UN: Historisches Abkommen

Die Welt sagt der Plastikflut endlich den Kampf an

Riesige Plastikinseln treiben im Meer, Flüsse sind voller Plastik, dass man das Wasser nicht mehr sieht, Tiere verenden massenhaft und als Mikroplastik gelangt der Kunststoff sogar bis in unsere Blutbahn: Plastik ist eines der größten Probleme im 21. Jahrhundert. Der Planet droht am Plastikmüll zu ersticken. Ein globales Abkommen soll jetzt dem Kunststoff an den Kragen gehen. Die UN-Umweltversammlung will ein rechtsverbindliches Abkommen auf den Weg bringen, das jetzt schon als „historischer Beschluss“ gefeiert wird. Aber reicht das? Und was muss die Politik nun liefern?

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Erstmals wird ein rechtsverbindlicher Rahmen geschaffen

28.02.2022, Kenia, Nairobi: Espen Barth Eide (M) , der Präsident der  Umweltversammlung der Vereinten Nationen (UNEA United Nations Environmental Assembly) während des ersten Tages der UN-Umweltversammlung am Hauptsitz der Vereinten Nationen in Gigir
UN-Umweltversammlung UNEA tagte in Nairobi: Es soll ein Abkommen erarbeitet werden, dass das Ende der Plastikflut bedeuten soll.

Die UN-Umweltversammlung UNEP sagt also der Plastikverschmutzung den Kampf an. Es sei das erste Mal, dass die internationale Staatengemeinschaft sich darauf verständigt habe, gegen Plastikvermüllung vorzugehen. UNEP-Chefin Inger Andersen bezeichnete die Einigung als eines der wichtigsten Umweltabkommen seit dem Pariser Klimaabkommen.

Darum geht es: Bis Februar 2024 soll nun ein rechtsverbindliches Abkommen zur Beendigung der globalen Plastikverschmutzung ausgearbeitet werden. Darin sollen rechtsverbindliche Regeln und Maßnahmen, die den gesamten Lebenszyklus von Plastik betreffen, also auch Produktion, Verbrauch und Abfallwirtschaft, festgelegt werden.

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„Unsere Ozeane versinken im Müll. Das Mandat zur Verhandlung des Plastikabkommens ist ein wichtiger Erfolg. In Deutschland, in Europa und international werde ich mich für starke und verbindliche Regelungen zum Plastikmüll und zum Meeresschutz einsetzen. Ein verbindliches Abkommen gegen die Plastikvermüllung ist dringender denn je“, sagte die deutsche Umweltministerin Steffi Lemke nach den Verhandlungen in Kenias Hauptstadt Nairobi.

"Die eigentliche Aufgabe steht noch bevor"

February 11, 2022, Dhaka, Bangladesh: A man is seen checking plastic waste, polyethylene terephthalate (PET), that is used in making plastic goods after recycling near the Buriganga River. (Credit Image: © Habibur Rahman/ZUMA Press Wire Service
Ein völlig vermüllter Strand in Bangladesch. Als Mikroplastik gelangt der Müll über die Nahrung sogar in unsere Blutbahn.

Es ist, wie es immer ist: die Verantwortlichen feiern sich für den Beschluss, der aber nun auch umgesetzt werden muss. Schon häufiger wurden Abkommen als historisch bezeichnet und dann geriet der Prozess ins Stocken, bevor er überhaupt richtig losging – siehe Pariser Klimaabkommen von 2015. Die Politik ist oft schwergängig und die Lobbyarbeit stark.

Plastikproduktion ist für 4,5 Prozent der weltweiten Treibhausgase verantwortlich

Dennoch sind auch Umweltorganisationen vorsichtig optimistisch: "Die beschlossene UN-Resolution, ein verbindliches Abkommen gegen Plastikmüll zu verhandeln, ist ein Meilenstein. Endlich wird das Plastikmüll-Problem klar benannt und alle UN-Mitgliedsstaaten wollen es gemeinsam lösen“, sagte Bundesgeschäftsführerin der Deutschen Umwelthilfe (DUH), Barbara Metz.

Doch auch sie unterzieht das Abkommen einem Wirklichkeitscheck: „Die eigentliche Aufgabe steht noch bevor: Jetzt müssen verbindliche ambitionierte Ziele und konkrete Maßnahmen erarbeitet werden. Dabei muss der gesamte Lebenszyklus von Kunststoffprodukten berücksichtigt werden - von der Herstellung über die Nutzung bis hin zur Entsorgung. Deutschland muss in den Verhandlungen eine Führungsrolle einnehmen und die richtigen Lösungsansätze vorantreiben. Dazu zählen Abfallvermeidung, Wiederverwendung und Recycling. Und auch der Zusatz von Mikroplastik zu Produkten muss schnellstens gesetzlich untersagt werden."

Plastik findet sich sogar im Marianengraben

Delegierter ist skeptisch

ARCHIV - 01.02.2022, Vereinigte Arabische Emirate, Kalba: Eine Echte Karettschildkröte, die an einem nahegelegenen Strand gefunden wurde, wird nach einer Autopsie zusammen mit Meeresmüll den sie gefressen hat, vor allem Plastik (oben) und Nahrungsmit
Es ist schrecklich: All das Plastik hat man bei der Autopsie aus dieser Karettschildkröte herausgeholt.

Auch der WWF begrüßte die Entscheidung als „historisch“. Der klare Verhandlungsauftrag markiere einen Meilenstein für den Schutz der Umwelt, insbesondere der Meere, sagte Christoph Heinrich, Vorstand Naturschutz beim WWF Deutschland: „Das kann den Anfang vom Ende der Plastikflut bedeuten.“

Wissenschaftler warnen vor den gesundheitlichen Auswirkungen, die die Plastikproduktion und der allgegenwärtige Umgang mit Plastik auf die menschliche Gesundheit haben. Kleinste Plastikteilchen, sogenanntes Mikro- und Nanoplastik, gelangen über Nahrungsmittel, aber auch durch die eingeatmete Luft in den menschlichen Körper.

Bei aller Euphorie waren einige Aktivisten eher skeptisch, ob das weltweite Plastik-Problem durch multilaterale Verhandlungen und ein neues Abkommen tatsächlich gelöst werden kann. Zu oft seien in der Vergangenheit ähnlich gefeierte Umwelt-Abkommen, wie beispielsweise das Kyoto-Protokoll und das Pariser Klima-Abkommen, später untergraben worden, sagte ein Delegierter. Er befürchte dass nationale Wirtschaftsinteressen öl-und plastikproduzierender Länder einer wirklichen Lösung im Weg stehen könnten.

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(dpa/osc)