Islandtief und Azorenhoch haben getauscht

Arktisluft und Winter in Deutschland: Warum ist das gerade so?

von Oliver Scheel

Mein lieber Mann, der Winter 2022/23 legt ja gut los. Es hat sich richtig eingewintert – und blicken wir in die mittelfristigen Prognosen, dann sehen wir Arktiskälte und Bibberwetter auf uns zukommen. Und zwar ordentlich. Jetzt aufgepasst: In der Woche vor Weihnachten sehen wir bei München über mehrere Tage Tiefsttemperaturen von -20 Grad. Das ist satt. Aber wie kommt diese ungewöhnliche Vorweihnachtskälte denn bitte zustande?

Da kommt extreme Kälte mit bis zu -15 Grad auf uns zu

Lust auf einen Besuch eines Weihnachtsmarktes – hier die Wetteraussichten

Über den Schneedecken klart es auf und kühlt stark ab

Zunächst einmal ist es so, dass in vielen Teilen Deutschlands jetzt schon eine Schneedecke liegt, bzw. in den kommenden Tagen sich auf die Felder und Wiesen legt. Und in der nächsten Woche geraten wir unter Hochdruckeinfluss. Die Sonne kommt mehr zur Geltung und das heißt, die dicke Wolkenschicht, die seit Wochen wie festgetackert über Mitteleuropa liegt, bekommt ihre Lücken.

Also klart es auf und nachts kühlt es dann brutal ab. Über Schneedecken wird es dann schnell Temperaturen geben, die an -20 Grad heranreichen.

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Azorenhoch und Islandtief haben Rollen getauscht

Wetter verkehrt mit eiskalten Folgen: Hochdruck im Norden, Tiefdruck über Skandinavien - das bringt Kälte und gerne auch Schnee
Hochdruck im Norden, Tiefdruck über Skandinavien - das bringt Kälte und gerne auch Schnee

Warum ist das Wetter denn so, wie es ist? Die vergangenen Jahre war der Dezember stets zu warm. Teilweise viel zu warm. 2015 lag er unfassbare 5,6 Grad über dem Schnitt. Der letzte zu kalte Dezember war der mittlerweile ja fast schon berühmte schneereiche Dezember 2010. Die Durchschnittstemperatur lag damals mit -3,5 Grad um 4,3 Grad unter dem vieljährigen Klimawert von 0,8 Grad. Damit erlebte Deutschland in der Fläche den kältesten Dezember seit 1969. Vor allem der Norden und Osten befand sich fast ständig in der eingeflossenen skandinavischen Kaltluft.

Und so ähnlich ist es jetzt auch. Und zwar, weil das klassische Islandtief und das Hoch über den Azoren ihre Rollen getauscht haben. Das hat zur Folge, dass das Hoch über Island kalte kontinentale Luftmassen aus Osten Richtung Deutschland schickt. Die klassische Westdrift ist blockiert. Das Phänomen wird auch „High-over-Low“ bezeichnet. Also das Hoch über dem Tief, wenn man auf die Karte schaut.

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Unwetter über dem Mittelmeer hängen auch damit zusammen

Schnee im Taunus Winterlich zeigt sich die Landschaft am Großen Feldberg im Taunus nach einem Schneeschauer und mit dickem Raureif an den Bäumen und Sträuchern., Schmitten Hessen Deutschland *** Snow in the Taunus Winterlich shows the landscape at th
Schnee im Taunus - der Frühwinter bittet zum Tanz.

Die Tiefdruckgebiete nehmen dann eine südlichere Zugbahn. Und das sehen wir ja gerade jetzt bei den andauernden Unwettern über dem Mittelmeer.

Im Grenzbereich der beiden Luftmassen wird es ordentlich Schnee geben. Das könnte den Alpen eine große Portion vorweihnachtliches Weiß bringen. Läuft doch. Weiße Weihnachten scheinen dieses Jahr sehr viel wahrscheinlicher als in den zurückliegenden Jahren.

Übrigens: Der gesamte Winter 2010/2011 war damals kälter als der Schnitt. Das hat es seitdem auch nicht mehr gegeben. Hoffen wir einfach mal auf eine schönen, schneereichen, anständigen Winter. So wie früher.

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Motor des Winters - so entwickelt sich der Polarwirbel

In der Vorhersage wird die Temperatur in einigen Kilometern Höhe dargestellt. Je gleichförmiger die blauen, also kalten Bereiche zusammenhängen, umso stärker ist der Polarwirbel. Werden hingegen große Lücken und mildere Einschübe in Richtung Nordpol berechnet, dann ist der Wirbel instabiler. Bei einem Polarwirbel-Split teilen sich die blauen Flächen in zwei Teile auf.

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(osc)