Kaltfront auch im Süden angekommen

Tief ANTONIA trifft Deutschland mit Orkanböen über 140 km/h

von Björn Alexander

Sturm ANTONIA
Rostock: Sturm ANTONIA hat den Fischkutter "Luna Rossa" im Stadthafen sinken lassen.

Es ist eine erneute Sturmnacht, die uns Tief ANTONIA zum Start in die neue Woche gebracht hat. Selbst im Flach- und Binnenland werden Orkanböen gemessen - mit entsprechenden Schäden.

Zugausfälle, umgekippte Bäume, Verkehrsunfälle und Schäden an Dächern

Für die Einsatzkräfte gibt es weiter viel zu tun. ANTONIA hat etliche Bäume umgeworfen, Unfälle und Schäden verursacht. Mehrere Menschen wurden verletzt. Bei der Deutschen Bahn gibt es besonders im Norden Deutschlands etliche Ausfälle:

  • Wegen der erheblichen Sturmschäden sind Zugfahrten in Norddeutschland auch am Montag erschwert. Reisende müssen nach Angaben der Deutschen Bahn (DB) bis mindestens Montagnachmittag mit starken Beeinträchtigungen rechnen. Die Bahn riet dazu, unter anderem Reisen von und nach Hamburg möglichst zu verschieben. Nach Angaben der Bahn von Sonntag waren rund 2000 Einsatzkräfte rund um die Uhr im Einsatz, um umgestürzte Bäume zu beseitigen und Oberleitungen zu reparieren. Dies könne aber angesichts der Menge nur Schritt für Schritt erfolgen.
  • Durch den starken Wind ist auf der Fehmarnsundbrücke in der Nacht zum Montag ein Lastwagen umgekippt. Die Brücke war am frühen Montagmorgen in beide Richtungen voll gesperrt, wie ein Sprecher der Polizei-Leitstelle in Lübeck sagte. Gegen 7.30 Uhr sollte die Sperrung vermutlich aber wieder aufgehoben werden. Der Lkw-Fahrer sei unverletzt geblieben.
  • Niedersachsen: Zwei Autofahrer sind im niedersächsischen Belm nacheinander mit ihren Wagen gegen einen durch den Sturm ANTONIA umgestürzten Baum geprallt. Beide Fahrer seien verletzt in umliegende Krankenhäuser gebracht worden, sagte ein Polizeisprecher am frühen Montagmorgen. Die Unfälle im Landkreis Osnabrück seien in der Nacht zum Montag zwar kurz hintereinander, jedoch unabhängig voneinander passiert. Zum genauen Hergang und den Verletzten konnte die Polizei zunächst noch keine Angaben machen.
  • NRW: Durch das Sturmtief ANTONIA sind in Nordrhein-Westfalen Hausdächer, Autos und eine Busoberleitung zerstört worden. In Herdecke südlich von Dortmund flog das Dach eines Mehrfamilienhauses davon und landete auf einem anderen Dach, wie die Feuerwehr am Montagmorgen mitteilte. Auch das zweite Dach wurde demnach massiv beschädigt, es entstand erheblicher Sachschaden. Verletzt wurde dabei niemand, wie es hieß.

Wetter und Regen aktuell

Wie hoch waren die Windgeschwindigkeiten von Tief Antonia?

RTL-Meteorologe Björn Alexander mit dem Blick auf die Sturmkarten: „Die höchsten Windgeschwindigkeiten wurden von den Bergen und den höher gelegenen Regionen gemeldet. In Ormont (Rheinland-Pfalz) mit knapp 154 km/h. Der Feldberg im Schwarzwald meldete 148,2 km/h, der Brocken im Oberharz 146,3 km/h.” Im Anschluss deutet Alexander aber schon auf den Westen Deutschlands - mitten in NRW in Unna liege die stärkste Böe bei fast 139 km/h. Volle Orkanstärke. Ebenfalls bei den intensivsten Böen als Flachlandstation mit dabei sei Geilenkirchen bei Aachen - ebenfalls in NRW mit knapp 119 km/h. Damit sei ANTONIA in der Fläche zwar nicht mit der Stärke von ZEYNEP vergleichbar, „punktuell aber auf jeden Fall schon”.

Sturm ANTONIA hat Bäume umgeworfen
21.02.2022, Nordrhein-Westfalen, Köln: Ein Auto steht zerstört durch einen umgestürzten Baum an einer Straße.

XANDRA, ZEYNEP und jetzt auch noch ANTONIA - wie kam es zum Dreier-Sturm?

„Zuletzt lag Deutschland genau im Bereich der wettersteuernden Strömung – dem sogenannten Jetstream”, so RTL-Meteorologe Björn Alexander. Damit waren wir „genau auf der Tiefdruck-Autobahn”. Gleichzeitig sei diese eben sehr heftig und intensiv mit Windgeschwindigkeiten von mehreren Hundert km/h in der höheren Atmosphäre unterwegs. Ein absoluter Hochleistungsmotor, so dass die Tiefs sich wiederholt verstärken und zu richtigen Sturm- und Orkantiefs auswachsen konnten.

Regen, Schnee oder Graupel – unser Radar eingefärbt nach den unterschiedlichen Niederschlagsarten

Wann beruhigt sich unser Wetter endlich mal wieder?

Für den Wochenstart hat Alexander leider weiterhin sehr windige bis stürmische Aussichten, denn die Kaltfront von ANTONIA ist auch im Süden Deutschlands angekommen: „Auf den Bergen drohen weitere Orkanböen bis Tempo 120 - im Oberharz bis zu 140 km/h. Ansonsten sind Spitzenböden zwischen 60 und 90, an der See bis um die 100 km/h möglich.” Vor allem in Schauer- und Gewitternähe frische der Wind wiederholt sehr ruppig auf. Somit besteht weiterhin „die Gefahr von herabfallenden Ästen und umstürzenden Bäumen, die durch den Sturm zuvor schon angeknackst sind”. Alles in allem haben wir das Schlimmste in Sachen Sturm aber hinter uns. Und auch wenn es in den nächsten Tagen immer wieder windig ist, so war ANTONIA wohl vorerst das letzte Sturmtief über Deutschland. Und am Wochenende sieht der Wetterexperte mit Glück sogar endlich mal wieder ein Schönwetter-Hoch nach Deutschland kommen.

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(bal, cli)