Auswirkungen des Klimawandels

Studie der Bundesregierung warnt vor vielfältigen Folgen für Deutschland

Der Klimawandel schadet den deutschen Wäldern
Waldschäden durch Klimawandel. Nordrhein-Westfalen, Immicke: Wo einst Fichten standen, sind nur ein paar Laubbäume übrig. Der Klimawandel, Stürme, heiße Sommer sowie die damit verbundene rapide Vermehrung des Borkenkäfers machen dem Wald zu schaffen. (Foto vom 28.5.) © dpa, Rolf Vennenbernd, ve alf tba

Was bedeutet der Klimawandel für Deutschland?

Der Klimawandel ist bekanntlich ein globales Problem: Er betrifft die Polkappen, die Ozeane, die Wüsten und jeden anderen Winkel auf unserem Planeten – allerdings sind die Konsequenzen für verschiedene Regionen unterschiedlich. Die Bundesregierung hat nun ein Dokument veröffentlicht, was sich konkret mit Auswirkungen für Deutschland beschäftig: Die Klimawirkungs- und Risikoanalyse 2021 für Deutschland. Dieses Dokument hat es in sich: Allein die Kurzfassung umfasst 121 Seiten und benennt ausdrücklich „dringende“ und „sehr dringende Handlungserfordernisse“ um vielfältige Risiken abzumildern.

Der Klimawandel bedroht Böden, Wälder und Wasser - unsere Lebensgrundlagen

Deutschland erwarten der Studie zufolge bei einem ungebremsten Klimawandel erhebliche Schäden für Natur, Infrastruktur und das Wirtschaftssystem. Während die Auswirkungen der Erderwärmung bisher regional sehr unterschiedlich zu spüren sind, drohen dann Folgen im gesamten Bundesgebiet von den Küsten und Flussufern bis in die Gebirge, wie die am Montag in Berlin veröffentlichte Studie zeigt.

Schon jetzt unvermeidbar ist demnach die Anpassung an den Klimawandel. Die Analyse wird im Auftrag der Bundesregierung alle sechs Jahre durchgeführt - zuletzt 2015 - und wird als deutschlandweit umfassendste Untersuchung dazu bezeichnet. Beteiligt waren Experten aus 25 Bundesbehörden und -institutionen sowie aus neun Ressorts, die im Behördennetzwerk „Klimawandel und Anpassung“ zusammenarbeiten.

„Viele Risiken sind im Vergleich zu 2015 deutlich gestiegen. Besonders betroffen sind unsere natürlichen Lebensgrundlagen, wie Böden, wie Wälder und Gewässer“, sagte Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD). „Im Szenario eines starken Klimawandels werden bis zur Mitte des Jahrhunderts sehr viel mehr Regionen und immer mehr Lebens- und Wirtschaftsbereiche betroffen sein.“

Vielfältige Wechselwirkungen des Klimawandels in Deutschland

Die Autoren haben 100 Wirkungen des Klimawandels und deren Wechselwirkungen betrachtet. Untersucht wurden zwei Szenarien für die Zeit bis zum Jahr 2100. Ein pessimistischer Fall geht von einem starken Klimawandel aus: plus 3 Grad zur Mitte des Jahrhunderts als Jahresmittelwert und gegenüber der frühindustriellen Zeit. Ein optimistischer Fall beschreibt einen schwächeren Klimawandel mit einem Anstieg der Temperatur um 2,4 Grad.

Die KWRA 2021 untersucht akribisch, wie die Folgen des Klimawandels Deutschland betreffen

Welche Folgen hat der Klimawandel für die Gesellschaft in Deutschland?
Auszug aus einer Abbildung der KWRA 2021: Die vielfältigen Wechselwirkungen zwischen Gesellschaft und Klima werden untersucht.

Warnung vor Hizewellen, Wadlbränden, Dürre, Starkregen

„Um 1950 herum gab es in Deutschland im Schnitt drei Tage im Jahr, an denen es heißer als 30 Grad Celsius wurde. Aktuell sind es schon zehn Tage“, so Schulze. Hitzewellen, Waldbrände, Dürre, Wasserknappheit, Starkregen, Überflutung - das seien erste und teilweise auch verheerende Folgen, die uns zeigen würden, dass wir dem Klimawandel eben nicht einfach nur freien Lauf lassen dürften und uns an die Folgen anpassen müssten.

Der Präsident des Umweltbundesamtes, Dirk Messner, sagte, wichtigste Maßnahme sei die Verringerung der Treibhausgasemissionen. „Wir haben wirksame Maßnahmen, um diese Krise managen zu können. Solange wir im Bereich und im Korridor von zwei Grad globaler Erwärmung bleiben, glauben wir, gut gewappnet zu sein, wenn wir jetzt tatsächlich handeln“, sagte er und nannte andere Methoden in der Landwirtschaft, den Umbau hin zu klimastabilen Mischwäldern und einen besseren Schutz der Küsten.

Maßnahmen seien auch in Siedlungsgebieten nötig. „Wir müssen anders bauen. Wir brauchen Städte, die sich dank vieler Grünflächen und Entsiegelungen ohne Schäden an Häusern und Infrastrukturen wie ein Schwamm mit Wasser vollsaugen wollen. Schwammstadt!“, sagte er. Straßenbeläge müssten hitzebeständiger sowie wasser- und luftdurchlässig sein. „Es gibt Grenzen der Anpassung“, warnte er. „Wenn es uns nicht gelingt, den Klimawandel um zwei Grad herum zu stabilisieren, dann könnten wir in Situationen kommen wo Anpassung entweder immer teurer wird oder uns schlicht und einfach überfordern könnte.“

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(dpa/cli)