Der warme Juni holt das ganze Jahr aus der Versenkung

Klima-Prognose: Zu warm oder zu kalt - wie wird das Klima dieses Jahr?

365-Tage-Klimatrend für Deutschland: Das sind die Temperaturmittel

Ist es zu warm oder zu kalt? Wie normal waren die letzten Wochen und Monate und das aktuelle Jahr bisher? Geht der Trend immer weiter, dass ein Jahr nach dem anderen zu warm wird? Wir vergleichen die aktuellen Messwerte in den verschiedenen Regionen in Deutschland und setzen diese in Bezug zum Klimamittel. Unsere Experten schätzen ein und beleuchten die Extreme und die Besonderheiten.

Außerdem gibt die Temperaturkurve des langjährigen Durchschnitts eine gute Prognose für das ab, was wir im laufenden Jahr noch zu erwarten haben. Und natürlich sagen Ihnen unsere Experten damit ebenfalls, ob es tendenziell zu warm, zu kalt oder am Ende normal temperiert durchs aktuelle Kalenderjahr gehen dürfte.

Oben im Video: Wetter in Deutschland – Sommertage, Hitzetage, Tropennächte

Klimatrend: Der Juni reißt alles ins Positive

Fassen wir das Jahr mal kurz zusammen, immerhin ist ja nun die Hälfte etwa vorüber und es sind nur noch sechs Monate bis Weihnachten. Also: Der Winter war zu warm, das Frühjahr zu kalt (Der April sogar so kalt wie seit 40 Jahren nicht) und der Juni schießt völlig über das Ziel hinaus. Der Juni ist bisher sogar so warm, dass er das gesamte Jahr ordentlich ins Positive holt. Wir steuern auf ein erneut zu warmes Jahr zu. Der Trend bleibt ungebrochen, die Temperaturen steigen immer weiter – das ist der Klimawandel.

Schließlich hat der Juni uns ja auch schon eine heftige und vor allem viel zu frühe Hitzewelle beschert. So liegen wir nun, weil der Juni – gemessen am Gesamtmonat – bisher unglaubliche 3,6 Grad zu warm ist, im Gesamtjahresschnitt satte 1,9 Grad über dem normalen Mittel. Und das, obwohl der Mai bundesweit um 1,5 Grad zu kalt ausgefallen ist. Verrückt. Machen wir es uns einmal deutlich: Wir wollen mit dem Pariser Klimaabkommen die Erderwärmung auf 1,5 Grad begrenzen. Das ist eine Mega-Aufgabe. Denn was die Erwärmung anstellt, können wir tagtäglich bei den Unwettern im Süden sehen. Es genügt ein heftiger Hagelschlag, um weite Teile der Ernte zu ruinieren, wie kürzlich in Österreich geschehen.

Die Temperaturkurve für Deutschland bis Juni 2021
Der Juni holt das ganze Jahr ordentlich ins Plus. Auch 2021 ist damit wieder in der Spur, ein weiteres zu warmes Jahr zu werden - trotz des kalten Frühlings.

Klima-Check im Norden: Der Juni zieht alles nach oben

In diesem Jahr war der Frühling ja wirklich nix. Machte der März noch Hoffnung, so ging es im April und Mai eigentlich nur bergab. Im April war es teilweise kälter als im März. Nun aber geht der Juni dermaßen auf die Überholspur, dass er die gesamte Tendenz umkehrt.

Hitzespitzen von 35 Grad im Juni sind für Rostock mehr als ungewöhnlich. Es hagelte Temperaturrekorde für den Norden, 35 Grad in Strandnähe sind in Deutschland eigentlich ausgeschlossen. Nun, der Klimawandel zeigt eindeutig Wirkung. Nach dem extremen Mai (im negativen Sinn) nun ein extremer Juni. Insgesamt ist der Norden damit wieder in der Bahn für ein weiteres zu warmes Jahr – momentan 1,1 Grad über dem Schnitt.

Klima-Check bei den Nordlichtern: Der Juni 2021 legt die Spur für ein warmes Jahr.

Die Klimakurve im Norden

Der Klima-Check für den Norden am Beispiel Rostock
Der Klima-Check für den Norden am Beispiel Rostock - nach unterkühltem Beginn mittlerweile im Plus.

Klima-Check im Westen: Juni voll auf der Überholspur

Ja, Frankfurt am Main liegt nicht richtig im Westen, sondern ziemlich in der Mitte. Aber was für Franfurt gilt, gilt auch für die Städte tief im Westen: Denn nach dem Bibberstart und den beiden zu kalten Frühlingsmonaten April und Mai zeigt sich nun eindeutige Erholung. Der Juni ist bisher sage und schreibe 3,6 Grad zu warm. Das ist klimatische gesehen eine Welt.

Die frühe Hitzewelle tut natürlich das Ihre und so rutscht Frankfurt im Jahresmittel wieder in den positiven Bereich. Auch am Main scheint 2021 erneut ein zu warmes Jahr zu werden. Derzeit ist die Abweichung noch moderat bei 0,4 Grad. Wenn aber die nächsten Sommermonate so wie der Juni daherkommen, dann gibt es ein sattes Plus in Mainhattan.

Klima-Check im Westen Deutschlands: Der Juni bringt auch Frankfurt wieder in die positiven Abweichungen.

Die Klimakurve im Westen

Der Klima-Check für den Westen am Beispiel Frankfurt
Der Klima-Check für den Westen am Beispiel Frankfurt - Bewegte sich die Temperatur fünf Monate in etwa im Mittel, so schießt der Juni voll oben raus

Klima-Check im Osten: Juni holt die Temperaturen aus dem Keller

Natürlich hat es die Wärme im Osten Deutschlands im Frühjahr nicht immer leicht. Besonders nicht im Nordosten an der Küste. Die kalte Ostsee hält die Temperaturen auch an Land immer gut in Schach. Doch dieses Jahr waren die Abweichungen zum langjährigen Mittel gewaltig unter dem Schnitt. Bis auf wenige Spitzen abgesehen lagen die Temperaturen monatelang unter der Linie, die den Durchschnitt angibt.

Aber auch hier weiß der Juni, was Veränderung bedeutet. In Leipzig ist der erste Sommermonat derzeit satte 3 Grad zu warm und steuert insgesamt auf eine Erwärmung von 3,4 Grad zu! Das reißt das ganze Jahresmittel wieder ins Positive, wenn auch nur knapp. Daran sieht man, wie extrem das Jahr im Osten bisher verlief.

Klima-Check für den Osten: Der krass zu warme Juni hat den Osten wieder auf ein normales Level gehoben.

Die Klimakurve im Osten

Der Klima-Check für den Osten Deutschlands am Beispiel von Leipzig
Der Klima-Check für den Osten Deutschlands am Beispiel von Leipzig.

Klima-Check im Süden: Heißer Juni gleicht das Frühjahr aus

Im Süden war das ganze Jahr etwas ausgeglichener. Zwar gab es im Februar eine üble Kältewelle, die wurde aber vom Rest des Monats ausgeglichen. Und April und Mai waren da auch zu kalt, aber nicht so krass unter dem Schnitt wie in anderen Landesteilen. Nun gleicht der Juni das immer noch vorhandene leichte Temperaturdefizit aus.

In Nürnberg ist der Juni zwar auch viel zu warm, aber mit 2,6 Grad über dem Schnitt fällt er dort nicht so drastisch aus wie in Frankfurt am Main oder in Leipzig. Das führt dazu, dass wir im Jahresdurchschnitt 2021 derzeit ziemlich auf null sind. Das Jahr 2021 ist in Nürnberg nach der Hälfte nur 0,1 Grad zu warm und damit voll im Soll.

Klima-Check im Süden: Unser Beispiel Nürnberg zeigt ein zu kaltes Frühjahr, dass von einem zu warmen Juni ausgeglichen wird. Alles im Rahmen in Franken.

Die Klimakurve im Süden

Der Klima-Check für den Osten Deutschlands am Beispiel Nürnberg
Der Klima-Check für den Osten Deutschlands am Beispiel Nürnberg

Vorsicht! Klima ist nicht gleich Wetter

Die Begriffe Klima und Wetter hängen zwar zusammen, sind aber natürlich nicht gleich zu setzen. Der Begriff Klima beschreibt das durchschnittliche Wetter über einen längeren Zeitraum. In der Regel sind es 30 Jahre. Hierzu wird bei unseren Grafiken noch das durchschnittliche Wetter, also das Klima, des Referenz-Zeitraumes von 1961 bis 1990 angezeigt. Hier erfolgt eine Umstellung in Kürze. Generell gilt aber: Die vergangenen 30 Jahre (1991 bis 2020) waren rund ein Grad wärmer als die davor liegenden Jahre im Zeitfenster von 1961 bis 1990.

Unsere Wettertrends und Themenseiten

Sollten Sie Interesse an weiteren Wetter-, Klima- und Wissenschaftsthemenhaben, sind Sie bei wetter.de bestens aufgehoben. Besonders ans Herz legen,können wir Ihnen auch den 7-Tage-Wettertrend mit der Wetterprognose für die kommende Woche. Dieser wird täglich aktualisiert. Falls Sie weiter in die Zukunft schauen möchten, ist der 42-Tage-Wettertrend eine Option. Dort schauen wir uns an, was auf uns in den kommenden Wochen zukommt.

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Mega-Hitze und große Trockenheit - und viele fragen sich: Wird Deutschland bald zum Wüstenstaat? Wie viele Dürre-Sommer hintereinander können wir eigentlich noch verkraften? Hier geht es zur DOKU - Wüstenstaat Deutschland?