Warmluft, Schnee, Stürme

Winter-Wetter in Deutschland - so extrem kann die kalte Jahreszeit sein

von Valerie Dörner

 In der Nacht hat es wieder geschneit im Siegerland. Verschneite Landschaft in Siegen-Oberschelden. Winter im Siegerland am 08.01.2022 in Siegen/Deutschland. *** In the night it has snowed again in the Siegerland Snowy landscape in Siegen Oberschelde
Verschneite Landschaft in Siegen-Oberschelden. Winter im Siegerland

In Zeiten der Energie- und Gaskrise schauen viele von uns schon bangen Blickes Richtung Winter. Wir haben den kalten Gesellen ebenfalls unter die Lupe genommen und geschaut, was uns Dezember, Januar und Februar bringen können – mit einigen Überraschungen und Extremen.

Das Wetter im Dezember: Über 50 Grad Temperaturunterschied

Der Winter birgt so einiges: Kälte, Gemütlichkeit, Weihnachtszeit. Der Dezember ist der erste Wintermonat und läutet die Jahreszeit ein. Am 1.Dezember ist meteorologischer Winterbeginn, um den 20. beziehungsweise 21. Dezember ist der kalendarische Winterbeginn.

Lese-Tipp: Das ist der Unterschied zwischen meteorologischem und kalendarischem Winteranfang

Der Winter kann aber auch ganz schön aufs Gemüt schlagen: Dezember ist mit durchschnittlich 38 Sonnenstunden einer der dunkelsten Monate des Jahres. Mit der Wintersonnenwende erleben wir dann auch die längste Nacht und den kürzesten Tag, entweder am 21. oder am 22. Dezember.

Sonne nahe Wiggensbach (Schwaben) über dem winterlichen Alpenpanorama
Ein sonniger Dezembermorgen hat Seltenheit - ist aber dafür umso schöner.

So eisig kann der Dezember sein

Der Dezember hat in Sachen Temperatur eigentlich alles in petto. Der Negativ-Rekord im Dezember wird angeführt von einer bayrischen Wetterstation. Hüll im Landkreis Bayreuth. Allerdings ist das schon lange her. Am 29.12.1939 wurden hier -32,9 Grad gemessen.

Auf der anderen Seite der Rekordliste rangiert die offizielle Messstation des Deutschen Wetterdienstes (DWD) in Müllheim in Baden-Württemberg mit 24 Grad. Gemessen wurde diese fast schon sommerliche Temperatur am 16.12.1989.

Hat es früher mehr geschneit?

Viele Menschen teilen den Eindruck, dass es früher deutlich mehr Schnee gab als in den vergangenen Jahren. Und tatsächlich: Gerade die 60er und 80er Jahre waren verhältnismäßig schneereich, während es seit 2000 eher weniger flächendeckenden Schnee gab. Das Gegenteil bewiesen hat uns aber das Jahr 2010 – da gab es nämlich zum Beispiel zuletzt weiße Weihnachten.

Dieses Phänomen wäre übrigens deutlich häufiger, wenn die Festtage erst im Januar oder Februar lägen. Denn erst dann befinden wir uns klimatologisch gesehen im Hochwinter und erst dann haben es die richtig kalten Luftmassen leichter, bis zu uns nach Mitteleuropa zu gelangen.

Im Video: Wann bleibt der erste Schnee liegen?

Januar und Februar warten im Extremfall mit eisigen Temperaturen um die minus 30 Grad auf

So richtig kalt wird es dann also erst im Januar. Besonders viele Rekorde hat der Winter 1985 gebrochen: Hier war es an gleich mehrere Orten wirklich eisig, nämlich unter -30 Grad. Vor allem Bayern und Baden-Württemberg mussten bibbern. In Heidenheim an der Brenz wurden am 09. Januar 1985 -31,1 Grad gemessen.

Doch auch in jüngerer Vergangenheit hat der Januar vielerorts noch mal ordentlich zugeschlagen. Am Dreikönigstag 2009 (06.01.2009) wurden in Sohland an der Spree satt -27,5 Grad gemessen.

Im Februar kann es dann noch ein Stückchen kälter werden – Temperaturen unter -30 Grad sind zwar weiter selten, aber dennoch häufiger als noch im Dezember oder Januar.

Der Februar kann eisig - aber auch den Frühling einläuten

Aber auch das andere Extrem ist möglich, wie der Ort Piding in Bayern zeigt. Vor nicht allzu langer Zeit, am 10. Januar 2015, wurde hier mit 20,5 Grad plus die 20-Grad-Marke geknackt. Frühlingshafte Temperaturen - und das mitten im Winter. Übrigens die höchste Temperatur, die je im Januar in Deutschland gemessen wurde.

Auch der Februar kann in Ausnahmefällen schon warm werden – das dann aber meist erst gegen Ende, wenn es auf den Frühling zugeht. 2021 zum Beispiel erreichte das Thermometer im Örtchen Ohlsbach in Baden-Württemberg am 25. Februar genau 22 Grad.

Stürme fegen übers Land: Extremwetter im Winter

Die Herbst- und Wintermonate sind auch die Zeit der großen Stürme. Zwei Beispiele sind Mega-Orkan LOTHAR und XAVER. LOTHAR traf Europa am 26.12.1999. Mit Spitzenböen jenseits der 250 km/h brachte er die größten Sturmschäden der jüngeren europäischen Geschichte.

Aber auch im Januar und Februar kann es häufig stürmen: Orkantief FRIEDERIKE suchte vom 15. bis zum 20. Januar 2018 vor allem Mitteleuropa heim und forderte zehn Todesopfer. Orkan SABINE zog im Februar 2020 über Europa hinweg und legte fast ganz Deutschland lahm. Dabei richtete SABINE ebenfalls extremen Schaden an.

Baum auf PKW, Auto, in der Neckarstraße in Hannover
Orkan Sabine wütete im Februar 2020 über Deutschland und hinterließ vielerorts für Verwüstung.

Aktivität des Polarwirbels könnte sich auf unseren Winter auswirken

Der Polarwirbel ist mitverantwortlich dafür, wie das Wetter bei uns im Winter aussieht. Bei einem starken Polarwirbel und einem intensiven Jetstream wird das Wetter in Deutschland und Europa im Winter eher von milden westlichen Winden bestimmt. Ist der Wirbel geschwächt oder gar geteilt, dann haben andere Wetterlagen eher ein Chance. Sowohl sehr kalte auch sehr milde Lagen. Das Wetter hat somit den Hang zu mehr Extremen.

Im Video: So wirken Polarwirbel und Jetstream zusammen

Bauernregeln für den Winter

Natürlich dürfen auch für den Winter die berühmten Bauernregeln nicht fehlen – auch wenn sie statistisch gesehen nicht unbedingt der Wahrheit entsprechen. Trotzdem sollen einige von ihnen den Winter oder sogar schon das ganze Jahr voraussagen:

  • Dezember lind, der Winter ein Kind.
  • Regnet's an Sankt Nikolaus, wird der Winter streng und graus.
  • Wenn’s Christkindlein Tränen weint, vier Wochen keine Sonne scheint.
  • Der Januar muss krachen, soll der Frühling lachen.
  • Januar ganz ohne Schnee tut Bäumen, Bergen und Tälern weh.
  • Ist der Februar trocken und kalt, kommt im März die Hitze bald.
  • Im Februar müssen die Stürme fackeln, dass dem Ochsen die Hörner wackeln.

Kälteste und wärmste Winter in den letzten 20 Jahren

In Zeiten des Klimawandels fällt es natürlich schwer, vergleichsweise kalte Winter zu finden. Doch es gab sie – beispielsweise in den Jahren von 2008 bis 2011. Auch der Winter 2002/2003 war zu kalt. Wenn es zu kalte Winter waren, dann hielten sich die Abweichungen nach unten aber sehr in Grenzen. Das sah bei zu milden Wintern aber schon ganz anders aus – mit einem nahezu gleichbleibenden Trend zu immer mehr Wärme in den letzten zehn Jahren. Im Winter 2019/2020 beispielsweise mit fast 4 Grad über dem langjährigen Durchschnitt.

Fazit: Eindeutiger Trend - in diesem Winter vielleicht etwas beruhigend

Betrachtet man es rein statistisch und ohne das Damokles-Schwert des Klimawandels zu beachten, dann hat die Entwicklung des Winter in Bezug auf die Gaskrise sicherlich positive Züge. Ein eiskalter Winter mit frostigen Phasen ist zwar nicht auszuschließen. Aber alles in allem – insbesondere mit dem Blick auf die letzten 10 Jahre – doch ziemlich unwahrscheinlich.

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(vdö)