Trauriger Blick, dramatische Folgen

Ende der Zugspitzgletscher - am Zugspitzplatt regiert der blanke Fels

von Oliver Scheel

Die Zugspitze, Deutschlands höchster Berg, präsentiert sich den Touristen derzeit sozusagen völlig nackt. Auf dem Zugspitzplatt regiert der blanke Fels. Der Schneeferner, einer der Gletscher auf der Zugspitze, ist im wahrsten Sinne nur noch ein Schatten. Selbst auf fast 3.000 Meter Höhe geht es dem ewigen Eis enorm an den Kragen. Der letzte Rest Schnee auf dem Zugspitzplatt ist weg, die letzten Firnfelder sind nun der Sonne schutzlos ausgesetzt. Fachleute sprechen von Ausaperung.

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Schneehöhe war nie so gering wie 2022

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Der aktuelle Blick auf das Zugspitzplatt zeigt nichts als Fels. Traurig. (Bild: Foto-webcam.eu)

12 Grad schon morgens um 10 Uhr – und das auf fast 3.000 Meter Höhe. Das kann nicht gut gehen. Dass die Tage der deutschen Gletscher gezählt sind, war klar. Nun gibt es dramatische Fotos vom Schneeferner – da liegt der blanke Fels. Die letzten Schneereste sind getaut, somit sind die Reste des Gletschers nun der aggressiven Sonne ausgesetzt. Sonst schützte den Gletscher oft eine dicke Schneeschicht bis in den August.

Anfang Juli hatte die Umweltforschungsstation am Schneefernerhaus auf der Zugspitze berichtet, dass „nie seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahre 1901 die Schneehöhe auf der Zugspitze im Juni so gering war wie 2022“. Laut „TZ“ wurden nur 84 Zentimeter Schneehöhe gemessen, im Jahr zuvor seien es vier Meter gewesen.

Der Schneeferner war einst ein mächtiger Gletscher, gegen Ende des 19. Jahrhunderts spaltete er sich in den Nördlichen und Südlichen Schneeferner und in kleinere Firnfelder unterhalb von Platt- und Zugspitze ("Kleiner Schneeferner"). Es wird darüber gestritten, ob die Bezeichnung Gletscher überhaupt noch zulässig ist.

Grund für das rapide Abschmelzen ist natürlich die Klimaerwärmung, aber auch die Luftverschmutzung und die Trockenheit. Dem Gletscher fehlen die Sommer-Niederschläge. Und weil es immer wärmer wird, regnet es auch immer häufiger auf der Zugspitze. Außerdem verliert der Gletscher an Masse, weil er durch Ruß immer dunkler wird. Damit absorbiert er die Sonnenstrahlen nicht mehr wie ein weißer Gletscher, sondern nimmt die Sonnenenergie auf.

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Gletscher erfüllen wichtige Funktionen

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So sahen die Schneefelder vor genau einem Jahr aus. Bild: Foto-webcam.eu

Dabei sind Gletscher für den Wasserhaushalt der Alpen enorm wichtig. Denn in regenarmen Zeiten befüllen sie die Flüsse durch das Gletscherwasser. Diese Flüsse können folglich bald im Sommer trocken fallen – eine Katastrophe für die Tierwelt, aber auch für die Landwirtschaft und den Tourismus.

Perspektivisch bleibt auf der Zugspitze nur noch der besser geschützt liegende Höllentalferner als Gletscher übrig. Doch auch der verliert rasant an Fläche. Außer den Gletschern auf der Zugspitze gibt es in in Deutschland nur noch den Blaueis- und den Watzmanngletscher. So sind laut „Bayerischem Rundfunk“ schon 75 Prozent der Gletschermassen Bayerns in den vergangenen 200 Jahren verschwunden. Erschwerend kommt hinzu, dass die Alpen sich noch stärker erwärmen als andere Regionen. Einige Jahre, von 1993 bis 2012, versuchten die Betreiber der Zugspitzbahn, den Gletscher mit Planen zu schützen. Doch das Projekt wurde aufgegeben, weil die Fläche zu klein war und die Hänge zu steil.

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(osc)