Bedrohung der Meere

Zwei LKW-Ladungen Plastik landen pro Minute in den Gewässern der Welt

von Moritz Nolte

Mitte 2021 wurde Einwegplastik in der Europäischen Union (EU) verboten. Trotzdem wird sich Hochrechnungen zufolge die weltweite Plastikproduktion bis 2040 verdoppeln. Dabei bedroht das Plastik schon jetzt unsere Weltmeere – eine neue Studie belegt: Fische, Wale, Korallen und Co. sind in großer Gefahr.

Oben im Video: Auch wir Menschen sind durch Plastik im Meer in Gefahr

Studie: Plastikanteil im Meer vervierfacht sich bis 2050

Eine Schildkröte die eine Plastiktüte frisst.
Die Schildkröte frisst eine Plastiktüte, welche sie wahrscheinlich für eine Qualle hielt.

Die Umweltorganisation World Wide Fund For Nature (WWF) und das Alfred-Wegener-Institut (AWI) für Polar- und Meeresforschung haben eine Metastudie zur Plastikverschmutzung der Ozeane veröffentlicht. Hierfür wurden 2.592 wissenschaftliche Studien ausgewertet. Das Ergebnis ist erschreckend! Wir befinden uns inmitten einer globalen Plastikkrise. „Die Plastikkrise in den Meeren ist sehr ernst. Plastik ist so allgegenwärtig, dass fast jede Art im Meer damit konfrontiert ist – von Bakterien über Wirbellose, Fische, Robben oder Wale", sagt Melanie Bergmann, eine der Autorinnen der Studie. So landen aktuell circa 19 bis 23 Millionen Tonnen Plastikmüll pro Jahr in den Gewässern unserer Erde. Umgerechnet entspricht das in etwa zwei LKW-Ladungen pro Minute. Weil der Plastikmüll stetig zerfällt, ist zu erwarten, dass die Konzentration von Mikro- und Nanoplastik noch jahrzehntelang ansteigen werde. Mit der Folge: Bis 2050 droht eine Vervierfachung der Plastikmüllkonzentration in den Weltmeeren. Bis zum Ende dieses Jahrhunderts droht die Menge des marinen Mikroplastiks sogar um das 50-fache zuzunehmen.

Nahezu alle Artengruppen des Meeres sind dabei betroffen – die Gefahren sind zahlreich wie verschieden: Plastik im Magen, tödliche Schlingen um den Hals oder auch chemische Weichmacher im Blut. Plastik führt zu Verletzungen von Meerestieren bis hin zum Tod. In Zahlen bedeutet das, dass 88 Prozent der fast 300 untersuchten Arten unter dem Plastik leiden. 90 Prozent der Seevögel beispielsweise verschlucken Plastikmüll und bei 52 Prozent der Meeresschildkröten wurden Plastik-Reste im Magen nachgewiesen. „Eine kleine Plastiktüte sieht für eine Meeresschildkröte aus wie eine Qualle“, so Bergmann. Und auch Korallenriffe und Mangrovenwälder, die zu den weltweit wichtigsten marinen Ökosystemen gehören, sind durch das Plastik in vielerlei Hinsicht stark gefährdet.

Mittelmeer besonders schwer betroffen

Eine Krabbe mit Plastikhut.
Diese Krabbe hat einen unfreiwilligen Plastikhut. Ihr Magen wird zudem voller Mikroplastik sein.

In manchen Regionen habe die Mikroplastikkonzentration den ökologisch kritischen Schwellenwert bereits heute überschritten. Zu den Regionen zählen das Gelbe Meer, das Ostchinesische Meer, das Meereis der Arktis, aber auch das Mittelmeer. Insbesondere das Mittelmeer hat zwei Probleme. Zum einen ist das Meer praktisch in sich geschlossen, zum anderen haben viele Staaten rund um das Mittelmeer ein schlecht funktionierendes Abfallsystem. Demnach wird verhältnismäßig viel Plastik ins Meer gespült und der Raum in dem es sich verteilt ist geringer als in den großen Weltmeeren. Trotzdem hat auch das Folgen über die Ufer hinaus, denn viele Arten sind vom Aussterben bedroht.„Weil das Mittelmeer zu den artenreichsten Meeren gehört, bedroht das die globale Artenvielfalt", sagt Meeresbiologin Bergmann.

Globales Abkommen muss Plastikproblem stoppen

Nach Veröffentlichung der Studie fordert der WWF ein rechtsverbindliches globales Abkommen gegen die Plastikverschmutzung der Meere. Dabei solle es das Ziel sein die Plastikverschmutzung im Keim zu bekämpfen, denn das sei viel effektiver als die Folgen erst im Nachhinein beseitigen zu wollen. Regionale oder freiwillige Maßnahmen reichen dabei nicht aus. „Nur wenn Regierungen, Industrie und Gesellschaft jetzt geschlossen handeln, können sie die Plastikkrise noch eindämmen“, sagt Heike Vesper, Leiterin des Fachbereiches Meeresschutz beim WWF Deutschland. Die UN-Umweltkonferenz findet vom 28. Februar bis zum 2. März 2022 in Nairobi statt. Dort soll über das Mandat zur Entwicklung eines verbindlichen Abkommens gegen den Plastikeintrag in die Meere entschieden werden.

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(mno)