Verschiebung der Jahreszeiten

Dürre oder Starkregen - wie nass ist Deutschland wirklich?

von Amelie von Kruedener und Christian Häckl

Erlebt und gefühlt haben wir die Dürren der letzten Sommer fast alle. Die Wiesen wurden gelb und braun, Regen wurde eine Erinnerung, Wasser sparen war kein exotisches Hobby mehr. Meteorologe Christian Häckl erklärt oben im Video, was die Wissenschaft darüber sagt. Ist das Klima oder einfach nur Wetter? Gehen wir nur gefühlt in Richtung Dürre? Oder zeigt das Pegel in die genau andere Richtung?

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Vorsicht! Klima ist nicht gleich Wetter - was ist der Unterschied?

Um zu erkennen, ob sich hier wirklich eine Veränderung unseres Klimas entwickelt, muss klar sein, dass Klima kein Wetter ist. Der Begriff Klima beschreibt das durchschnittliche Wetter über einen längeren Zeitraum. In der Regel sind das 30 Jahre. Extreme Wetterereignisse wie das dramatische Hochwasser im Jahr 2021 oder die Trockenheit von 2018 bis 2019 sind einzelne Wetterereignisse, die man erst in einer langjährigen Betrachtung richtig einordnen kann.

Schaut man auf die Temperaturentwicklung, ist die Einordnung sehr klar. Seit 1980 geht es steil nach oben. Inzwischen liegen wir bei 1,6 Grad über der vorindustriellen Zeit. Zur Einordnung: Der Temperaturanstieg ist klar mit einer Klimaveränderung zu verbinden. Bei der Betrachtung der Niederschläge wird es etwas schwieriger. Hier muss man genauer hinschauen.

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Niederschlagsmengen der letzten 100 Jahre

Entwicklung der jährlichen Niederschlagshöhe in Deutschland in den Jahren 1881 bis 2021 in Millimeter
Diese Grafik zeigt die Niederschlags-Gebietsmittel in Millimeter. Man nimmt also die gesamte Niederschlagsmenge des Jahres zusammen. Das ist ein guter Weg, um Trends erkennen zu können.

Seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1881 hat die jährliche Niederschlagsmenge in Deutschland um knapp 10 Prozent zugenommen. Die einzelnen Jahresniederschlagswerte variieren dabei jedoch stark. So ist das Jahr 2020 mit einer Niederschlagshöhe von 705 Millimetern ein vergleichsweise trockenes Jahr gewesen. Doch gab es da klare Verschiebungen in den Jahreszeiten.

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Mehr Niederschläge im Winter, weniger Regen im Sommer

Regen in Deutschland im Mittel von 2021 bis 2022
Durchschnittlicher monatlicher Niederschlag in Deutschland von Oktober 2021 bis Oktober 2022 (in Liter pro Quadratmeter)

Das gesamte letzte Jahr bestätigt diese Verschiebung der Niederschläge in Richtung Winter. Im Sommer gab es im Vergleich zum langjährigen Mittel zu wenig Regen. Im Frühjahr, Herbst und Winter gab es im Vergleich zum langjährigen Mittel teils zuviel Niederschläge. Auf das gesamte Jahr gesehen gleichen sich die Mengen wieder aus. Christian Häckl fasst zusammen: „Noch also könnten die Dürresommer reine Wetterausreißer sein. Klar ist aber auch, der regelmäßige Regen im Sommer nimmt ab. Und wir schwanken immer öfter zwischen den Wetterextremen Dürre und Starkregen.“

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(avo)