Was können wir vom Sommer erwarten?

Sommer-Prognose 2021: Das sagt die Statistik über unser Wetter von Juni bis August

Klimatrend in Deutschland - Was ist eigentlich normal im Sommer

Gerade die letzten Sommer haben uns in Sachen Trockenheit das Fürchten gelehrt. Vor allem im Dürrejahr 2018. Doch auch bei den Temperaturen ergaben sich bemerkenswerte Veränderungen. Hitze jenseits der 35 Grad im Sommer. Das gab es natürlich auch schon in der Vergangenheit. Aber in den vergangenen Jahren erlebten wir zum Teil sehr intensive Hitzewellen. Gleichzeitig waren die Sommer von 2014 bis 2017 zum Teil geprägt von heftigen Gewittern. Da verliert man schnell den Blick für die Normalität. Wir schauen auf die wichtigen Fakten und Infos: Wie viel Hitze und Regen ist in Deutschland eigentlich normal und welche Wetter-Rekorde kann unser Wetter im Sommer?

Oben im Video: So viele Sommer- und Hitzetage sind normalerweise möglich.

Das ist im Sommer wichtig: Sommertag, Hitzetag, Tropennächte

Im Allgemeinen sprechen wir von einem Sommertag, wenn die Höchsttemperaturen 25 Grad oder mehr erreichen. Bei mehr als 30 Grad reden wir von einem Hitzetag und bei einer Tiefsttemperatur nicht unter 20 Grad ist es eine tropische Nacht. Das zählt unabhängig von der eigentlich Jahreszeit Sommer. Doch wann ist eigentlich genau Sommeranfang? Auch hier gibt es durchaus gravierende Unterschiede.

Wann ist Sommeranfang?

„Das kommt drauf an”, rumort es da schon aus der Wetterecke. RTL-Meteorologe Björn Alexander klärt auf: „Der meteorologische oder auch statistische Sommeranfang ist immer am 1.Juni. Und das Sommerende ist immer am 31.August. Hingegen ist der kalendarische oder astronomische Sommeranfang immer rund drei Wochen später.” Doch warum dieses Durcheinander?

Was ist der Unterschied zwischen dem meteorologischen und dem kalendarischen Sommerbeginn?

RTL-Meteorologe Alexander: „Einerseits ist der Juni wettertechnisch mit Sonnenhöchststand, langen Tagen usw. als Sommermonat zu sehen. Schon alleine deswegen würde es einen Sinn ergeben, ihn komplett mit dem Juli und dem August zum Sommer zu zählen. Andererseits – und das ist der Hauptgrund – variiert der kalendarische Jahreszeitenwechsel. Denn er ist vom Sonnenstand abhängig. In diesem Jahr ist die Sommersonnenwende am 21.Juni um 5:32 Uhr mitteleuropäischer Sommerzeit. Aber auch der 20. oder der 22.Juni sind möglich. Und diese Varianz ist extrem hinderlich, wenn es um die Vergleichbarkeit bei der Wetteraufzeichnung geht. Denn die Statistik mag solche Ungenauigkeiten gar nicht. Deshalb beginnt die meteorologische oder auch statistische Jahreszeit immer am Monatsersten, also immer rund drei Wochen vor dem kalendarischen oder astronomischen Jahreszeitenwechsel.”

Die Entwicklung der Mitteltemperaturen im deutschen Sommer

Die Graphik zeigt die Entwicklung der Mitteltemperatur im Sommer in Deutschland. Der Trend ist leider ziemlich eindeutig: Die kühlsten Sommer sind lange her, dafür häufen sich inzwischen die warmen Sommer.
Die Entwicklung ist eindeutig: Unsere Sommer werden immer heißer © wetter.de

Mit welchen Temperaturen können wir denn im Sommer rechnen?

Unser Sommer in Mitteleuropa weist - ja nachdem welches Lüftchen gerade zu uns weht - eine breite Spanne auf. Ganz besonders wird das beim Blick auf einen wirklich extremen Sommermonat. Nämlich den Juli 2019, der in vielen Rekordlisten auftaucht. Wir schauen gemeinsam mit dem RTL-Meteorologen auf einen wirklich krassen Spitzenreiter in Punkto Höchst- und Tiefstwerte.

RTL-Meteorologe Björn Alexander

Das Bild zeigt den RTL-Meteorologen Björn Alexander
RTL-Meteorologe Björn Alexander © wetter.de

Eine Rekord-Monster: Der Juli 2019 zog sämtliche Register

Alexander: „Betrachtet man die Eckdaten des Julis 2019, dann fällt überhaupt nicht auf, wie krass er im Detail war. Denn maximal um die 9 bis 11 Hitzetage bei knapp 2 Grad Temperaturabweichung lassen für sich alleine nicht auf einen solchen Sommermonat schließen. Im Einzelnen sah das aber ganz anders aus. Die erste Juli-Hälfte war durch kühle Nordwinde zum Teil 2 Grad zu kalt und brachte sogar neue Negativ-Dekadenrekorde mit Bodenfrost in ungünstigen Lagen, bevor es in eine sogenannte Omega-Wetterlage ging. Und die hatte eine bis dahin beispiellose Hitzewelle zur Folge. Besonders im Westen.“

Hitzetage in Deutschland im Klimatrend

Die Graphik zeigt die Anzahl der Hitzetage mit Temperaturen über 30 Grad in Deutschland. Diese haben in den letzten Jahren immer weiter zugelegt.
So hat sich die Anzahl der Hitzetage in Deutschland entwickelt. Gerade in den letzten Jahren wurden es kontinuierlich mehr. © wetter.de

Hitze in Deutschland - Das sind unsere Rekordwerte von 2019

Eine Temperaturanzeige hängt Stuttgart (Baden-Württemberg) an einem Gebäude und zeigt
40 Grad und mehr! Vor Jahrzehnten in Deutschland fast undenkbar. Inzwischen sieht das anders aus. © dpa, Wolfram Kastl, wok fdt frk vge

„Die Temperaturen erreichten an drei Tagen hintereinander die 40 Grad. Das alleine war zuvor eigentlich unvorstellbar gewesen. Ebenso wie der nächste Rekord, der während dieser Phase pulverisiert wurde. Damit wurde bekanntlich nämlich auch der deutschlandweite Allzeit-Temperaturrekord geknackt. Und das direkt mehrfach: Tönisvorst und Duisburg-Baerl mit 41,2 Grad, Köln-Stammheim mit 41,1 Grad oder Kleve und Bonn-Roleber mit 40,9 Grad. Und diese Liste ließe sich mit rund 50 weiteren Orten ergänzen, an denen die 40 Grad-Marke am 25.07. erreicht oder überschritten wurde. Das gab es seit Beginn der Wetteraufzeichnungen noch nie.”

Regen im Sommer: Vom Durchschnitt zum Extrem

Baden-Württemberg, Kißlegg: Ein Blitz erhellt den Himmel (Standbild aus einem Video). Nach der Hitze der vergangenen Tage macht der Sommer in Baden-Württemberg eine kurze Pause. Foto: Bernd März/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Unwetter: Wenn der Himmel seine Pforten öffnet, dann können in tropisch warmer Luft schon mal einige deftige Schauer niedergehen. © dpa, Bernd März, bernd märz kde

Die durchschnittliche Regenmenge in Deutschland liegt gerne mal bei 240 bis 280 Litern pro Quadratmeter. Doch wenn es mal richtig zur Sache geht, dann können sommerliche Gewitterregen in tropisch anmutenden Luftmassen solche Mengen sogar binnen kurzer Zeit bringen. Ein wirklich außergewöhnliches Gewitter hatte im Jahr 2014 beispielsweise die Stadt Münster getroffen. Die Analysen der Radarbilder ließen im Münsterland auf Regenmengen von an die 300 Liter pro Quadratmeter binnen weniger Stunden schließen. Ein Jahrhundertwert in unseren Breiten, der uns normalerweise nur in den Tropen begegnet.

Gab es auch schon Sommermonate ganz ohne Regen?

Es gab seit Beginn der Wetteraufzeichnungen im Jahr 1881 zwar einige sehr trockene Sommer. Doch die sind - wenn es im Rest des Jahres ausreichend regnet - eigentlich nicht unbedingt problematisch. Eingebettet in eine trockene Gesamtlage und im Anschluss an ein trockenes Frühjahr kann die Dürre natürlich schon heftige Ausmaße annehmen. Ein ganz anderes Dürrejahr wird allerdings in den Geschichtsbüchern überliefert. Nämlich im Jahr 1540, als es in Mitteleuropa fast ein Jahr nicht geregnet hat. Zeitzeugen berichteten, dass man selbst große Ströme wie Elbe, Rhein oder die französische Seine zu Fuß durchqueren konnte.

Sonnenbrandgefahr - Gerade im Sommer das Eincremen nicht vergessen

Eine junge Frau cremt sich mit Sonnencreme ein
So soll es sein - Gut eingecremt ins Sonnenbad © Getty Images, mediaphotos

Die Sonne gibt alles: So viel Sonne bringt der Durchschnittssommer

Rund um die Sommersonnenwende, also den kalendarischen Sommerbeginn, sind die Tage am längsten und die Nächte am kürzesten. In Skandinavien feiern die Menschen Mittsommer und wir in Deutschland können sonnenscheintechnisch bis zu über 17 Stunden Helligkeit erwarten. Dementsprechend ist der Sommer natürlich unser Sonnengarant. Auch wenn beispielsweise im Jahr 2020 ein ganz anderer Monat die Hitliste der Sonnenbilanz anführte. Mit knapp 300 Sonnenstunden war es nämlich der April 2020. Aber: Gegen drei Monate Sommer kann er kaum anstinken. Der Durchschnittssommer hat in Deutschland nämlich gerne mal 600 bis 650 Sonnenstunden im Gepäck. Und natürlich jede Menge UV-Strahlung, vor der wir uns mit dem entsprechenden Lichtschutz, Sonnencreme und Sonnenbrille aber ganz einfach schützen können. Und dann heißt es: Raus ins Freie und den Sommer hoffentlich ganz entspannt genießen.

Hier gibt es die Vorhersage für die aktuelle Sonnenbrandgefahr.

Sommer-Fakten im Überblick

Im langjährigen Durchschnitt schaut es bei uns in Deutschland so aus:

  • Die mittlere Temperatur im ersten Sommermonat Juni bewegt sich bei etwa 15 Grad
  • Die langjährige Mitteltemperatur im Juli und August liegt bei rund 17 Grad
  • Normalerweise bringt uns der Sommer insgesamt gerne mal 600 bis 650 Sonnenstunden
  • Beim Regen liegen die langjährigen Mittelwerte bei um die 250 Liter pro Quadratmeter
  • Die Spitzentemperaturen brachte uns der Sommer 2019 mit zum Teil über 41 Grad
  • Auf Deutschlands höchstem Berg, der Zugspitze mit rund 3000 Metern, fällt auch in den Sommermonaten Juni, Juli und August immer mal Schnee. Das ist ganz normal.
  • Dementsprechend wurde auch die bisher kälteste Temperatur im Sommer in Deutschland auf der Zugspitze gemessen. Nämlich im Juni 1962 mit -12,5 Grad.

Bauernregeln im Sommer: Schafskälte bis Siebenschläfer und Hundstage

Gerade die Bauern- und Witterungsregeln im Sommer haben viele von uns im Fokus. Lesen Sie mehr zu den wichtigsten Lostagen und Wetterabschnitten, die uns immer wieder in den Sommermonaten beschäftigen.

Alles zum Thema Sommer auch in unserem Wetter-Lexikon. (kfb/bal)

Die Sterne im Sommer: Die Perseiden haben ihren Auftritt

Ganz besonders spannend sind die Aussichten für alle SternenguckerInnen im Monat August. Denn dann haben die Perseiden ihren großen Auftritt. In den Nächten ziehen Tausende von Sternschnuppen am Himmel entlang und wir können schon einmal die große Wunschbox bereit stellen. Mehr zu den Perseiden finden Sie auch hier,

Ebenfalls spannend für alle Astro-Fans: Sternenhimmel 2021 – Sternschnuppen, Supermond und Sonnenfinsternis

Unsere Wettertrends und Themenseiten

Sollten Sie Interesse an weiteren Wetter-, Klima- und Wissenschaftsthemenhaben, sind Sie bei wetter.de bestens aufgehoben. Besonders ans Herz legen,können wir Ihnen auch den 7-Tage-Wettertrend mit der Wetterprognose für die kommende Woche. Dieser wird täglich aktualisiert. Falls Sie weiter in die Zukunft schauen möchten, ist der 42-Tage-Wettertrend eine Option. Dort schauen wir uns an, was auf uns in den kommenden Wochen zukommt. Vielleicht interessiert Sie eher wie sich das Klima in den vergangenen Monaten verhalten hat und wie die Prognose für das restliche Jahr aussieht. Dafür haben wir unseren Klimatrend für Deutschland.

Damit Sie auch unterwegs kein Wetter mehr verpassen, empfehlen wir unsere wetter.de-App für Apple- und Android-Geräte.

Wetter und Klima in der Mediathek

Mega-Hitze und große Trockenheit - und viele fragen sich: Wird Deutschland bald zum Wüstenstaat? Wie viele Dürre-Sommer hintereinander können wir eigentlich noch verkraften? Hier geht es zur DOKU - Wüstenstaat Deutschland?