Brandbeschleuniger Mensch

Hitze, Trockenheit und Dürre: Achtung die Waldbrandgefahr steigt!

von Paul Heger und Silvia Soyter

Es ist trocken in Deutschland. Zu trocken. Die anhaltende Hitze und Dürre haben eine ganze Reihe Folgen für Mensch und Natur. Die Waldbrandgefahr steigt und steigt. Reichen die anstehenden Schauer, um uns vor den nächsten Bränden zu bewahren?

Hurra, Schauer stehen an – aber reicht das?

Jede Unachtsamkeit, kann den Funken hervorbringen, der zu einem Waldbrand führt. Ein Blick auf sonst so grünen Wiesen und Wälder zeigt unser derzeitiges Problem: Es hat in der ersten Jahreshälfte viel zu wenig geregnet. Die Böden sind zu trocken. Die Dürre von 2018 bis 2020 steckt uns quasi noch in den Knochen.

In den nächsten Tagen erwarten uns auch weiterhin hohe Temperaturen und nur vereinzelt Schauer. Aber reichen diese punktuellen Schauer, um weitere Brände zu verhindern? Unser wetter.de-Meteorologe Paul Heger schaut auf die nächsten Tage: „Die Schauer erwecken vielleicht den Schein einer Linderung der Trockenheit, aber der Schein trügt. Die Niederschlagsmengen liegen im Bereich von meist nur wenigen Litern, wenn überhaupt. Dazu sind die Regenfälle nur lokal. Das reicht hier und da gerade mal dazu, die oberen Boden etwas anzufeuchten.“

Also keine Kehrtwende beim Thema Trockenheit? „Kehren Sonne, Wärme und im schlimmsten Fall Wind zurück, ist der Oberboden innerhalb von ein, zwei Tagen so trocken wie zuvor. Dementsprechend wird die Waldbrandgefahr nach den etwas unbeständigeren Tagen im Norden schnell wieder in die Höhe schnellen“, so der Wetter-Experte.

Waldbrandgefahrenstufe und Graslandfeuerindex – was ist das?

Grafik Waldbrandgefahrenindex, Donnerstag 14.07.2022
14. Juli 2022: Vor allem in Baden-Württemberg gilt die Waldbrandgefahrenstufe 5!

Auf der Waldbrandgefahren-Karte erstrahlt gerade der Süden Deutschlands in dunklem rot. Damit gilt in Weiten Teilen Baden-Württembergs und Bayern die Gefahrenstufe 5. Auch in Berlin und Brandenburg gelten die Stufen vier und fünf. Der Waldbrandgefahrenindex beschreibt das meteorologische Potential für die Gefährdung durch Waldbrand. Er zeigt die Waldbrandgefahr in fünf Stufen an. Stufe eins bedeutet, dass nur ein geringes Risiko besteht. Stufe fünf bedeutet eine sehr hohe Gefahr.

Auch die Karte des Graslandfeuerindex erstrahlt rot. Der Graslandfeuerindex beschreibt die Feuergefährdung von offenem Grasland, das in der Regel schneller brennt als Waldgebiete. Auch hier wird mit fünf Gefahrenstufen gearbeitet. Bis Anfang nächster Woche gilt in fast ganz Deutschland die Stufe vier.

Wie entsteht ein Waldbrand?

Auch wenn es heiß und trocken ist – unsere Wälder entzünden sich nicht von selbst. Menschen sind meist Auslöser für Waldbrände. Experten gehen davon aus, dass die meisten Feuer nicht absichtlich gelegt werden, sondern aufgrund von Unachtsamkeit entstehen. Jede weggeworfene Zigarette, jedes Grillen oder motorisierte Fahren im Wald, kann ein Feuer entzünden. Besonders anfällig sind Böden, die eher Wasser durchlässig sind, das Wasser also kaum speichern können. Auch reine Nadelwälder können schnell brennen, da die ätherischen Öle in den Nadeln sowie das im Holz enthaltene Harz wie eine Art natürlicher Brandbeschleuniger wirken.

Das Umweltministerium rät allen, die einen Brand entdecken, umgehend die Feuerwehr zu informieren. Das Rauchen sowie offenes Feuer im Wald sind strengstens verboten. Und was von vielen unterschätzt wird: Sie sollten mit Ihren Pkws nur ausgewiesene Parkplätze ansteuern, da „sich trockene Grasflächen durch heiße Katalysatoren unter den Autos entzünden können!“

Dpa-Infografik zur Waldbrandgefahr: Nicht grillen, kein offenes Feuer und nicht rauchen - diese Regeln für einen Aufenthalt im sommerlichen Wald sind einfach. Doch auch das richtige Parken des Autos ist in der Waldbrandsaison sehr wichtig.
Nicht grillen, kein offenes Feuer und nicht rauchen - diese Regeln für einen Aufenthalt im sommerlichen Wald sind einfach. Doch auch das richtige Parken des Autos ist in der Waldbrandsaison sehr wichtig.

Warum brennt es so häufig in unseren liebsten Urlaubsländern?

Des Deutschen liebsten Urlaubsländer, sind im Sommer besonders betroffen von Waldbränden. In Portugal brennt jährlich etwa ein Prozent der Landfläche. Doch nicht nur in Portugal brennt es häufig: Unter anderem in Spanien, Italien und Griechenland verbrennen große Flächen. Eukalyptus-Wälder in Spanien und Portugal sind besonders anfällig. Experten empfehlen die Umgestaltung von Monokulturen zu Mischwäldern.

Besonders dramatische Szenen spielen sich gerade auf der griechischen Insel Samos ab. Ein großer Waldbrand ist im Westen der Insel ausgebrochen und konnte in zwei Tagen nicht unter Kontrolle gebracht werden. In der Region herrscht ein starker Wind, der die Löscharbeiten erschwert. Bei dem Absturz eines Löschhubschraubers starben zwei Menschen.

In Spanien gab es bis Ende Juni 250 größere Waldbrände, die knapp 82.000 Hektar Wald zerstört haben. Das sind jetzt schon so viele, wie im gesamten letzten Jahr. In dieser Woche waren auch in Portugal 36 Waldbrände gleichzeitig aktiv. Und auch Italien bereitet sich auf eine intensive Waldbrandsaison vor.

Eine Frau schüttet sich Wasser über ihr Gesicht. Anfang Juni wütete ein Lauffeuer am Stadtrand von Athen. Die Flammen verbrannten Autos, bedrohten Häuser und Stromleitungen.
Anfang Juni wütete ein Lauffeuer am Stadtrand von Athen. Die Flammen verbrannten Autos, bedrohten Häuser und Stromleitungen. Das Feuer wurde von starken Winden angefacht und breitete sich schnell über die Hänge des Berges Hymettus aus.

Europäisches Pilotprojekt zur Waldbrandbekämpfung

Von den südeuropäischen Ländern lernen, wie man mit Waldbränden umgehen kann – das hat sich Baden-Württemberg nun auf die Fahne geschrieben. Das Bundesland hat erkannt, dass der Klimawandel und die immer häufiger auftretenden Waldbrände Gefahren sind, die ernst genommen werden müssen. Um in Zukunft für komplexere und länger anhaltende Gefahrenlagen gewappnet zu sein, wird das „Ländle“ am Pilotprojekt zur Waldbrandbekämpfung der Europäischen Union teilnehmen.

Mehr als 200 Feuerwehrleute aus sechs Ländern kommen in Griechenland zusammen. „Wir müssen uns austauschen, um höchstmögliche europäische Standards im Bevölkerungsschutz aufzubauen und zu setzen. Programme wie das aktuelle Trainingsprogramm zur Waldbrandbekämpfung sind dafür ein wesentlicher Baustein“, so der stellvertretende Ministerpräsident Thomas Strobl. Aus Deutschland nehmen insgesamt 16 Feuerwehr-Einsatzkräfte teil.

Zurück in Deutschland, haben die Experten dann viele neue Ideen im Gepäck, wie man Waldbrände in Deutschland noch besser bekämpfen kann.

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(phe, sso mit dpa)