Das gab es seit Jahrzehnten nicht mehr

Klima-Prognose: Zu warm oder zu kalt - wie wird das Klima dieses Jahr?

365-Tage-Klimatrend für Deutschland: Das sind die Temperaturmittel

Ist es zu warm oder zu kalt? Wie normal oder unnormal waren die letzten Wochen und Monate und das aktuelle Jahr bisher? Wir vergleichen die aktuellen Messwerte in den verschiedenen Regionen in Deutschland und setzen diese in Bezug zum Klimamittel. Unsere Experten schätzen ein und beleuchten die Extreme und die Besonderheiten.

Außerdem gibt die Temperaturkurve des langjährigen Durchschnitts eine gute Prognose für das ab, was wir im laufenden Jahr noch zu erwarten haben. Und natürlich sagen Ihnen unsere Experten damit ebenfalls, ob es tendenziell zu warm, zu kalt oder am Ende normal temperiert durchs aktuelle Kalenderjahr gehen dürfte.

Oben im Video: Wetter in Deutschland – Sommertage, Hitzetage, Tropennächte

Klimatrend: Der April 2021 ist bisher so kalt wie der März 2021

Die letzten Monate waren oft geprägt vom Polarwirbel mit durchaus winterlichen Wetterlagen, vor allem der Februar 2021. Auch der April 2021 hat bislang mehr von einem (Spät-) Winter als vom Frühling oder gar vom Sommer. Somit ist der April 2021 bisher ein April, wie man ihn früher einmal kannte: ein wechselhafter Monat, in dem der Winter immer wieder seine Fühler ausfährt. Er wird wohl auch bis zum Ende so weitermachen. Ganz anders als in den vergangenen Jahren, als der April eher wie ein Sommermonat mit viel Sonne und sommerlichen Temperaturen durch die Statistik preschte.

Denn dieses Jahr ist der April lediglich so warm oder kalt wie der März. Und der April 2021 ist bisher ganze 7 Grad kälter als der April im Rekordjahr 2018! Im Rekordjahr 2018 wurde in der dritten Dekade des Monats auch schon die 30 Grad Marke erreicht. Das werden wir wohl dieses Jahr nicht mehr schaffen.

Der April 2021 ist derzeit fast 3 Grad zu kalt in Deutschland (Stand 15.04.2021)

Der April 2021 ist derzeit fast 3 Grad zu kalt in Deutschland (Stand 15.04.2021)
Das aktuelle Temperaturmittel für Deutschland für das Jahr 2021 © wetter.de

RTL-Meteorologe Oliver Hantke: „Einen solchen April haben wir seit Jahrzehnten nicht mehr erlebt. Aktuell liegt die Mitteltemperatur in Deutschland bei rund 4,5 Grad. Damit ist der April 2021 derzeit fast 3 Grad zu kalt in Deutschland.“

Was macht das Wetter im Frühjahr 2021?

Auch das Frühjahr haben wir jetzt zur Hälfte hinter uns gebracht. Auffallend sind die zahlreichen Auf und Abs. So wurde beispielsweise nach einem kalten Start in den Frühling, am Ende des Monats März ein neuer Wärmerekord aufgestellt (am 31.03. in Rheinau-Memprechtshofen mit 27.2 Grad).

Was noch in diesem Jahr auffällt, ist die recht hohe Anzahl an Frosttagen (also die Tage an denen die Temperatur nachts unter den Gefrierpunkt gefallen ist). Im Mittel über ganz Deutschland wurden bisher in 20 Frühjahrsnächten Frost registriert. Schaut man sich die zurückliegenden Jahre an, so sieht man, dass in der Regel deutlich weniger Frost in den Frühlingsnächten aufgetreten ist. Das letzte Jahr mit viel Nachfrost im Frühjahr war das Jahr 2013, das kälteste Frühjahr seit 1987.

Klima-Check im Norden: Bisher nur kurz Frühling, April ohne Höhepunkte - was kommt noch auf uns zu?

Die Grafik zeigt die Temperaturkurve für den Norden Deutschlands im Vergleich zum langjährigen Mittelwert. Gerade der April zeigt bisher eine deutliche Abweichung nach unten.
Der Klima-Check für den Norden Deutschlands. Die Kurve zeigt die Temperaturen im Vergleich zum langjährigen Mittelwert. © wetter.de

Die Frühlingsluft ist ein gern gesehener Besucher in unseren Breiten, den wir in den letzten Jahren bereits immer früher begrüßen konnten. Natürlich in Folge des Klimawandels. Aber in diesem Jahr scheint vieles anders zu sein: zuerst der schwächelnde Polarwirbel mit dem Vollwinter im Februar 2021 und anschließend auch nur zaghafte Warmluftvorstöße. Normalerweise würde die Temperaturkurve gerade jetzt im April deutlicher aufwärts zeigen. Doch von der Wärme im April ist nach der ersten Hälfte bislang nichts zu sehen. Und das dürfte am Ende auch so bleiben. Klima-Check bei den Nordlichtern: Der April 2021 sieht auch weiterhin zu kalt bis deutlich zu kalt aus.

Klima-Check im Westen: Die höchste Spitze und der tiefste Fall

Die Grafik zeigt die Temperaturkurve für den Westen Deutschlands im Vergleich mit dem klimatologischen Mittelwert: Der April konnte noch nicht viel tun in Richtung Frühling, vom Sommer ganz zu schweigen.
Der Klima-Check für den Westen Deutschlands am Beispiel von Düsseldorf. Wann können die Düsseldorfer wieder mit sommerlicheren Temperaturen rechnen? © wetter.de

Gerade im Westen und Südwesten hat der Frühling im März die größten Fortschritte gemacht und brachte in Spitzen bereits über 25 Grad. Dementsprechend tief war und ist hier der Absturz im April 2021. Und tatsächlich könnte es im Westen im April auch am kühlsten bleiben. Derzeit ist der April in Düsseldorf fast 4 Grad zu kalt! Und die Prognosen zeigen im Westen Deutschlands die erheblichsten Abweichungen vom Klimamittel nach unten. Klima-Check im Westen Deutschlands: Der April bleibt ziemlich unterkühlt.

Klima-Check im Osten: Von Sommertagen noch ganz weit entfernt

Der Graphik zeigt den Temperaturverlauf im Osten am Beispiel von Berlin im Vergleich zum Klimamittel. Der April bleibt auch in der Hauptstadt im Jahr 2021 weit unter seinen Möglichkeiten.
Der Klima-Check für den Osten Deutschlands am Beispiel von Berlin. Der April 2021 liegt auch hier temperaturtechnisch weit unter dem langjährigen Mittelwert. © wetter.de

Natürlich hat es die Wärme im Osten Deutschlands im Frühjahr nicht immer leicht. Aber in den vergangenen Jahren hat es im April oft für viel Sonne und teils sommerliche Temperaturen jenseits der 25 Grad gereicht. Das sieht in diesem Jahr ganz anders aus. Nur einmal zuckten die Temperaturen bis ran an die Sommermarke von 25 Grad. Der April befindet sich weit, sehr weit unterm langjährigen Mittelwert. Klima-Check für den Osten: Es ist zu kalt und es bleibt zu kalt.

Klima-Check im Süden: April bleibt viel zu kalt

Die Grafik zeigt die Temperaturkurve für München bisher im Vergleich zur Temperaturkurve der Jahresmittelwerte. Bisher gab es einige Abstürze. Zuletzt im April 2021. Und der dauert weiter an.
Der Klima-Check für den Süden Deutschlands am Beispiel von München. Frühling mit Frühlingswerten bleiben rar gesät. © wetter.de

Auch im Süden hat der nachhaltige Frühlingsbeginn durchaus Startprobleme. Das zeigt insbesondere der Temperaturverlauf vom März mit einem finalen Höhepunkt und dem nachfolgenden Absturz im April 2021, der immer noch anhält. Und auch die Aussichten für den Süden erwärmen nicht wirklich. Klima-Check im Süden: Die Abweichungen dürften auch hier am Ende recht tief ausfallen.

Vorisicht! Klima ist nicht gleich Wetter

Die Begriffe Klima und Wetter hängen zwar zusammen, sind aber natürlich nicht gleich zu setzen. Der Begriff Klima beschreibt das durchschnittliche Wetter über einen längeren Zeitraum. In der Regel sind es 30 Jahre. Hierzu wird bei unseren Grafiken noch das durchschnittliche Wetter, also das Klima, des Referenz-Zeitraumes von 1961 bis 1990 angezeigt. Hier erfolgt eine Umstellung in Kürze. Generell gilt aber: Die vergangenen 30 Jahre (1991 bis 2020) waren rund ein Grad wärmer als das alte Zeitfenster von 1961 bis 1990.

Unsere Wettertrends und Themenseiten

Sollten Sie Interesse an weiteren Wetter-, Klima- und Wissenschaftsthemenhaben, sind Sie bei wetter.de bestens aufgehoben. Besonders ans Herz legen,können wir Ihnen auch den 7-Tage-Wettertrend mit der Wetterprognose für die kommende Woche. Dieser wird täglich aktualisiert. Falls Sie weiter in die Zukunft schauen möchten, ist der 42-Tage-Wettertrend eine Option. Dort schauen wir uns an, was auf uns in den kommenden Wochen zukommt.

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