Drei Tote - Tausende ohne Strom

YLENIA wirbelt Deutschland durcheinander: Zugverkehr bleibt noch lange gestört

Züge fielen aus, Flüge wurden gestrichen und Tausende Haushalte waren ohne Strom. Sturmtief YLENIA wirbelte das Leben in Deutschland von West nach Ost durcheinander. Selbst die Schifffahrt auf der Elbe war gesperrt. Bei Sturm-Unfällen kamen in Deutschland drei Menschen bisher ums Leben.

Hier in unserem Live-Ticker sind sie immer auf Sturmhöhe

So geht es weiter: Sturmtief ZEYNEP wird noch schlimmer

Bäume umgestürzt, Anhänger verweht: Drei Autofahrer tot

17.02.2022, Niedersachsen, Bad Bevensen: Ein durch den Sturm umgestürzter Baum liegt auf einem Pkw. Der 37-jährige Fahrer wurde dabei tödlich verletzt.
Ein Baum stürzte auf das Auto eines 37-jährigen Mannes. Er hatte keine Chance.

In Sachsen-Anhalt bei Südharz starb ein 55-Jähriger auf einer Landstraße. Ein Baum sei durch den starken Wind auf den Wagen des Mannes gefallen, teilte die Polizei mit. Daraufhin habe sich der fahrende Wagen am Morgen überschlagen. Auf einer Landstraße in Niedersachsen zwischen Bad Bevensen und Seedorf starb ein 37 Jahre alter Mann. Auch hier stürzte ein Baum auf das Auto. Weil sein Anhänger im Sturm auf die Gegenfahrbahn abkam, ist ein Autofahrer im Landkreis Osnabrück nach dem Zusammenstoß mit einem Lkw gestorben.

Das Sturmtief YLENIA ließ bei Tausenden Haushalten den Strom ausfallen. In Bayern verzeichnete der größte Stromnetzbetreiber, Bayernwerk Netz, 10.000 Betroffene, wie ein Sprecher sagte. In Nordrhein-Westfalen fiel für etwa 54.000 Haushalte in der Nacht zu Donnerstag der Strom aus, wie der Betreiber Westnetz auf Twitter mitteilte. Ursache für die Ausfälle waren häufig auf Leitungen gestürzte Bäume. Meist wurde die Versorgung demnach schnell wieder hergestellt.

Bahn kann nicht sagen, wann Regelbetrieb wieder läuft

17.02.2022, Nordrhein-Westfalen, Bielefeld: Auf Zugausfälle wird auf einer Anzeigetafel im Hauptbahnhof von Bielefeld hingewiesen..
Sturmtief YLENIA wirbelt den Bahnverkehr durcheinander.

Wegen des Sturms dauern die Ausfälle im Fernverkehr der Deutschen Bahn im Norden Deutschlands deutlich länger als zunächst angekündigt. Der Zugverkehr sei voraussichtlich bis Samstag „bundesweit beeinträchtigt“, schrieb die Bahn am Donnerstag auf Twitter. Derzeit lasse sich nicht sicher sagen, welche Fernstrecken am Freitag und am Samstag weiterhin ausfallen.

Seit Donnerstagfrüh fuhren die Fernzüge wie ICEs und ICs in Nord- und Nordostdeutschland nicht mehr. Das betraf Niedersachsen, Bremen, Hamburg, Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern, Berlin und Brandenburg. Auch im Regionalverkehr fielen in vielen Bundesländern Züge aus oder verspäteten sich. „Es ist besser, die Züge an den Bahnhöfen zurückzuhalten“, sagte ein Sprecher.

Wer haftet eigentlich bei den Schäden?

Flugverkehr gestört - Fährverkehr oft eingestellt

17.02.2022, Niedersachsen, Hannover: Ein Flugzeug landet in Schräglage während Orkantief Ylenia am Flughafen Hannover.
Sturmtief YLENIA macht es den Flugzeugen schwer - wie hier in Hannover.

Einschränkungen wurden derweil auch für den Flugverkehr gemeldet. Passagiere am Berlin-Brandenburger Flughafen BER brauchten am Donnerstagvormittag Geduld. Wegen starker Windböen war die Flugzeugabfertigung stark eingeschränkt, es kam zu Verspätungen, wie ein Sprecher der Betreibergesellschaft sagte. Am größten deutschen Flughafen in Frankfurt waren nach Betreiberangaben Verbindungen mit Berlin, München und Hamburg betroffen. Am Flughafen Hamburg fielen rund ein Dutzend Flüge aus.

Das Sturmtief zwingt auch Schiffsreisende zur Geduld. Weil die Elbe derzeit für große Schiffe gesperrt ist, darf etwa das Kreuzfahrtschiff Aidaprima nicht wie geplant den Hamburger Hafen anlaufen, wie eine Sprecherin der Hafenbehörde HPA sagte. Auch der Fährverkehr wurde vielerorts vorübergehend eingestellt, etwa in Lübeck oder Rostock.

Keine Schule in NRW - Krasse Spitzenböen von übe 150 km/h

Sturmtief Ylenia sorgt für zahlreiche Feuerwehreinsätze im Bergischen Land. Baum stürzt auf Schwebebahngerüst
Ein Baum ist auf die Wuppertaler Schwebebahn gestürzt.

In Wilhelmshaven sind Bäume auf zwei Häuser in Wohngebieten gestürzt. Zudem wurde die Feuerwehr am Morgen an eine Grundschule gerufen, wo eine 25 Meter hohe Tanne umzustürzen drohte. Ein 15 Meter hoher Antennenmast stürzte in Berlin im Sturm auf die Ringbahn. Die Feuerwehr rückte mit einem Kran aus, um die Strecke freizuräumen, wie ein Sprecher sagte. Die Berliner Feuerwehr rief sowohl in der Nacht als auch am Donnerstagvormittag den Ausnahmezustand aus.

Auch in NRW hinterließ der Sturm seine Spuren. In Dorsten und Marienheide bei Gummersbach etwa sind Regionalzüge mit umgewehten Bäumen oder Baumteilen kollidiert. Die Unfälle verliefen aber in beiden Fällen glimpflich. In dem gesamten Bundesland wurde für Donnerstag außerdem der Schulunterricht abgesagt. Auch in mehreren Regionen Niedersachsens oder etwa Bayerns dürfen Schülerinnen und Schüler wegen der Wetter-Gefahren zu Hause bleiben. In Wuppertal ist ein Baum auf die Schwebebahn gestürzt. NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) sagte, der Unterricht solle dann an allen Schulen wieder stattfinden.

Besonders stürmisch war es in der Nacht auf dem exponiert liegenden Brocken im Harz. Die Harzer Schmalspurbahnen GmbH hat am Donnerstag die meisten ihrer Fahrten ausgesetzt.

Hier die Spitzenböen:

Berge:

  • Brocken 152
  • Weinbiet 133
  • Kahler Asten 133
  • Zugspitze 126
  • Feldberg/Schw. 124
  • Wasserkuppe 120

Städte/Küste:

  • Hiddensee/Dornbusch 148
  • Helgoland 137
  • Borkum 137
  • Torgau(Sachsen) 135
  • Beverungen (NRW) 135
  • Kiel/Leuchtturm 133
  • Eppendorf (Sachsen) 128

Tote auch in Polen - 300.000 Haushalte in Tschechien ohne Strom

Auch in Tschechien, Großbritannien und Polen verursachte das Sturmtief Stromausfälle und Verkehrsbehinderungen. Mehr als 300.000 Haushalte waren in Tschechien wegen beschädigter Leitungen ohne Elektrizität.

Im Norden Englands waren Tausende Haushalte zeitweise von der Stromversorgung abgeschnitten. In Krakau ist bei starkem Wind ein Kran auf einer Baustelle umgekippt und hat vier Bauarbeiter verletzt. Zwei der Männer seien im Krankenhaus ihren Verletzungen erlegen, teilte die Polizei mit.

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(dpa/osc)