Zum Internationalen Tag der Tropen

Wald-Projekte, die Mut machen: Können neue Bäume die Tropen retten?

von Silvia Soyter

Tropischer Regenwald und Nebel
Grün und wasserreich: So stellt man sich die Tropen vor.

Wer Tropen hört, denkt sofort an Regenwälder – doch auch Wüsten und Savannen gehören zu den Zonen nah am Äquator. Der Internationale Tag der Tropen verdeutlicht die Herausforderungen, denen sich die Länder der Tropen gegenübersehen – denn sie leiden besonders unter dem Klimawandel. Und das hat auch Auswirkungen für uns!

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29. Juni ist Internationaler Tag der Tropen – Was sind eigentlich die Tropen?

Vor allem tropische Regenwälder sind allen ein Begriff, doch die Tropen umfassen so viel mehr Gebiete. Wo befinden sie sich eigentlich? Der Blick auf den Globus verrät: Die Tropen erstrecken sich um den Äquator von 23,5 Grad nördlicher bis 23,5 Grad südlicher Breite. Tropische Gebiete befinden sich damit in:

  • Südostasien
  • Mittelafrika
  • im Norden Südamerikas

Charakteristisch für das Wetter dieser Regionen ist, dass es in der Regel warm ist und die Temperaturen im Jahresverlauf nur gering schwanken. Die inneren Regionen in Äquatornähe weisen viel Niederschlag auf, während es, je weiter man sich vom Äquator entfernt, in den äußeren Regionen immer mehr Trockenzeiten gibt.

Diese 5 Fakten wussten Sie vorher nicht über die Tropen!

  1. Der Internationale Tag der Tropen hat seinen Ursprung im Beschluss der UN-Generalversammlung im Jahr 2016. Er soll die Klima- und Umweltschutzbestrebungen der Länder in tropischen Klimazonen in den Fokus rücken. Die Länder in den Tropen sind nicht nur besonders durch den Klimawandel betroffen, sondern auch durch Abholzung, Urbanisierung und demographischen Wandel.
  2. 40 Prozent der Weltbevölkerung leben derzeit in den Tropen! Laut Prognosen wird die Hälfte der Weltbevölkerung, sollten die Wachstumsraten konstant bleiben, bis zum Jahr 2050 in tropischen Regionen leben. Die höchsten Wachstumsraten verzeichnen die Länder des afrikanischen Kontinents. Allein die Bevölkerung Nigerias wird laut Hochrechnungen dann größer sein als die der USA.
  3. Tropen sind mehr als nur Regenwälder: Es gibt fünf Vegetationszonen in den Tropen, die von immerfeucht bis trocken reichen:
    – tropischer Regenwald
    – Feuchtsavanne
    – Trockensavanne
    – Dornsavanne
    – Steppe, Wüste
  4. Immenser Artenreichtum: Die Tropen sind wahre Hotspots der Artenvielfalt: Obwohl nur rund 6 Prozent der Erdoberfläche von Tropischen Regenwäldern bedeckt sind, bieten sie Lebensraum für 80 Prozent der biologischen Vielfalt der Welt. Allein in der Inselwelt Indonesiens wachsen 45.000 verschiedene Pflanzenarten, darunter 3.000 Baumarten.
  5. Savannen bedecken rund 15 Prozent der Festlandfläche. Es sind Graslandschaften mit spärlicher Vegetation. Entstanden sind sie vor rund 25 Millionen Jahren in den Ebenen der Tropen, wo es nicht genügend Niederschlag gab oder der Boden Baumbewuchs nicht zuließ.
Zum Tag der Tropen: Aufforsten hilft im Kampf gegen den Klimawandel.
Auch so können die Tropen aussehen: Die Trockensavanne im Senegal.

Wie viel der tropischen Regenwälder bleibt uns noch?

Ausgewertete Satellitendaten haben Erschreckendes gezeigt: Allein 2020 wurden 122.000 Quadratkilometer tropische Wälder zerstört. Davon war ein Großteil unberührter tropischer Regenwald. Die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen schätzt, dass es weltweit noch um die 18 Millionen Quadratkilometer Tropenwald gibt.

Um gegen Klimawandel, Abholzung und Artensterben anzukämpfen, gibt es immer mehr Projekte, die versuchen die Regenwälder wieder aufzuforsten. In der Theorie hat Aufforstung viele Vorteile, denn Bäume speichern nicht nur CO2 und kühlen die Erde, sie sind auch wichtiger Teil des Ökosystems.

Aufforstungsprojekte können allerdings auch negative Auswirkungen haben. In rund 45 Prozent der Fälle wird durch sogenannte Baumplantagen aufgeforstet. Forscher befürchten aber, dass sich die Baumsetzlinge negativ auf bereits bestehende Ökosysteme auswirken können. Bei Baumpflanzmaßnahmen am Übergang zwischen Sahara und Grasland zum Beispiel, wird beim Umgraben des Bodens nicht nur Kohlenstoff freigesetzt, sondern auch Unmengen des Wassers vor Ort verbraucht. Damit zerstört die Aufforstung an diesem Ort die vorhandene Graslandschaft.

Der Internationale Tag der Tropen verdeutlicht die Herausforderungen, denen sich die Länder der Tropen gegenübersehen.
Kahlschlag: Abgeholzte Flächen im tropischen Regenwald auf Borneo (Indonesien).

Wald-Projekt in Borneo: Ist die Aufforstung nachhaltig?

Ein Positivbeispiel der nachhaltigen Forstwirtschaft lässt sich in Indonesien finden. In den letzten 20 Jahren sind dort gut ein Fünftel des Waldes abgeholzt worden. Um den Verlust der abgeholzten Bäume zu minimieren, pflanzen Bauern dort schnell wachsende Bäume. Schnell bedeutet hier richtig schnell, denn sie können bis zu sechs Meter im Jahr wachsen. Zum Vergleich: Eine Pappel, die als schnellwachsender Baum gilt, kann bis zu zweieinhalb Meter pro Jahr wachsen, man geht aber eher von rund 80 Zentimetern Wachstum aus.

Durch die Baumpflanzaktion konnten schon mehr als eine Million Bäume gepflanzt werden. Ein wichtiger Beitrag, um das Land, das immer wieder mit Extremwetter, heftigen Regenfällen und Überschwemmungen zu kämpfen hatte, gegen den Klimawandel zu wappnen. Und das Aufforstungsprojekt wirkt sich nicht nur positiv auf das Klima aus, es gibt den einheimischen Bauern eine berufliche Perspektive.

Aufzucht von Setzlingen für Aufforstung von gerodeten Flächen im Amazonas-Regenwald, Baumschule einer Kooperative von Kleinbauern, die im Rahmen der Agrarreform angesiedelt wurden, Assentamento Entre Rios, Mato Grosso, Brasilien.
Aufforsten gegen den Klimawandel: In Indonesien ist viel Waldfläche aufgrund von Goldminen und Palmölplantagen verloren gegangen.

Warum sind tropische Regenwälder wichtig für uns?

Neue Studienergebnisse zeigen, dass Regenwälder mehr positive Eigenschaften haben als bisher bekannt. Sie saugen nicht nur wie ein gigantischer Staubsauger Kohlendioxid auf, sie agieren auch wie eine Klimaanlage für unsere Erde.

Ein angrenzender Regenwald könne die Landwirtschaft und die Städte eines Gebiets vor Hitzewellen schützen. Forscher gehen davon aus, dass tropische Wälder die Erde um ein ganzes Grad abkühlen könnten – ihre Abholzung würde im Umkehrschluss die Temperatur um ein Grad anheben.

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(sso)