Dem großen Wetter-Karussell geht die Puste aus

Extreme werden zur Normalität - Unser Sommer im Klima-Notstand

Der Klimawandel wird mehr und mehr zur Klimakrise

Die außergewöhnliche Dürre der letzten Jahre wirkt immer noch nach, da wechselt der Sommer 2021 auch schon auf das andere Extrem. Heftige Gewitter und Starkregen mit Überflutung donnern übers Land. Spielt unser Wetter verrückt? RTL-Meteorologe Björn Alexander: „Der Sommer verliert den Mittelweg und schwankt seit einigen Jahren wiederholt zwischen den absoluten Gegensätzen.” Und Schuld trägt zu einem hohen Anteil der Klimawandel, der inzwischen wohl eher als Klimakrise zu beschreiben ist.

Sommer 2021 mit heftigen Unwettern: Ist der Klimawandel schuld?

Unser Sommer bewegt sich zwischen zwei Extremen. Hitzewellen und Unwetter wechseln sich ab.
Das Sommerwetter bewegt sich zwischen den Extremen: Entweder scheint die Sonne zu intensiv oder Unwetter machen sich breit. © imago images/Jan Eifert, Jan Eifert via www.imago-images.de, www.imago-images.de

RTL-Meteorologe Björn Alexander: „Einzelne Wettereignisse lassen sich nur schwerlich in die Kategorie Klimawandel packen – allerdings langjährige Muster bei unseren Wetterlagen eben schon. Und da gibt es im Sommer auf jeden Fall einige Aspekte, die relativ eindeutig in Richtung Klimaveränderung weisen. Es gibt nämlich einen Trend, der auf mehr stationäre Wetterlagen – gerade in den Sommermonaten – hinweist.”

Was sind „stationäre Wetterlagen” und welche Folgen hat das für uns?

2021 gab es bislang schon einige Gewittertiefs, die Unwetter brachten.
Gewittertiefs brachten dieses Jahr in der schwül-warmen Luft immer wieder lang anhaltende Unwetterereignisse. © imago images/Rene Traut, Rene Traut via www.imago-images.de, www.imago-images.de

Was auffällig ist, immer häufiger haben wir in den vergangenen Jahren mit stationären Wetterlagen zu tun gehabt. Doch was ist das? Die Antwort gibt Meteorologe Alexander: „Dabei handelt es sich um lang anhaltende Wetterlagen. Denken wir beispielsweise an die Sommer der letzten Jahre. Gerade 2018 oder 2019. Dürresommer mit lang andauernden Hochdrucklagen. In den Jahren davor genau das Gegenteil. In den Sommern 2014, 2015 oder 2016 dominierte zum Beispiel oft Tiefdruckeinfluss über Deutschland. Gewittertiefs sorgten in schwül-warmer Luft für teilweise lang anhaltende Unwetterereignisse im ganzen Land. Genau solche eingefahrenen Wetterlagen sind eine direkte Folge des Klimawandels.”

Wie hängen die stationären Wetterlagen mit dem Klimawandel zusammen?

„Das liegt unter anderem daran, dass sich die Polregionen der Erde schneller erwärmen als die gemäßigten oder gar die äquatornahen Gebiete. Das sorgt dafür, dass unserer wettersteuernden Strömung – dem sogenannten Jetstream – mehr und mehr die Luft ausgeht. Es wird also alles verlangsamt, was wiederum fatale Folgen für unser Wetter hat”, erzählt Alexander.

Welche Folgen hat die Verlangsamung des Jetstreams genau?

Die Verlangsamung der Jetstreams hat Auswirkungen auf das Wetter.
Hitzewelle in Spanien: Eine Abkühlung bei den hohen Temperaturen tut Not. © dpa, Jesús Hellín, flm

Das erklärt der Meteorologe so: „Wir erleben im Prinzip öfter die zwei extremen Seiten des Sommerwetters: Entweder langanhaltende und sich wiederholende Unwetterlagen oder dürreverheißende Hochdruck-Situationen. Und das nicht nur bei uns. Zudem breiten sich hierbei nämlich auch in anderen Regionen der Nordhalbkugel außergewöhnliche Luftmassen immer massiver aus. Seien es die beispiellosen Hitzerekorde in Kanada oder die diversen Hitzewellen, beispielsweise in Skandinavien und im Süden Europas.”

Deutschland im Fokus: Wie kommen solche Wetter-Extreme zustande?

„Entscheidend ist dabei, wie das große Wetter-Karussell auf der Nordhalbkugel gerade stehen bleibt. Liegen wir in Deutschland genau im Hochdruck-Bereich, dann gibt es lange trockene Phasen. Liegen wir im Tiefdruck-Abschnitt, dann sind häufiger Unwetterlagen dazwischen. Und wenn wir im Übergangsbereich zwischen Hoch und Tief liegen, dann spricht das für Hitzevorstöße, denen intensive Unwetterlagen folgen”, macht Alexander die Folgen deutlich.

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(bal)