Klimaerwärmung: Sommer wie 2018 in Deutschland zukünftig normal

Dürre in Hofheim, Main Taunus Kreis, Hessen, Deutschland: abgeerntetes Getreidefeld in der heißen Mittagssonne *** Drought in Hofheim Main Taunus Hesse Germany harvested field of corn in the hot midday sun
Die Hitze und Dürre sind in diesem Sommer für Mensch, Tier und Umwelt problematisch. © imago/Ralph Peters, Ralph Peters, imago stock&people

Sommer wie diese in Zukunft normal

In 30 Jahren könnten solche Sommer wie der von 2018 normal sein, sagen Experten. In Berlin würde dann das Klima vom heutigen Freiburg herrschen – und in Freiburg fühlt es sich 2050 so an wie am Mittelmeer. Eine schöne Vorstellung? Naja, die Folge wären Ernteausfälle, Fischsterben, niedrige Wasserstände in den Flüssen und schlechter Schlaf.

In diesem Sommer konnten wir schon ein bisschen Zukunft schmecken

Die aus Portugal stammende Touristin Elena erfrischt sich bei hochsommerlichen Temperaturen an einem Ventilator am 07.08.2015 auf der Straße Unter den Linden in Berlin. Foto: Jörg Carstensen/dpa | Verwendung weltweit
Die Hitze macht vielen Menschen zu schaffen. © picture alliance / dpa, Jörg Carstensen, car pzi

Dürre, Waldbrandgefahr, Kreislaufprobleme: Der Sommer in Deutschland zeigt seit Wochen seine Schattenseiten - und in Zukunft müssen wir uns auf noch viel mehr Hitzetage und tropische Nächte einstellen. Klimaexperten sprechen sogar von einer möglichen Heißzeit. "Es wird weiterhin schöne und schlechte Sommer geben, aber die extremen Sommer werden häufiger auftreten", sagt Daniela Jacob vom "Climate Service Center" in Hamburg.

Immer mehr Hitze und Dürreperioden für Deutschland

Bereits zur Mitte des Jahrhunderts wird es nach Worten von Jacob in Deutschland mehr Hitze- und Dürreperioden sowie Starkregen und heftigere Stürme geben. "Aber zum Ende des Jahrhunderts wird es sich noch viel deutlicher zeigen, ob wir Klimaschutz betrieben haben oder nicht", erklärt sie. Das Klima reagiere sehr langsam. "Heute eingeleitete globale Klimaschutzmaßnahmen greifen erst ab Mitte des Jahrhunderts." Veränderungen bis 2050 seien nur noch wenig zu beeinflussen.

Die Weiter-wie-bisher-Taktik bringt uns 3,7 Grad mehr

Für die Zeit 2050 bis 2100 wird es aber noch krasser. Laut den Berechnungen werden wir mehr Hitzetage bekommen. Schaffen wir die Ziele des Pariser Klimaabkommens (die Erderwärmung auf unter zwei Grad zu begrenzen) wird es nur drei Hitzetage mit mehr als 30 Grad geben. Wenn aber wie bisher Treibhausgase in die Atmosphäre entlassen werden, das sogenannte Weiter-wie-bisher-Szenario, dann sind es schon zwölf Hitzetage mehr. Die Jahresmittel-Temperatur würde dabei um etwa 3,7 Grad steigen.

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Und das ist IHR Beitrag zur Klimaerwärmung CO2-Fußabdruck 00:57

Wird Freiburg das neue Florenz?

Extreme Sommer wie 2003 oder 2018 können dann mittlere Sommer werden, so ein Experte vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung. Es werde eine Verschiebung geben: "Das zukünftige Berlin wird nach unseren Berechnungen 2050 das gegenwärtige Freiburg sein." Die Temperaturen in Freiburg wiederum könnten dann mediterran werden.

Was oberflächlich betrachtet vielleicht nett klingt, bringt viele Probleme mit sich: Wir werden mehr Strom verbrauchen für die Kühlung unserer Räume. Auch Ernteausfälle, Fischsterben, niedrige Wasserstände in den Flüssen und schlechter Schlaf gehören zu den Folgen von Hitze und Trockenheit - die ja auch jetzt schon spürbar sind, warnen die Experten. Auch Probleme, an die man so gar nicht denkt, wenn es um Klimaerwärmung geht, werden eine Rolle spielen. Da wir alle nur 30 Tage oder  weniger Urlaub haben, müssen wir auch unter Extrembedingungen unsere Arbeit leisten. Die Produktivität wird also ebenfalls leiden.

Schnee bald nur noch eine Erinnerung?

Schneematsch liegt am 23.02.2015 in Leverkusen (Nordrhein-Westfalen) auf der Straße. Foto: Henning Kaiser/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++
Auch unsere Winter werden voraussichtlich feuchter und milder. © dpa, Henning Kaiser

Die Klimaveränderungen zeigen sich nach Angaben von Jacob auch im Winter: Sie werden milder und feuchter, die Zahl der Frosttage geht zurück. 18 Tage weniger, wenn wir Klimaschutz betreiben und wenn wir so weitermachen wie bisher, sind es über 55 Tage weniger", erklärt Jacob. Dabei braucht unsere typische Vegetation den Frost, um gesund zu bleiben. Und Schlittenfahrten im Schnee werden wohl eine Seltenheit.