Und wann kommt die Kälte nach Deutschland?

Winter bringt sich in Stellung - hier ist es jetzt schon richtig kalt

von Oliver Scheel

Der Winter hatte schon weit schlechtere Ausgangslagen. Derzeit ist die skandinavische Landmasse schon gut abgekühlt. Auch Osteuropa bringt es bereits auf ordentliche Tiefstwerte. Die nun im Norden rasant kürzer werdenden Tage helfen dem Winter bei der Positionierung. Wie sind die aktuellen Langfrist-Prognosen für uns? Kommt der Winter 24/25 früh und heftig?
Oben im Video seht ihr, wann für gewöhnlich bei uns der erste Schnee liegen bleibt

Die Ausgangslage: Im Norden schon ordentlich kalt

Temperaturen in Europa
Temperaturen in Europa - der Norden uns der Osten haben niedrige Tiefstwerte

Wie diese aktuelle Temperaturkarte belegt (sie zeigt die Tiefstwerte am Samstag, 12.10.), haben wir es in Nord- und Osteuropa schon mit winterlichen Verhältnissen zu tun. Wenn nun polare Luft angezapft wird, dann wird es auch bei uns ziemlich kalt.

Und das könnte uns auch schon nächste Woche blühen, wenn sich nämlich das Modell durchsetzt, das uns Wind aus Osten bringt. Dann würde es bei uns deutlich kühler, dafür aber auch sonniger. Goldener, aber kalter Oktober. Und wie sieht es für November und Dezember aus?

Der Polarwirbel, welche Rolle spielt der Polarwirbel?

Monatstrend November 2024
Monatstrend November 2024

Der November 2024 hat offenbar durchaus auch winterliche Phasen. Es wird im Schnitt im Laufe des Novembers kälter, da ist momentan mindestens ein Wintereinbruch zu sehen, der tatsächlich den ersten Schnee auch außerhalb der Berge bringen könnte. Das kann dann schon mit dem Polarwirbel zusammenhängen. Der bringt sich nämlich jetzt in Stellung und er ist ein Winterlieferant für unsere Breiten – gerade im Klimawandel.

Wenn er stabil läuft, dann hält er die kalte Luft rund um den Polarkreis fest. Doch wenn er anfängt zu mäandern wie ein träger Fluss, wenn er aussieht wie ein Springseil ohne Spannung, dann erlaubt er der kalten Luft Vorstöße bis zu uns. Und im Zug des Klimawandels kommt der Polarwirbel schon immer wieder mal ins Stottern. Warum das so ist, lest ihr bitte hier

Erinnerungen an das Schneechaos von München im Dezember 2023

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Glatteis auf der A27 nahe Bremen führte am Montagvormittag (15. Januar) zu einer Spur der Verwüstung.

Fast immer, wenn der Winter seine krasse Seite zeigt, ist der Polarwirbel irgendwie beteiligt. Beim Schneechaos von München im Dezember 2023 kam polare Luft aus Nordost zu uns und vereinigte sich mit der nassen Luft vom warmen Mittelmeer. Das Ergebnis: Ein halber Meter Schnee in München Anfang Dezember.

Nicht viel anders war es mit dem Blitz-Winter Mitte Januar in diesem Jahr, wo sich eine Luftmassengrenze über die Mitte Deutschlands legte und uns vier Tage Traumwinter bescherte.Auch da schaffte es die polare Kaltluft relativ weit hinein ins Land und traf auf milde Luft aus Süden.

Schneller schlau mit wetter.de: Was ist eigentlich eine Luftmassengrenze?

Andere Langfristmodelle sehen eher mildere Phasen

NOAA-Prognose für Dezember
NOAA-Prognose für Dezember - eher die milde Seite

Aber wir müssen natürlich ehrlicherweise konstatieren, dass mit zunehmender Erderwärmung unsere Winter auch wärmer werden und die Zahl der Schneetage weniger. Das ist belegt und das zieht sich bis in große Höhen der Alpen. Mehr und mehr Skigebiete machen sich Gedanken, ob ein Weiterbetrieb noch lohnt.

Und so sieht auch der Amerikanische Wetterdienst NOAA einen eher milden Dezember – und zwar europaweit. Für Mitteleuropa liegt die Abweichung nur im kleinen Bereich, aber vor allem in Skandinavien und Osteuropa sieht die Abweichungen groß aus. Dann würde selbst bei Wind aus Nord oder Ost keine wahnsinnig kalte Luft zu uns vorstoßen.

Aber bleiben wir mal optimistisch und hoffen auf einen schönen Winter. Immerhin ist die Ausgangsposition nicht schlecht und der Schwenk des Klimaphänomens El Niño hin zur kälteren Schwester La Niña gibt Anlass zur Hoffnung auf einen echten Winter.

Wie verläuft der Winter in Deutschland?

Hier ein kleiner Klimacheck für unsere Wintermonate Dezember, Januar, Februar:

  • Meteorologisch beginnt der Winter am 1. Dezember und endet mit dem Februar
  • Kalendarisch findet der Wechsel gut drei Wochen später statt. Grund ist die Statistik und die Vergleichbarkeit von Jahreszeiten
  • Der letzte halbwegs normal kalte Winter war 2012/2013, deutlich zu kalt war er zum Beispiel in den Jahren 2009/2010 und 2010/2011
  • Die kältesten Temperaturen bringt der Winter für gewöhnlich am Ende, wenn die Nordhalbkugel insgesamt stark abgekühlt ist
  • Die niedrigste Temperatur im Winter wurde in Deutschland mit -37,8 Grad in Wolznach-Hüll in Bayern am 12. Februar 1929 gemessen
  • Und selbst im Dezember ist Hüll immer noch Rekordhalter mit -32,4 Grad am 29.12.1929. Im Januar wurde bisher die tiefste Temperatur mit -34.6 Grad auf der Zugspitze am 02.01.1905 gemessen
  • Die höchste Temperatur wurde im Winter in Mülheim in Baden-Württemberg mit 24,0 Grad am 16.12.1989 gemessen
  • Statistisch gesehen können wir dabei im Deutschlandmittel auf rund 181 Sonnenstunden hoffen
  • Regen ist im Schnitt um die 156 Liter pro Quadratmeter drin
  • Das Temperaturmittel liegt bei rund 1 bis 2 Grad

Vorsicht bei der Langfristprognose

Langfristberechnungen sind mit entsprechender Vorsicht zu genießen. Denn mit den Computertrends über fünf bis bis zehn Tage im Voraus oder gar mit Blick auf ganze Monate oder Jahreszeiten hinaus, verlassen wir die klassischen Wetterprognosen und wechseln in den experimentellen Bereich. Das sind eigentlich eher Hilfsmittel, die zum Beispiel der Energiewirtschaft dienen können.

(osc)