Tödlicher Zeckenbiss

Die Auwaldzecke kann Hundemalaria auslösen

Zecken auf dem Vormarsch: Hundebesitzer in Sorge

Die Auwaldzecke ist wieder aktiv und bereitet Hundebesitzern große Sorgen. Allzu groß ist die Gefahr, dass der Lieblingsvierbeiner sich mit Hundemalaria infiziert. Der kalte Winter hat die Ausbreitung des Insekts nicht gestoppt und mit ihr steigt die Gefahr einer Ansteckung mit Erregern. Hohes Fieber, Appetitlosigkeit oder blutiger Urin sind die Folge und dann ist ein Besuch beim Tierarzt dringend notwendig. Immerhin kann es sich um eine Krankheit handeln, die von einer bestimmten Zeckenart übertragen wird und tödlich enden kann.

FSME auch in der Auwaldzecke gefunden

 Beim Robert-Koch-Institut steht die Auwaldzecke allerdings auch unter Beobachtung, weil in ihr FSME-Erreger gefunden wurden.
Trotz der Kälte ist die Auwaldzecke aktuell sehr aktiv. Gerade Hundebesitzer sollten auf der Hut sein, denn die Zecke kann durch ihren Biss Hundemalaria auslösen. © picture alliance / blickwinkel/R, R. Guenter

Die Zeit, dass Collie-Besitzerin Emmi Lingnau mit ihren beiden Hunden unbeschwert im Wald und auf Wiesen spazieren ging, ist vorbei. „Ich habe immer ein ungutes Gefühl“, gibt sie zu. Denn sie weiß, was ein einziger Zeckenstich anrichten kann. Ihre Hündin Laika (10) wäre fast daran gestorben. Diagnose: Babesiose.

Nur dem schnellen Eingreifen einer Tierärztin sei zu verdanken gewesen, dass Laika noch lebt. Sie erkannte sofort, dass sich der Hund mit Babesien infiziert hatte. Laika litt unter einer Infektionskrankheit, bei der die roten Blutkörperchen zerstört werden und die von der Auwaldzecke (Dermacentor reticulatus) übertragen wird. Für Menschen sind die Erreger ungefährlich – im Gegensatz zu bekannten Infektionen wie FSME (Frühsommer-Meningoenzephalitis) und Borreliose, bei denen der Holzbock als Überträger gilt. Beim Robert-Koch-Institut steht die Auwaldzecke allerdings auch unter Beobachtung, weil in ihr FSME-Erreger gefunden wurden.

Klimawandel schuld an Ausbreitung der Auwaldzecke in Deutschland

ARCHIV - 26.03.2019, Niedersachsen, Hannover: Eine Frau geht mit einem Hund an der Leine spazieren (zu dpa «Osterspaziergänge während der Brutzeit: Hunde an die Leine»). Foto: Christophe Gateau/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Gerade nach Waldspaziergängen sollten Hundebesitzer ihre Tiere nach Zecken untersuchen. © dpa, Christophe Gateau, cgt jol hho chs alf

Vor allem das Saarland und Rheinland-Pfalz, aber auch der Freiburger Raum seien derzeit am stärksten von den Auwaldzecken mit Babesien betroffen, meint Dieter Barutzki, Fachtierarzt für Parasitologie und Leiter des Tierärztlichen Labors Freiburg. Es untersucht Blutproben aus dem gesamten Bundesgebiet. Gerade aus dem Südwesten des Landes habe man dieses Jahr „schon solch eine hohe Zahl an positiven Fällen, wie wir sie seit langem nicht gesehen haben – vielleicht sogar wie noch nie“, sagt Barutzki. Er macht vor allem den Klimawandel, das Einreisen befallener Hunde aus dem Ausland und die Nähe zu Frankreich dafür verantwortlich.

Keine Entwarnung im Winter

Der Saarbrücker Tierarzt Guido Arz vermutet, dass auch Gebiete mit erhöhter Bodenwärme – etwa wegen Fernwärmeleitungen oder Bergbau – die Verbreitung der Zecken begünstigen. An seiner Klinik in Saarbrücken wurden in den vergangenen Wochen bereits mehr als 20 Hunde, die sich mit Babesiose infiziert hatten, behandelt. Dieses Jahr ist es besonders schlimm. Und auch der Winter bringe keine Entwarnung. „Den letzten Fall hatte ich an Weihnachten, den ersten schon wieder im Januar“, berichtet sein Mitarbeiter Danny Eisenbarth. Allein an zwei Tagen habe er in der letzten März-Woche vier infizierte Hunde behandelt. Die Besitzer hatten sie in die Praxis gebracht, weil die Tiere hohes Fieber und dunklen Urin hatten, nichts mehr fraßen und nicht aufstehen wollten.

Auch in der Tierklinik Birkenfeld in Rheinland-Pfalz gehen bei solchen Symptomen die Alarmglocken an, sagt Tierärztin Jessica Cremer. Wichtig sei eine gewichtete Differenzialdiagnose: „Das heißt, das Wichtigste und Schlimmste wird als erstes abgeklärt.“ Dazu gehöre auch, nachzufragen, woher der Hund stamme und welche Vorgeschichte er habe. Routinemäßig werde zudem abgefragt, ob er über einen Zeckenschutz in Form von sogenannten Spot-on-Präparaten, Tabletten oder Zeckenhalsbändern verfüge.

Die Spätfolgen des Zeckenbisses können gefährlich sein

Anders als der Holzbock sind Auwaldzecken nicht braun oder schwarz, sondern haben ein Muster auf ihrem Panzer. „Hundebesitzer sollten darauf achten, wenn man eine solche Zecke entfernt. Dann sofort zum Tierarzt gehen“, rät die Tierheilpraktikerin Meike Voss. Je nach Grad der Babesien im Blut und Zustand müssten manche Tiere stationär aufgenommen werden. „Hier spielt die schulmedizinische Betreuung eine ganz große Rolle, dass es das Tier überlebt.“ Auch wenn die akute Infektion überwunden sei, hätten einige Hunde lange mit den Folgen zu kämpfen. „Spätfolgen können Nierenprobleme sein oder Probleme mit dem Bewegungsapparat“, berichtet Voss, die solche Hunde in ihrer Praxis in Straubenhardt (Baden-Württemberg) behandelt.

Erkrankung durch Zecken-Erreger gefährlicher als Impfung

Mittlerweile hat Emmi Lingnau die Hunde öfter an der Leine und achte darauf, dass sie ihren Kopf und Hals nicht mehr ins Gebüsch stecken.
Emmi Lingnau und Collie Laika: Die Auwaldzecke macht Hundebesitzern Angst. © dpa, Katja Sponholz, geh sab

Auch Tierarzt Danny Eisenbarth appelliert an Hundebesitzer, ihre Tiere regelmäßig mit einem geeigneten Zeckenschutz zu versorgen. Doch die Impfangst und Angst vor Chemie ziehe sich mittlerweile auch durch die Tiermedizin. „Dabei ist jede Erkrankung, die durch Zecken übertragen wird, 1000 Mal gefährlicher“, sagt er.

Obwohl auch Lingnau ihren beiden Collie-Hündinnen Laika und Cora inzwischen einen entsprechenden Schutz gibt, sitzt der Schock noch immer tief. „Die erste Zeit nach der Erkrankung hatte ich eine Phobie und konnte überhaupt nicht mehr in den Wald.“ Mittlerweile habe sie die Hunde öfter an der Leine und achte darauf, dass sie ihren Kopf und Hals nicht mehr ins Gebüsch stecken.

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