Hier haben Klimawandel-Leugner keine Chance

Was stimmt denn nun? Mythen und Fakten rund um CO2

von Oliver Scheel

CO2 hat ja das große Pech, dass es geruchlos und unsichtbar ist und auch nicht brennt. Wäre das anders, würde die erhöhte CO2-Konzentration in unserer Atmosphäre vielleicht besser wahrgenommen und die Zahl der Menschen, die den Klimawandel klein reden, wäre sicher viel geringer. Vielleicht würde auch die Politik eher handeln. Dennoch ist Kohlendioxid oder auch Kohlenstoffdioxid das Hauptproblem in der Klimakrise. Warum ist das so und was hat es mit dem CO2 auf sich? Und welche Mythen ranken sich um dieses Gas? Hier die Fakten.

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Ist CO2 schwerer als Luft? Und warum ersticken wir dann nicht am Boden?

Treibhausgas-Emissionen
CO2 ist geruchlos und unsichtbar. Aber leider sehr schädlich, es fällt vor allem an beim Verfeuern fossiler Brennstoffe.

Wissenschaftlich erwiesen ist, dass CO2 die Wärme absorbiert. Es verhindert also, dass Wärme ins All entweicht. Und ja, CO2 ist wirklich schwerer als Luft. Korrekt ausgedrückt ist es dichter als Luft. Unsere Luft ist ein Gasgemisch, das zu 99 Prozent aus Stickstoff und Sauerstoff besteht. Nur etwa 0,04 Prozent sind CO2 – Tendenz steigend. Nun müsste das CO2 theoretisch absinken und wir Menschen unten am Boden würden durch Abgase und CO2 laufen und schnell ersticken.

Daraus schließen nun viele Menschen, dass CO2 ja nicht so schlimm sein kann, bzw. dass es überhaupt nicht existiert. Das ist aber schlichtweg falsch. Denn es ist so, dass unsere Luft keine stehende Masse ist. Wir haben Wind. Unsere Atemluft bewegt sich permanent in Wind und Turbulenzen auf und ab. Das hängt auch damit zusammen, dass Luft sich am Boden erwärmt und dann nach oben steigt.

Wind und Wetter wirbeln also die Luft ständig durcheinander. Wir können die Bestandteile der Luft in unterschiedlichen Höhen sogar messen. Das Ergebnis: Der Anteil der CO2-Moleküle in der Luft ist bis in große Höhen von etwa 100 km nahezu konstant.

Unser Wetterlexikon beleuchtet den Begriff Kohlendioxid ein wenig genauer

Mehr CO2 ist doch gut, dann haben die Pflanzen mehr für die Photosynthese

Ein weiteres Argument der Klimawandelleugner ist, dass CO2 ja schließlich benötigt wird für das Pflanzenwachstum. Wenn nun viel CO2 in der Atmosphäre ist, dann haben die Pflanzen sozusagen viel Futter und wachsen stärker. Außerdem würde dann der Planet quasi ergrünen, weil durch das CO2 überall neue Pflanzen wachsen können. Leider ist beides falsch.

Richtig ist, dass Pflanzen mithilfe von Sonnenlicht, Wasser und CO2 Photosynthese betreiben. Sie stellen damit Zucker und Sauerstoff her. Falsch ist aber, dass mehr CO2 auch mehr Photosynthese bedeutet. In Treibhäusern und unter Laborbedingungen gibt es solche Effekte zwar zu beobachten, doch in der freien Natur erweist sich das als schwierig und kompliziert.

Viele Pflanzen wie Mais und Hirse können mit mehr CO2 schlichtweg nichts anfangen. Sie haben sozusagen die Möglichkeit für ein gewisses Kontingent. Man kann es sich so vorstellen wie bei einem Auto. Der Tank fasst eben nur 40 Liter, auch wenn ich prinzipiell viel mehr Benzin zur Verfügung hätte. Der Tank ist nach 40 Litern voll.

Die Weltwetterorganisation (WMO) meldet Höchstwert an Kohlendioxid in der Atmosphäre

In manchen Teilen der Welt, das ergab eine Studie aus dem Jahr 2016, ist es tatsächlich etwas grüner geworden. Der limitierende Faktor ist aber das Wasser. Und auch da schlägt die Klimakrise leider voll zu. Der Wasserhaushalt vieler Regionen ist mit der Erderwärmung völlig aus den Fugen geraten, wie wir zum Beispiel gerade in großen Teilen Afrikas sehen.

Aber auch in Deutschland registrieren wir sehr lange, trockene Phasen wie in den Dürresommern 2018 und 2019 und katastrophalen Regenereignissen wie 2021. In den Dürresommern sind Millionen Bäume abgestorben, insofern sind wir mit einer Begrenzung der Erderwärmung auf der sicheren Seite.

So viel CO2 gab es seit vielen Millionen Jahren nicht in der Atmosphäre

Ein Vulkanausbruch ist doch viel schlimmer als die CO2-Emissionen der Menschen

Iceland Volcano Fresh images from the eruption in Eyjafjallajökull, Iceland, depict great drama as thunder and lightning strikes the ash cloud above the crack in the glacier.Eyjafjallajokull, Iceland
Der Ausbruch des Vulkans Eyjafjallajökull im Jahr 2010 hatte Auswirkungen auf das Klima.

Stimmt das? Vulkane stoßen tatsächlich unter anderem CO2 aus. Es braucht aber schon gewaltige Eruptionen, wenn die Summen ausgestoßen werden sollen, die wir Menschen Tag für Tag und Jahr für Jahr freisetzen. Der Ausbruch des Pinatubo 1991 war ein solch krasses Ereignis, auch die monatelangen Ausbrüche des Eyjafjallajökull im Jahr 2010 hatten einen Effekt. Allerdings haben Vulkanausbrüche auch einen kühlenden Effekt auf das Klima. Durch die Milliarden Aschepartikel hat es nämlich die Sonne schwer, bis zu uns auf den Boden zu gelangen. So ging das Jahr 1816 nach dem Ausbruch des Tambora in Indonesien als das „Jahr ohne Sommer“ in die Annalen ein.

Die Effekte von Vulkanausbrüchen sind messbar, aber meist kurzfristig. Langfristig gesehen ist der konstante und permanente Ausstoß von CO2 durch das Verbrennen von fossilen Brennstoffen für unser Klima wesentlich schlimmer.

Unser Wetterlexikon: Was bewirken Treibhausgase?

Mythos: Klimawandel hat es doch schon immer gegeben

konzentration kohlendioxid atmosphäre
Diese Grafik zeigt eindrucksvoll den Anstieg der Kohlendioxid-Konzentration in unserer Atmosphäre seit 1955. Quelle: Umweltbundesamt

Ja, zumindest Veränderungen in der Atmosphäre. Aber: In den vergangenen 100 Jahren ist die globale Temperatur so stark gestiegen wie noch nie in den vergangenen 1.000 Jahren. Und wir sind auf dem besten Weg, die Erde so stark zu erwärmen, wie sie noch nie war in der Geschichte des Menschen.

Das IPCC (International Panel on Climate Change) berechnete, dass im Zeitraum von 1880 bis 2012 die globale Mitteltemperatur in Bodennähe um 0,85°C anstieg. Diese Geschwindigkeit der Erwärmung ist beispiellos. In der Geschichte der Erde war es schon wärmer als heute und es gab auch schon Zeiten, in denen die CO2-Konzentration höher war, nicht aber zu Lebzeiten des Menschen. Auch deshalb sollten wir Menschen die Erderwärmung begrenzen, denn die Erde werden wir damit nicht zerstören, nur die Bedingungen für unser Überleben.

Der starke und vor allem sehr schnelle Anstieg der CO2-Konzentration, sie wird in ppm (Parts per Million) gemessen, geht einher mit der Industrialisierung. Seit wir Menschen begonnen haben, Kohle, Gas und Öl in großem Maße zu verfeuern, ist der Anteil von Kohlendioxid von 280 ppm auf fast 420 gestiegen. Und das in einem sehr kurzen Zeitraum von etwa 1850 bis heute. Eine Verdoppelung von 280 auf 560 ppm hätte etwa eine Erwärmung von 3 Grad zur Folge.

Und: In den vergangenen 640.000 Jahren hat der Kohlenstoffdioxid-Gehalt zwischen 180 und 300 ppm gependelt. Das weiß man aus Auswertungen von Eisbohrkernen. In den vergangenen (nur) 70 Jahren ist der CO2-Gehalt dann auf über 400 ppm gestiegen: Ein beispielloser Sprung.

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(osc)