Viel los auf dem Eisriesen

Wetter auf dem Neptun: Wolken, Stürme und Diamantregen

Neptun ist der am weitesten von der Sonne entfernte Planet unseres Sonnensystems.
Neptun ist der am weitesten von der Sonne entfernte Planet unseres Sonnensystems. © DPA

von Karim Belbachir

Wenn es um die Planeten in unserem Sonnensystem geht, dann kommt der viertgrößte Planet Neptun gefühlt etwas zu kurz. Dabei hat der Eisriese gerade meteorologisch einiges vorzuweisen. Neben unglaublichen Windgeschwindigkeiten, wären da noch der Diamantregen und flitzende Wolken.

Windgeschwindigkeiten von bis zu 2.000 km/h - auf dem Neptun ist es stürmisch

Raumsonde Voyager 2 auf dem Weg zum Neptun
Die Raumsonde Voyager 2 war im Jahr 1989 am Planeten Neptun angekommen und konnte erstmals Bilder vom Eisriesen machen. © deutsche presse agentur

Als die NASA-Sonde Voyager 2 im Jahr 1989 am Neptun vorbeiflog, entdeckte sie Wolken, die den Cirruswolken auf der Erde ähneln. Bis auf 3000 Kilometer kam die Sonde an den Planeten heran und ist die bisher einzige Raumsonde, die den Eisriesen aus der Nähe betrachtet hat. Das Außergewöhnliche an den Wolken war ihre Geschwindigkeit. Innerhalb 16 Stunden können sie den gesamten Planeten umrunden. Sie bestehen hauptsächlich aus gefrorenem Methan.

Außerdem entdeckte die Sonde zwei dunkle Flecken auf der Oberfläche – einen großen und einen kleineren. Sie erinnern etwas an den Großen Roten Fleck auf dem Jupiter. Bei den dunklen Flecken auf dem Neptun handelt es sich wohl um Atmosphärenstörungen, die durch die extreme Hitze im Planetenmantel herrühren. Während es an der Oberfläche rund -200 Grad kalt werden kann, liegen die Temperaturen am Kern bei bis zu 4.000 Grad. Dadurch werden diese riesigen Stürme ausgelöst. Wissenschaftler vermuten, dass sich das Methangas einen Weg durch die Atmosphäre bahnt und als Wolken über der Oberfläche sichtbar werden. Begünstigt durch die eisigen Temperaturen und den fehlenden Widerstand halten sich die Stürme teilweise jahrelang und können Windgeschwindigkeiten von 1.600 km/h bis 2.000 km/h erreichen. Es sind die schnellsten Windgeschwindigkeiten in unserem Sonnensystem.

Diamantregen im Inneren des Planeten

Großer Dunkler Fleck auf dem Planeten Neptun
Der Große Dunkle Fleck auf dem Neptun mit Wolken (Scooter) südlich davon. © deutsche presse agentur

Bereits vor vier Jahren simulierte ein internationales Team von Wissenschaftlern, zu denen auch das Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf (DZHR) gehörte, wie Diamanten in den tieferen Schichten des Neptuns entstehen könnte. Dabei setzten sie einen Kunststoff (Polystyrol) bestehend u.a. aus Kohlen- und Wasserstoff Hitze und Druck aus. Kohlen- und Wasserstoff sind zwei der Elemente, die im Inneren des Eisriesen vermutet werden.

Bei hohem Druck und hohen Temperaturen verwandelt sich Kohlenstoff zu Diamant um. Bei dem Experiment nutzten die Forscher zwei Laser, um das Polysterol zwei Schockwellen auszusetzen. „In dem Moment, in dem sich beide Wellen überschneiden, bilden sich die meisten Diamanten“, erklärte Dominik Kraus, Wissenschaftler am DZHR. Einen ähnlichen Vorgang vermuten die Wissenschaftler auch auf dem Neptun, allerdings im größeren Stil. Die Diamanten regneten dann langsam in die Tiefe des Planeten.

Warum erscheint der Neptun blau?

Zusammen mit dem Uranus gehört der Neptun zu den Eisriesen unseres Sonnensystems. Dabei handelt es sich dabei nicht um Eis aus Wassermolekülen, wie wir es hier von der Erde her kennen. Vielmehr handelt es sich dabei hauptsächlich um Wasserstoff, Helium und Methankristalle, die auch für die bläuliche Farbe zuständig sind. Es handelt sich also weniger um eine feste Eiskruste wie auf den Jupitermonden Europa, Ganymed oder Kallisto, als um Gas. Im Planeteninneren vermuten Wissenschaftler einen festen Kern etwas größer als die Erdmasse bestehend aus Eisen, Nickel und Silkaten. Darüber liegt eine flüssige Schicht bestehend aus Ammoniak, Wasser und Methan.

Insgesamt hat der Neptun 14 Monde, wovon Triton der größte und wohl auch interessanteste ist. Anders als üblich bewegt dieser sich entgegengesetzt der Rotation seines Planeten. Die Temperaturen auf Tritons Oberfläche liegen mit -235 Grad Celsius sogar noch unter der des Neptuns. Es sind die niedrigsten Temperaturen, die in unserem Sonnensystem gemessen wurden und liegen sogar noch unter denen des zum Planetoiden degradierten Pluto (-230 Grad Celsius).

Viele Planeten der Galaxie ähneln Neptun und Uranus

Bisher blieb der Neptun aufgrund seiner Entfernung noch nicht so häufig Ziel von weiteren wissenschaftlichen Untersuchungen. Dabei hat er wirklich einiges zu bieten. Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen gehen davon aus, dass die Mehrzahl der Exoplaneten in unserer Galaxie den beiden Gasriesen Neptun und Uranus ähneln. Weitere Aufschlüsse über ihre Beschaffenheit helfen da sehr. Gerade mit den Möglichkeiten durch das neue James-Webb-Weltraumteleskop werden sich neue Möglichkeiten ergeben. Und wer weiß? Vielleicht beobachten wir bald das Wetter eines Planeten in einem anderen Sonnensystem.

Unsere Wettertrends und Themenseiten

Sollten Sie Interesse an weiteren Wetter-, Klima- und Wissenschaftsthemenhaben, sind Sie bei wetter.de bestens aufgehoben. Besonders ans Herz legenkönnen wir Ihnen auch den 7-Tage-Wettertrend mit der Wetterprognose für die kommende Woche. Dieser wird täglich aktualisiert. Falls Sie weiter in die Zukunft schauen möchten, ist der 42-Tage-Wettertrend eine Option. Dort schauen wir uns an, was auf uns in den kommenden Wochen zukommt. Vielleicht interessiert Sie eher wie sich das Klima in den vergangenen Monaten verhalten hat und wie die Prognose für das restliche Jahr aussieht. Dafür haben wir unseren Klimatrend für Deutschland.

Damit Sie auch unterwegs kein Wetter mehr verpassen, empfehlen wir unsere wetter.de-App für Apple- und Android-Geräte.

Das Universum - Die Doku im Online Stream auf RTL+

Streaming-Tipp auf RTL+: Das Universum

(kfb)