Trockenheit in Deutschland: Das sind die Folgen vom Jahrhundertsommer 2018

Deutschland erlebt einen Jahrhundertsommer. Teile Ostdeutschlands sind in der schlimmsten Trockenperiode seit Beginn der regelmäßigen Aufzeichnungen vor mehr als 55 Jahren. Es war mehr als drei Monate lang ungewöhnlich sonnig (30 Prozent mehr), im Schnitt 2,6 Grad wärmer als normal und in der Summe ungewöhnlich trocken. Und diese Trockenheit hat gewaltige Auswirkungen auf unser Leben. Wir haben sieben Fakten für Sie recherchiert.

Frühe Weinlese - schlechte Ernte

1.) Die Weinlese: Die Weinlese könnte in diesem Jahr schon im August beginnen! Ausschlaggebend sei das warme Frühjahr mit der frühen Blüte gewesen, sagte der Sprecher des Deutschen Weininstituts, Ernst Büscher. "Und dass es jetzt so turbomäßig weiterging, dafür sind die hohen Temperaturen und die Sonne verantwortlich." Die Rebstöcke können sogar Wassereserven in zwölf Metern Tiefe erreichen. Lediglich junge Pflanzen könnten unter Trockenstress leiden und brauchen Wasserzufuhr.

2.) Die Ernteausfälle: Der Deutsche Bauernverband erwartet wegen der anhaltenden Trockenheit erhebliche Ernteausfälle. Das Ernteergebnis von Getreide könnte 20 Prozent unter dem langjährigen Schnitt liegen. Kurios: Auch Petersilie und Schnittlauch können knapp werden. Bei Raps liegt die Ernte möglicherweise sogar 30 Prozent unter dem Schnitt. Auch die Obstbauern sehnen sich nach Regen. Besonders betroffen sind die Flächen im Osten Deutschlands sowie in Niedersachsen. Bewässerungsanlagen sind zwar oft vorhanden, das Wasser kostet aber auch viel Geld. Geld, das am Ende wohl auch die Verbraucher zu zahlen haben, wenn die Ernten so schlecht ausfallen.   

3.) Die Wasserproblematik: Trockenheit und Hitze setzen den Bäumen zu. Das hat vielfältige Konsequenzen. Die Kommunen müssen enorme Mengen an Wasser für die Stadtparks und natürlich auch Personal aufbringen. Verschiedenen Städte wie Essen oder Darmstadt riefen schon die Bürger auf, in den Parks zu gießen. In Frankfurt sind derzeit nach Auskunft des Grünflächenamts bis zu 25 Mitarbeiter täglich nur mit dem Wässern von rund 5.000 jungen Bäumen entlang der Straßen und in den Parks beschäftigt. Ältere Bäume werden nicht gegossen. In den Herrenhäuser Gärten in Hannover liegt der Wasserverbrauch derzeit bei zwei Millionen Liter pro Tag, sagte Parkchef Ronald Clark. Die Bäume werfen zum Teil ihre Rinde ab, weil sie die nicht mehr mit Wasser versorgt bekommen.

Blicken wir voraus: Unsere Weihnachtsbäume sind bedroht. Vor allem sandige Gegenden wie Ostwestfalen-Lippe seien arg betroffen, sagte Waldbauer Eberhard Hennecke in Sundern. Es werden Ausfälle von bis zu 25 Prozent befürchtet, wenn es nicht bald regnet. Wasserprobleme gibt es natürlich auch auf unseren Flüssen - vor allem im Osten. An der Elbe ist die Schifffahrt schon einige Zeit gestoppt.

Hohe Ozonwerte und brennende Felder

4.) Die Ozonwerte: Das Hessische Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG) warnte vor erhöhten Ozonkonzentrationen. Kinder und Jugendliche sowie Personen, die erfahrungsgemäß empfindlich auf erhöhte Ozonkonzentrationen reagierten, sollten anstrengende körperliche Tätigkeiten im Freien vermeiden. Auch von sportlichen Ausdauerleistungen riet das Amt ab. Was kann man tun außer Ausruhen? Auto und Motorrad stehen lassen, Fahrrad, Bus und Bahn benutzen.

5.) Die Wald- und Flurbrände: In ganz Ostdeutschland herrscht die höchste Waldbrandgefahrenstufe 5. In Niedersachsen, Sachsen-Anhalt, Nordrhein-Westfalen, Hessen und Thüringen und Mecklenburg-Vorpommern brannten Felder. Es gibt die verschiedensten Ursachen für Brände: Am häufigsten ist immer noch die weggeworfene Zigarettenkippe. Prinzipiell genügt ein Funke, auch von einem herunterfallenden Stein. Auf Friedhöfen geht von Grablichtern eine besondere Gefahr aus. Kurios: In Rostock löste ein brennender Vogel ein Feuer aus. Nach Polizeiangaben hatte das Tier auf einer Bahn-Oberleitung gesessen, als es zu einem Kurzschluss kam. 

Schwimmbäder dürfen sich freuen - und Solarstrom gibt's auch

6.) Die Schwimmbäder und Badeseen: Die haben natürlich Konjunktur. Vor allem, weil es dauerhaft heiß ist. So wagen sich auch die Menschen, die Planungssicherheit brauchen und nicht so flexibel sind, in die Bäder und an die Seen - sofern sie denn Bademeister zur Verfügung haben. Wobei: Normalerweise sind Schwimmbäder für die Kommunen ein Minus-Geschäft. Vielleicht fällt das Minus 2018 aber sehr niedrig aus. 

7.) Die Solarenergie: Der Bundesverband Solarenergie (BSW) sprach von einer "Rekordernte" bei Strom aus Sonnenenergie. Das sonnige Wetter treibt die Stromproduktion aus den Solarpanelen natürlich nach oben. In Deutschland ist von Januar bis Juni so viel Ökostrom produziert worden, wie noch nie in der ersten Jahreshälfte.