Polarwirbel gewinnt an Fahrt

Weichen für die kalten Jahreszeiten werden gestellt

von Carlo Pfaff & Björn Alexander

Während die letzten Zuckungen des Hochsommers uns noch Hitze bescheren, schalten die Wettersysteme gen Herbst und schlussendlich gen Winter. Mit am Start ist auch der Polarwirbel, der entscheidend für Schnee und Frost in Deutschland ist.
Oben im Video: Wann bleibt normalerweise der erste Schnee liegen?

Was ist der Polarwirbel?

Der Polarwirbel ist ein Zirkulationssystem über den Polregionen. Er besteht aus eiskalter Luft, die von starken Westwinden umschlossen wird und sich im Winterhalbjahr bildet, wenn die Temperaturunterschiede zwischen den Polen und den mittleren Breiten am größten sind.
Dann wirkt er wie eine Barriere, die kalte Polarluft in der Polarregion hält und uns in den mittleren Breiten vor der Kälte schützt.

Wenn er allerdings schwächer wird oder sich verlagert, kann es zu einem sogenannten Polarwirbel-Split kommen. Hierbei können kalte Luftmassen aus den polaren Breiten vordringen, was extrem kalte Winterbedingungen in betroffenen Regionen verursachen kann. Hierzulande dominieren in diesen Fällen oftmals nördliche oder östliche Strömungen.

Polarwirbel schwach, Eisschrank geöffnet

Die Graphik zeigt die eiskalte Wetterlage, die uns im Februar 2021 den Vorstoß des Sibirien-Winters bis nach Deutschland brachte. Ausgehend von einem Polarwirbel-Split war der Weg für die Polarhochs und die sibirische Luft frei.
Die Wetterlage, die uns im Februar 2021 die Luft direkt aus Sibirien brachte. Der Polarwirbel-Split brachte am Rande der polaren Hochdruckgebiete richtige Eisluft nach Deutschland.

Ein gutes Beispiel für einen solchen Fall liefert uns der Blick auf den Februar 2021. Deutschland bibberte in der ersten Hälfte des Monats unter extrem kalten Bedingungen. Ursache war ein geschwächter Polarwirbel, der anfällig für einen sogenannten Polarwirbel-Split war.
Hierdurch konnte eisige Luft aus Sibirien entlang der Ränder der polaren Hochdruckgebiete zu uns gelangen. Normalerweise sorgt eine solche Wetterlage für anhaltende Kälte, doch im Februar folgte in der zweiten Monatshälfte ein historischer Temperatursprung von über 40 Grad.

Wie sind die aktuellen Prognosen für den Winter 2024/2025?

Die experimentelle Langfrist der NOAA (Amerikanischer Wetterdienst) bewertet die Herbstmonate zunächst mit einem mäßigen Temperaturüberschuss. Insbesondere im November könnten sich Winterfreunde damit vielleicht sogar über ein paar Flocken freuen.
Das Bild ändert sich dann aber für den Winter 2024/25 schlagartig. Hier wären demnach deutlich Temperaturüberschüsse zu erwarten. Ebenfalls überdurchschnittlich ist bei den aktuellen Trends auch der Niederschlagsüberschuss im Dezember und Januar.
Das würde vermehrt für milde West- bis Südwestwetterlagen und einen dauerhaft intakten Polarwirbel sprechen und zeigt sich ebenso in den positiven Temperaturabweichungen in Nordeuropa.

Milde Vorhersagen überraschen nur wenig

In Zeiten des Klimawandels sind zu kalte Monate selten. Nochmals seltener sind zu kalte Jahreszeiten. Bezogen auf die letzten zehn Jahre war beispielsweise nur der Frühling 2021 deutlich zu kalt.
Zum Vergleich: Nimmt man die letzten 20 Jahre, dann waren es insgesamt zehn deutlich zu kalte Jahreszeiten – davon alleine drei im Jahr 2010. Dementsprechend hatten wir in den 2000er-Jahren wiederholt auch Schnee und Eis im Rennen. Aber es ist vor allem in den tieferen Lagen ein rares Gut geworden, für das alle kleinen und großen Schneeengel fest die Daumen drücken müssen.

Vorsicht bei der Langfrist

Langfristberechnungen sind mit entsprechender Vorsicht zu genießen. Denn mit den Computertrends über fünf bis zehn Tage im Voraus oder gar mit Blick auf ganze Monate oder Jahreszeiten hinaus verlassen wir die klassischen Wetterprognosen und wechseln in den experimentellen Bereich. Das sind eigentlich eher Hilfsmittel, die unter anderem der Energiewirtschaft dienen können.