Wind und Regen haben wir bemerkt - aber viel Sonne?

Rückblick Winter 2021/2022: Ein Sturm nach dem anderen

von Henning Liss und Carlo Pfaff

Der Winter 2021/2022 brachte viele Stürme
Sturm in Deutschland (Foto vom 18. Februar in Köln)

Der Winter 2021/2022 geht zu Ende. Es ist Zeit für Meteorologen, Bilanz zu ziehen und das Wetter der drei Monate Dezember 2021, Januar 2022 und Februar 2022 statistisch einzuordnen. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) hat die Messwerte seiner 2000 Wetterstationen dafür ausgewertet und auch wir blicken zurück auf das Wettergeschehen dieses intensiven Winters. In diesem Artikel stellen wir ein paar Besonderheiten hervor.

Übrigens: Frühlingsbeginn ist eine Definitionsfrage. Meteorologisch beginnt der Frühling am 1. März, der astronomische Frühlingsanfang ist in diesem Jahr am 20. März.

Viele Stürme im Winter 2021/2022 über Deutschland

Dieser Winter war zunächst mal auffallend stürmisch. Ein Tief nach dem anderen brauste über uns hinweg, die folgenden Tiefs machten Schlagzeilen:

Sind derart viele Stürme in einem Winter normal? Meteorologe Carlo Pfaff ordnet ein: „Stürme in den klimatologischen Wintermonaten Dezember, Januar und Februar sind nicht ungewöhnlich; wenn sie etwas häufiger auftreten, dann ist das meist der Grund für einen zu milden Winter – wie dieses Jahr. Außergewöhnlich war im Februar allerdings die Aneinanderreihung von gleich drei schweren Stürmen beziehungsweise Orkanen innerhalb von wenigen Tagen. Diese brachten dem Norden unseres Landes sehr viel Regen und viel zu milde Temperaturen.“ Damit hat Pfaff schon die weiteren, wichtigen Stichworte für die Wetter-Statistik genannt: zu nass und zu mild.

Zu warm: Schon der elfte Winter in Folge mit milden Temperaturen

 Dauerfrost im Winter 2021/2022
Dauerfrost: Wenn auch tagsüber die Temperatur den Gefrierpunkt nicht überschreitet, spricht man von einem Eistag. Im Winter 2021/2022 gab es im Westen Deutschlands mehrere Stationen ohne einen einzigen Eistag. (Symbolbild)

Der Winter 2021/2022 war 3,1 Grad zu warm (im Vergleich mit dem Durchschnitts-Winter der Referenzperiode 1961 bis 1990). Es ist der elfte zu warme Winter in Folge, wie der DWD betont.

  • Die Durchschnittstemperatur lag bei 3,3 Grad.
  • Tiefste Temperatur dieses Winters war -19,2 Grad (Oberstdorf im Allgäu, am 22. Dezember)
  • Höchste Temperatur: 18,2 Grad (Rheinfelden in Baden-Württemberg, am 4. Januar)
  • Mehrere Stationen im Westen hatten keinen einzigen Eistag.
  • Deutschlandweit lag der Schnitt der Eistage bei 4,45.*

Zu nass: Aber teils sehr wenig Schnee im Flachland

Die Niederschlagsmenge lag mit fast 200 Litern pro Quadratmetern über dem Durchschnitt (181 Liter pro Quadratmeter in der Referenzperiode 1961 bis 1990). Doch im Flachland fiel hauptsächlich Regen. Schnee war dort die Ausnahme, nur vereinzelt gab es dort kurzzeitige Schneedecken. In den Bergen lag allerdings teils sehr viel Schnee.

  • Besonders im nördlichen Drittel Deutschlands fiel überdurchschnittlich viel Regen in einer Größenordnung von 130 bis 170 Prozent.
  • In der Mitte waren die Werte recht ausgewogen bei 80 bis 125 Prozent.
  • Im Süden war es teils ein bisschen knapp bei Größenordnungen von 60 bis 130 Prozent.
  • Im Flachland gab es immerhin im Nordosten eine Schneedecke von bis zu 17 cm (Kratzenburg-Granzin, am 24.12.).
  • Die höchste Schneedecke wurde auf der Zugspitze gemessen mit 315 cm am 26.2.*

Die große Überraschung: Viel Sonne

Wetter im Winter 2021/2022
In diesem Winter gab es viel Sonnenschein. Zum Beispiel in Bad Hindelang in Bayern am 13.2.2022.

Zu stürmisch und zu viel Regen. Da könnte man meinen, dass die Sonne zu kurz gekommen ist. Doch das ist nicht so. Mit 165 Sonnenstunden im Schnitt war dieser Winter laut DWD-Informationen überdurchschnittlich (im Vergleich mit 153 durchschnittlichen Sonnenstunden der Winter 1961 bis 1990). Allerdings gab es auch hier große regionale Unterschiede. Besonders im Süden kamen viele Sonnenstunden zusammen, während der Norden doch ein bisschen benachteiligt war.

  • In München kamen 264,3 Sonnenstunden zusammen – das entspricht 129,6 Prozent des Sonnenscheins eines Durchschnittwinters in dieser Stadt.*
  • In Hamburg lag der Wert nur bei 116,2 Sonnenstunden – das entspricht 80,7 Prozent des durchschnittlichen Hamburger Sonnenscheins im Winter.*
  • Berlin-Tempelhof meldete mit 119,8 ein kleines bisschen mehr Sonne in absoluten Zahlen – aber nur 77,8 Prozent des örtlichen Durchschnitts.*

Allerdings: Würde man die Sonnenstunden mit der Referenzperiode 1961 bis 1990 vergleichen, wäre der Winter durchschnittlich ausgefallen.

*Stand 27.2., als Referenzperiode gilt 1961 bis 1990

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