20 Milliarden allein für New York

Klima-Anpassungen: Schutz vor Extremwetter hat einen hohen Preis

von Claudia Träger

Wo die Menschen sich einst sicher fühlten, drohen nun Hitze, Sturm, Dürre und Überschwemmungen. Die Anpassungen an neue Klima-Bedingungen werden teuer. Beispiel: Der Staat New York mit seiner 800 Kilometer langen Küstenlinie ist extrem anfällig für Unwetter und Überflutungen. Bernd Fuchs zeigt im Video, in welche Maßnahmen der Staat 20 Milliarden Dollar investiert, damit die Gegend bewohnbar bleibt.

Anpassungen ans Klima: Alle müssen handeln

Das Klima verändert sich und wir stecken mittendrin. Das ist seit Langem bekannt, und es sieht nicht danach aus, dass die globale Erwärmung sich noch aufhalten ließe. Eine Devise muss also sein, die Erderwärmung wenigstens in Grenzen zu halten. Eine andere: sich anzupassen. Das wird die Natur nicht so schnell können, hat aber auch so ihre Methoden, mit dem Hitzestress fertig zu werden. Und die Menschen? Die müssen schleunigst Anpassungsmöglichkeiten finden und umzusetzen. Wer ist da gefragt?

Die Politik: Die Deutsche Anpassungsstrategie (DAS)

Um der Anpassung an die Folgen des Klimawandels in Deutschland einen politischen Rahmen zu geben, hat die Bundesregierung schon 2008 „Die Deutsche Anpassungsstrategie (DAS)“ beschlossen. Gut, dass es sie gibt, aber die Strategie umfasst hauptsächlich graue Theorie, nämlich:

  • mögliche langfristige Klimafolgen für Deutschland und seine Regionen zu benennen und zu konkretisieren
  • Gefahren und Risiken zu benennen und zu vermitteln
  • Bewusstsein zu schaffen und Akteure zu sensibilisieren
  • Entscheidungsgrundlagen bereit zu stellen, die es den verschiedenen Akteuren ermöglichen Vorsorge zu treffen und die Auswirkungen des Klimawandels schrittweise in privates, unternehmerisches und behördliches Planen und Handeln einzubeziehen
  • Handlungsmöglichkeiten aufzuzeigen, Verantwortlichkeiten abzustimmen bzw. festzulegen; Maßnahmen zu formulieren und umzusetzen.
Maßnahmen umsetzen… da kommen die Kommunen, also die Städte und andere Gemeinden, ins Spiel.

Die Kommunen: Anders bauen

Extremwetter-Ereignisse schlagen oft lokal zu. Von voll gelaufenen Tiefgaragen bis hin zu komplett zerstörten Dörfern mitsamt ihrer Infrastruktur: Strom- und Trinkwasserversorgung, Straßen, Gebäude. In Städten ist es besonders die Hitze, die immer problematischer wird. Deswegen sind die Kommunen ganz besonders gefragt, wenn es um Anpassungsmaßnahmen zur Vermeidung von immensen Schäden und Gesundheitsgefahren geht.

Gegen Überhitzung wirken beispielsweise

  • der Erhalt und Ausbau von Grün- und Wasserflächen
  • die Begrünung von Fassaden und Dächern
  • die Verwendung klimagerechter Baumaterialien.

Kommunen sind seit 2020 aufgefordert, Hitzeaktionspläne zu entwickeln.

Umfrage zu Vorsorgemaßnahmen aufgrund des Klimawandels 2017
Das Statistische Bundesamt musste feststellen: Das Vertrauen der Bevölkerung in ihre Städte und Gemeinden sinkt in Sachen Klimaschutz.

Problem Starkregen

Mit Asphalt, Beton und Steinen versiegelte Flächen können kein Wasser aufnehmen und speichern. Bei Starkregen kommt es dann schnell zu Überflutungen. Maßnahmen können bzw. müssen unter anderem sein

  • Schaffung, Erhalt, Wiedergewinnung von Flächen und Räumen zum Rückhalt von Regenwasser
  • Renaturierung von Gewässern (schlengender Fluss statt kerzengerade Kanal)
  • Rückhalt von Niederschlag auf der Fläche, zum Beispiel durch Versickerung vor Ort oder durch Entsiegelung
  • Schutz der Gebäude vor Oberflächenwasser, eindringendem Grundwasser und eindringendem Kanalisationswasser

Die Stadt Bochum versucht sich als sogenannte Schwammstadt gegen Starkregen-Ereignisse zu wappnen.

Bund und Umweltbundesamt unterstützen die Kommunen sowohl finanziell als auch mit Anpassungswerkzeugen wie dem Klimalotsen, eine schrittweise Anleitung zur Entwicklung von Anpassungsstrategien für Städte und Gemeinden, und der Tatenbank, die lokale und regionale Maßnahmen vorstellt, die in Deutschland bereits durchgeführt wurden oder sich noch in der Umsetzung befinden.

Jede und jeder Einzelne: Verhalten ändern

IIn südlicheren Breiten wird es uns längst vorgemacht: Bei Hitze ist Siesta angesagt. Nur ein Beispiel, wie sich auch Privatpersonen anpassen können. Weitere Beispiele: Vielleicht ist beim neuen Haus die komplette Fensterfront doch nicht so sinnvoll, sondern kleine Fenster sind in Zukunft angebracht. Im Juli oder August nach Spanien zu reisen, wo es noch heißer ist? Auch dem kann jede und jeder aus dem Weg gehen. Besonders praktisch ist, wenn Anpassungsmaßnahmen gleichzeitig dem Klimaschutz dienen. Dämmung von Gebäuden ist so ein Fall. Sich eine Klimaanlage anzuschaffen dagegen nicht. Mit ihrem hohen Stromverbrauch verschlimmern sie das Problem nur noch.

Klimaanlage sind keine gute Idee für einen Anpassung ans Klima.
Mit dem Einsatz von Klimaanlagen kann man sich zwar auch an die Erderwärmung anpassen, aber hier beißt sich die Katze in den Schwanz - Quelle: IEA / statista.com

Unternehmen: Auf die Branche kommt es an

Auf der Hand liegt, das Unternehmen der Land- und Forstwirtschaft sich anpassen müssen. Hitzeresistente Sorten und Arten sind angesagt. Versicherungen müssen mit höheren Schadenssummen durch Extremwetterereignisse rechnen. Extreme Hitze mindert die Leistungsfähigkeit von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern – besonders, wenn sie draußen arbeiten müssen. Vielleicht muss über flexiblere Arbeitszeiten nachgedacht werden. Lieferketten können unterbrochen werden, wenn der Nachschub über die Wasserwege wegen Niedrigwasser nicht möglich ist. Da könnte doch glatt wieder Vorratslagerung sinnvoll werden.

FAZIT: Anpassung ans Klima ist ein weites Feld. Es wird teuer und erfordert ein hohes Maß an Flexibilität und Umdenken. Aber was bleibt uns anderes übrig?

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(ctr)