber auch die nassesten Orte mit über 530 Litern je Quadratmeter in Aschau-Stein, Chiemsee-Herrenchiemsee und Balderschwang. Witzigerweise sind Aschau-Stein und Balderschwang damit aber dennoch viel zu trocken. Statistisch gesehen sind es gerade einmal um die 70 Prozent des ansonsten üblichen Regens im Sommer gefallen. In Bad Kissingen bedeuten die knapp 30 Liter übrigens nur 15 Prozent des Regensolls.

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So viel Wasser fehlt am Sommerende

Deutschlandweit sind im Schnitt im Juni, Juli und August in Summe gut 140 Liter auf jeden Quadratmeter nieder gegangen. Das sind nicht einmal 60 Prozent des normalen Niederschlags binnen der drei Sommermonate. Und damit fehlen mal locker über 100 Liter pro Quadratmeter. Bei entsprechender Vorwitterung mit viel Regen im Frühjahr eigentlich kein Ding. Doch haben wir seit dem Jahr 2018 in vielen Regionen noch das Problem, dass die Böden sich vor allem in der Tiefe nicht richtig regenerieren konnten.

Gleichzeitig ist die Trockenheit der Böden natürlich ein enormes Problem, wenn es um die teilweise intensiven Unwetterlagen des Sommer 2022 geht. Denn durch die Dürre fließt das Wasser oft oberflächlich ab und versickert nicht an Ort und Stelle.

Ungünstige Gemengelage: Trockener Vorlauf trifft auf Dürre-Sommer

Gleichzeitig waren der März und der Mai 2022 auch schon viel zu trocken - eine ungünstige Vorgeschichte. Der einzige zu nasse Monat in diesem Jahr war bisher der Februar, der Januar und der April waren tendenziell durchschnittlich. Das wiegt aber den Sommer bei weitem nicht auf. Zumal die Sonne auf Rekordniveau schien und die Austrocknung der Böden beschleunigte.

Sonnigster Sommer seit Aufzeichnungsbeginn

 Symbolfoto, Hitze, Hitzewelle, Thermometer, Sonne, blauer Himmel, Temperaturen über 30 Grad.
Sonne über Deutschland auf Rekordniveau

Natürlich fehlt zur korrekten Berechnung auch noch die Sonnenleistung der letzten Stunden im August. Dennoch laufen die Sonnenstunden im Juni, Juli und August inklusive des Wochenanfangs locker gegen 800 Betriebsstunden. Zum Vergleich: Normal sind im langjährigen Mittel für die drei Monate um die 630 Sonnenstunden. Am Ende dürften es also im Schnitt fast 200 Stunden mehr Sonne sein.

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Sonnigste und schattigste Orte

Die sonnigsten Regionen finden sich im Südwesten unseres Landes. Wenn Sie beispielsweise den Sommer 2022 in Lahr oder in Rheinau-Memprechtshofen (beides Baden-Württemberg) oder in Saarbrücken verbracht haben, dann haben Sie gut und gerne über 960 Stunden ungetrübten Sonnenscheins erlebt. Aber auch in den schattigeren Regionen, wie in List auf Sylt, sind es am am Ende um die 670 Stunden Sonne.

Trend zu stationären Wetterlagen als Auslöser

Sommer der sonnigen Superlativen gab es in den letzten zwei Jahrzehnten einige: 2003, 2018 oder 2019. Mit den entsprechenden Folgen auch in puncto Trockenheit. Gleichzeitig mussten wir aber ebenfalls sehr nasse bis katastrophale Szenarien auf der Unwetter-Seite miterleben. Mit ein Grund: Es gibt einen Trend zu stabileren Wetterlagen. Aufgrund der stärkeren Erwärmung der Polregionen fehlt unserem Wetter nämlich oftmals die Dynamik und Wettersysteme verweilen deutlich länger - mit den entsprechenden Folgen. Gleichzeitig können hierdurch auch Heißluftblasen aus südlichen Breiten länger und weiter nordwärts geführt werden.

Fazit: Sommer erneut außergewöhnlich

In Sachen Sonne setzte der Sommer 2022 neue Maßstäbe. Selbst die sonnigsten Sommer sind bisher an den 800 Sonnenstunden gescheitert. Bei den Temperaturen dürfte der Sommer ebenfalls unter den Top 3 landen. Aktuell liegen wir bei einem Temperaturmittel von knapp 19,3 Grad. Auf Platz 1 rangiert dementsprechend mit 19,65 Grad der Sommer 2003. Beim Regen bewegt sich der Sommer 2022 im Bereich von Platz fünf. Hier ist noch entscheidend, wie sich die Gewitter aus den letzten Metern des Monats August entwickeln.

Auch über Westeuropa hatte die Dürre im Sommer 2022 für massive Folgen.

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(bal)