Einschläge mit 40 Grad werden immer mehr

50 Grad in Kanada: Sind solche Temperaturen bei uns möglich?

Der Einfluss des Klimawandels ist deutlich spürbar

Kanada ist das Land, in dem der eisige Nordpol liegt. Wie ist es aber möglich, dass dort nun 49,6 Grad gemessen wurden? Das Land ächzte unter einer extremen Hitzewelle, die Hunderte Menschen tötete. Der Rekord-Ort Lytton ist fast komplett abgebrannt. Wie konnte es zu dieser Hitzewelle kommen, welche Rolle spielt der Klimawandel dabei und: Sind solche Temperaturen auch bei uns denkbar? Wir klären hier die wichtigsten Fragen.

Im Video sehen Sie, wie sich die Hitze in den letzten Jahren nach Deutschland vorgearbeitet hat.

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Lytton liegt in einer außergewöhnlichen Position

Es klingt unvorstellbar, fast 50 Grad. Nein, nicht in Pakistan oder Saudi Arabien, in Kanada. Im kleinen Ort Lytton in British Columbia, nicht weit von Vancouver entfernt, wurden 49,6 Grad gemessen. Wir erinnern uns an die Hitzewelle hierzulande im Juli 2019, als „gerade einmal“ 41 Grad die Menschen lähmten. Ein Aufenthalt draußen war kaum erträglich, Deutschland atmete auf, als die Hitze nach drei Tagen abklang. Aber nochmal acht Grad mehr – mörderisch.

Wie ist diese Hitze in Kanada denn möglich?

Der Ort Lytton ist prädestiniert für Hitzerekorde. Unser Experte Christian Häckl erklärt die Lage des Ortes: „Man muss sich das wie Innsbruck vorstellen, das ist im Norden und Süden von Bergen umringt. Um Lytton herum liegen aber nochmal zwei Bergketten, der Ort liegt sozusagen im Kessel.“ So kann es sich dort prächtig aufheizen in trockener Luft, denn Lytton ist durch die Gebirge von der kühlenden und feuchteren Meeresluft abgeschnitten.

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Sind 50 Grad bei uns denkbar? Das Mittelmeer ist unser Beschützer

Bis zu 50 Grad in Kanada. Sind solche Temperaturen auch in Deutschland möglich?
Hitzewelle in Kanada - es ist nur mit Wasser erträglich © dpa, Jason Franson, JF ost

Blicken wir auf die Karte, dann sehen wir, dass Lytton vom Breitengrad her mitten in Deutschland liegt – nämlich auf einer Höhe etwa zwischen Koblenz und Mainz. Das bringt natürlich die Frage mit sich, ob wir auch mit solchen Extremtemperaturen rechnen müssen. Unsere Meteorologen beruhigen da aber:

RTL-Meteorologe Martin Pscherer: „Temperaturen von 50 Grad wie in Kanada sind bei uns noch weit entfernt. In Kanada kam die Luft aus Regionen, die ja ohnehin im Sommer schon sehr heiß sind und da hat ein Hoch als "Hitzeglocke" die heiße Luft über Tage noch zusätzlich weiter aufheizen können. Wir hingegen sind vom Meer umgeben. Bei Südlagen liegt zwischen der extremen Saharahitze und uns eben noch das Mittelmeer.“

Es gibt auch einen wichtigen Unterschied in der geografischen Situation zwischen Kanada und Deutschland: „Im Westen der USA liegen die großen Gebirgsketten parallel zu einer Südströmung, während in Europa die Alpen und die Pyrenäen wie eine Mauer eine Südströmung blockieren oder umlenken. Außerdem muss die Luft zuvor erst mal über das Mittelmeer und ist daher nicht so extrem aufgeheizt,“ erklärt unser Wetter-Experte Carlo Pfaff.

Aber: Der Klimawandel erlaubt der Hitze große Sprünge

Das Mittelmeer schützt uns also vor solchen Horror-Temperaturen von 50 Grad. Nichtsdestotrotz werden auch wir immer häufiger von immer heißeren und vor allem immer längeren Hitzeperioden getroffen. Das hängt vor allem mit dem schwächer werdenden Jetstream zusammen, der wie ein Gummiband ausleiert und wie ein Fluss zu mäandern anfängt (hier genau erklärt).

Pscherer fasst es so zusammen: „Wir haben ein grundsätzlicheres höheres Temperaturniveau im Vergleich zu früher. Das merken wir ja auch schon an unseren Rekordtemperaturen, wenn die Luft, die aus Süden kam, schon von vornherein wärmer war als früher. So purzeln dann auch bei uns die Rekorde. Aber nicht auf dem Niveau wie in Kanada.“

Und Pfaff ergänzt: „Natürlich hat sich die Erde erwärmt. Das erleichtert das Auftreten der neuen Rekordwerte. Und natürlich braucht es eine Südströmung, die extrem warme Luft nach Norden führt. Aber 50 Grad schaffen wir in Europa nicht.“

So krabbeln die 40 Grad auch in Deutschland immer weiter nach Norden

Düsteres Bild für die Zukunft - 46 Grad im Jahr 2050

2019 wurde es richtig heiß in Deutschland. So hohe Temperaturen könnten uns jetzt häufiger erwarten.
So sah es 2019 an der Donau aus. Solche Szenarien drohen uns häufiger. © dpa, Armin Weigel, awe bsc

Wie sieht es aber in Zukunft aus? Immerhin wurden 40 Grad das erste Mal in Deutschland überhaupt erst 1983 gemessen – in Gärmersdorf in Bayern. Da schwappte die magische Marke also das erste Mal über die Alpen. Und nach 1983 dauerte es eine ganze Weile, bis es die 40 Grad ein zweites Mal nach Deutschland schafften. Nämlich genau 20 Jahre. In den letzten 6 Jahren gab es aber gleich zwei Sommer, die die 40 Grad knackten. 2015 und 2019. Und dieser Sommer hat ja gerade erst begonnen.

Unser Chef-Meteorologe Christian Häckl hat diese beunruhigende Tendenz im Blick: „Vor 2019 hätte niemand gedacht, dass wir an drei aufeinanderfolgenden Tagen in Köln 40 Grad haben könnten. Wir werden es sicher bald erleben, dass die 40 Grad auch in Hamburg erreicht werden.“

Der Klimawandel findet also genau bei uns statt. "Wenn man den regionalen Klimamodellen Glauben schenkt, dann können beispielsweise im Oberrheingraben zur Mitte des Jahrhunderts auch Temperaturen bis zu 44, 45 oder 46 Grad kommen", sagte die Direktorin des Climate Service Center Germany in Hamburg, Daniela Jacob, damals zur Hitzewelle 2019.

Besonders betroffen davon sind Ballungszentren, die sich wegen des Betons extrem aufheizen. Wir brauchen also Strategien für die Städte, die die zukünftigen Belastungen etwas abfedern, und natürlich Strategien gegen die Erderwärmung. Denn sie ist da und messbar.

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(osc)