Viel Wind und Sonnenschein

Das Wetter 2022 passt zur Energiewende

von Silvia Soyter

Bis zum Jahr 2030 sollen 80 Prozent unseres Stroms aus regenerativen Energiequellen stammen. Gerade sind es nur um die 46 Prozent. Viel Wind und lang anhaltender Sonnenschein sind gute Wetter-Voraussetzungen, um möglichst viel Strom aus Windenergie und Photovoltaik-Anlagen zu gewinnen, trotzdem beziehen wir weiter konventionelle Energie – aber warum?

Im Video: Welche Wetterphänomene 2022 die Gewinnung von Strom durch erneuerbare Energien positiv beeinflusst haben, zeigt Christian Häckl im Klima Update.

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Mehr Strom und Energie aus erneuerbaren Quellen

Ein immer größerer Anteil des Energieverbrauchs in Deutschland wird durch erneuerbare Energien gedeckt.
Ein immer größerer Anteil des Energieverbrauchs in Deutschland wird durch erneuerbare Energien gedeckt.

Kohle, Erdgas, Kernkraft - Woher kommt unser Strom?

Um die deutsche Wirtschaft und Bevölkerung mit Energie zu versorgen, werden zahlreiche Rohstoffe eingesetzt. Bisher werden für die Energiegewinnung vor allem konventionelle bzw. fossile Energiequellen verwendet. Dazu gehören unter anderem Braunkohle, Erdgas, Erdöl oder Kernkraft. Der Anteil Erneuerbarer Energien in Deutschland lag im vergangenen Jahr bei rund 46 Prozent. Damit stammten 54 Prozent aus konventionellen Energieträgern.

Der Strommix, also die Zusammensetzung der Energiequellen in Deutschland, verschiebt sich zwar seit Jahren zugunsten der Erneuerbaren Energien. Eine neue Studie zeigt jedoch, dass der Ausbau der Erneuerbaren Energien weltweit viel zu langsam verläuft – die gesetzten Klima-Ziele könnten so nicht erreicht werden.

In Deutschland hat der Ukraine-Krieg dazu geführt, dass die Regierung den Ausbau erneuerbarer Energien beschleunigen will, um sich nicht länger von Energieimporten aus Ländern wie Russland abhängig zu machen.

Mehr Flächen für Windräder: Windkraft soll ausgebaut werden

Dia Grafik zeigt die Stromerzeugung in Deutschland nach Energiequellen.
Wind ist schon wichtiger als Kohle.

Vor allem die Windenergie soll in den kommenden Jahren deutlich ausgebaut werden. In einem Gesetzesentwurf, den das Bundeskabinett auf den Weg gebracht hat, wird gefordert, dass im Jahr 2026 insgesamt 1,4 Prozent der Bundesfläche für Windkraft ausgewiesen sein muss. Bis 2032 solle man das Zwei-Prozent-Ziel erreicht haben.

Aktuell seien laut Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck rund 0,8 Prozent der Bundesfläche für Windenergie ausgewiesen, tatsächlich verfügbar seien jedoch nur 0,5 Prozent. Das liegt zum Teil an den strengen Sonderregeln in manchen Bundesländern. In Bayern gilt die sogenannte 10H-Regel: Neue Windräder müssen einen Mindestabstand von der zehnfachen Anlagenhöhe zum nächsten Wohngebiet haben. In Thüringen wurde die Windenergie im Wald komplett untersagt.

Im Hintergrund Windräder und das Braunkohle-Kraftwerk Frimmersdorf.
Braunkohle und Windenergie: Momentan wird mehr Energie aus fossilen Rohstoffen gewonnen. Das soll sich in Deutschland so schnell wie möglich ändern.

Sturm und Sonne: Wetter 2022 fördert Erneuerbare Energien

Das ungewöhnliche Wetter Anfang des Jahres mit viel Sonnenschein im März und Sturmlagen im Februar führten dazu, dass mehr Energie aus erneuerbaren Energiequellen erzeugt werden konnte.

Windkraftanlagenbetreiber haben allerdings am liebsten stetigen Wind, keinen Sturm. Denn die volle Last erreichen die Windräder schon bei einer Wind-Geschwindigkeit von knapp über 40 km/h.

Hitze ist auch nicht förderlich. Denn die Photovoltaik-Anlagen wandeln keine Wärme um, sondern Licht. Wichtig sind also die Lichtteilchen, sogenannte Photonen. Wenn es aber besonders warm wird, die Zahl der Photonen aber gleich bleibt, bringt die Anlage weniger Leistung.

Energie aus der Sonne

Die Grafik zeigt den Anteil der Photovoltaik an der Bruttostromerzeugung in Deutschland bis 2016.
Die Grafik zeigt den Anteil der Photovoltaik an der Bruttostromerzeugung in Deutschland bis 2016.

Energy Sharing über die Photovoltaik Anlage auf dem eigenen Dach – Ist das die Zukunft?

Während große Unternehmen betonen, dass die Verfügbarkeit von erneuerbaren Energien wie Wind- oder Solarenergie nicht ausreiche, um den Energiebedarf zu decken, träumen viele Hausbesitzer davon sich selbst mit Strom versorgen zu können. Mit der eigenen Photovoltaik-Anlage auf dem heimischen Dach. Viele Hausbesitzer können sich das nicht leisten.

Mit dem sogenannten „Energy Sharing“ also dem Teilen von Energie, könnten sich kleine Gemeinschaften bilden, die sich den selbsterzeugten Strom dann teilen, also einen kleinen lokalen Markt bilden. Ein Haushalt, der sich keine eigene Photovoltaik-Anlage leisten kann, könnte so eine Vereinbarung mit den Nachbarn treffen, die ihren Strom selbst erzeugen – der kürzeste Weg zu nachhaltigem Strom.

Bereits 2018 wurde das „Energy Sharing“-Modell in die Erneuerbare-Energien-Richtlinie der EU aufgenommen, wann sie in Deutschland umgesetzt wird, ist noch nicht bekannt.

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(sso mit Reuters)