Städte der Zukunft

Hitze in der Großstadt: Wie können sich Städte auf weitere Hitzewellen vorbereiten?

von Paul Heger

Starkregen, Hitze und Trockenheit: Wetterextreme kommen als Folge des Klimawandels immer häufiger vor. Großstädte sollten sich auf diese Situationen vorbereiten. Wetter.de-Experte Paul Heger erklärt, worauf es dabei ankommt.

Zu wenig freie Flächen, zu viel Beton und Asphalt

Städte stehen in Folge der Klimakrise vor vielen Herausforderungen. Denn Wetterextreme, wie Hitzewellen und Starkregen, werden häufiger auftreten. Besonders drei Probleme stehen dabei im Mittelpunkt:

Problem 1: Die Stadt speichert Hitze tagsüber wie ein Schwamm. Die vielen Beton- und Asphaltflächen heizen sich in der Sonne auf und geben die gespeicherte Wärme dann abends und in der Nacht ab. „Das kann nachts zu einem Temperaturunterschied von bis zu zehn Grad zwischen der Stadt und ihrem Umland sorgen“, weiß Heger. Hinzu kommt: „Wenn Gebäude abends die Wärme abstrahlen, kann diese auf dem Land einfacher abwandern. In der Stadt strahlt sie aber seitlich auch andere Gebäude an. Diese nehmen dann wiederum einen Teil der abgestrahlten Wärme erneut auf.“ Das führt dazu, dass es eben auch nachts nicht gut abkühlen kann.

Problem 2: Die enge Bebauung und Versiegelung der Flächen mit Parkplätzen oder Straßen sorgt außerdem dafür, dass die Stadt weniger Wasser speichern kann. Bei Starkregen kann das im schlechtesten Fall zu Überflutung führen.

Problem 3: In Städten herrscht zudem häufig dicke Luft. „Wenn Städte zu eng bebaut sind oder es viele hohe Häuser gibt, erschwert das einen Zufluss von Frischluft“, erklärt Heger. Das hat ebenfalls den Effekt, dass es in den Siedlungsräumen heißer wird und schwieriger wieder abkühlt.

Grüne Flächen und grüne Wände

Um Städte widerstandsfähiger gegenüber Hitze und Überschwemmungen zu machen, sollten sie mehr Grünflächen schaffen. Zum einen können Rasen- und Wasserflächen Regenwasser gut aufnehmen. „Das Wasser kann an heißen Tagen aus den Grünflächen verdunsten. Das sorgt zusätzlich für einen Kühlungseffekt in der Stadt“, erklärt Heger. Im Fall von Hochwasser kann so außerdem mehr Wasser versickern und die Kanalisationen werden nicht so schnell überflutet. Eine weitere Idee, um Hochwasser und Starkregen zu begegnen, ist die Integration von Rückhaltebecken. Wenn Städte es so schaffen, mehr Wasser zu speichern, kann dieses in trockenen Perioden zum Beispiel zur Bewässerung oder Kühlung genutzt werden.

Auch die Begrünung von Gebäuden hat verschiedene Vorteile. Fassaden können sich so nicht aufheizen und die angrenzenden Straßenzüge sind tagsüber oft etwas kühler. Zusätzlich filtern die grünen Wände Schadstoffe aus der Luft. Anders als viele denken, würde die Begrünung von Dächern allerdings nicht sehr stark zu einer kühleren Innenstadt beitragen. „Grüne Dächer bringen zwar nur einen kleinen Temperatureffekt außen, dafür sind sie die beste Dämmung für Gebäude und schützen somit innen.“, so unser Experte. Wichtig ist diese gleichzeitig, um die Biodiversität in den vegetationsarmen Regionen zu fördern, indem Platz für verschiedene Pflanzen gesorgt wird und auch Insekten und Vögel einen besseren Lebensraum haben.

Bürogebäude mit Fassade aus Hainbuchen in Düsseldorf, Nordrhein-Westfalen, Deutschland
Bürogebäude mit Grünfassade aus Hainbuchen in Düsseldorf, Nordrhein-Westfalen.

Weniger Beton, runde Städte

Um der Aufheizung der Stadt entgegen zu wirken, sollten Gebäude zudem seltener aus Beton und häufiger aus Holz gebaut werden. Denn dies sorge dafür, dass sich die Häuser nicht zu sehr aufheizen. Zudem binde das Material CO2 und bei der Produktion wird weniger Energie gebraucht, schreibt das Umweltbundesamt in seiner Broschüre „Ressourcenschutz durch Stadtplanung und Stadtentwicklung“ von November 2021. Durch effektiven Brandschutz sei der Einsatz von Holz sogar in Hochhäusern möglich. Auf der anderen Seite seien beispielsweise Parkhäuser aus Holz kritischer zu sehen, da Feuchtigkeit oder Salze ein Problem werden könnten.

Ein weiterer wichtiger Punkt: Die Luftzirkulation in der Stadt. Städte sollten so konzipiert werden, dass viel Luft durch sie hindurchfließen kann. „Wenn es nachts im Umland abkühlt, lässt sich beobachten, wie die Wärme über der Stadt aufsteigt und dadurch die kühle Luft aus dem Ausland angesaugt wird.“, erklärt Heger.Es sei beim Städtebau zudem wichtig zu beachten, ob zum Beispiel kühle Luft von einem umliegenden Gefälle in die Stadt fließen würde. Diese Luftschneise sollte dann möglichst nicht mit einer dichten Wand aus Häusern zugebaut werden.

Das "HoHo" (Holzhochhaus) Wien besteht zu 75 Prozent aus Holz.
Das sogenannte "HoHo" (Holzhochhaus) Wien besteht zu 75 Prozent aus Holz.

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(phe, zre mit dpa)