Bedrohung für Fische und Kleinstlebewesen

Klimakrise: Was passiert, wenn unsere Flüsse nun häufiger trockenfallen?

von Oliver Scheel

Im Sommer hat es in vielen Gegenden wochenlang keinen Tropfen Regen gegeben. Die Böden trockneten aus und wurden knallhart. Und viele kleinere Flussläufe und Bäche fielen schlichtweg trocken. Was aber passiert dann eigentlich mit der Tierwelt? Wir haben mit Birgit Kaiser de Garcia vom Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz in NRW gesprochen.

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Sinkender Sauerstoffgehalt und steigende Wassertemperatur sind der Fische Tod

Der Fluss Neumagen führt auf Höhe des Kurparks in Bad Krozingen nur noch sehr wenig Wasser, während die Steine des Flussbetts bereits trocken sind. Aufgrund der hohen Temperaturen und anhaltender Trockenh
Für Kleinstlebewesen ist ein solcher Pegelstand nicht das große Problem.- Für Fische ist hier aber schon Ende. Die Tiere haben interessante Wiederbesiedelungsstrategien.

In der Natur hängt alles mit allem zusammen – deshalb sprechen wir ja von Ökosystemen. In diesem Sommer kam das Ökosystem Fluss wegen der Hitze und der Dürre oft an seine Grenzen. Ein Fluss ist aber ein wichtiger Lebensraum für unzählige Arten.

Fische haben das größte Problem, wenn das Wasser verschwindet. „Sobald Fische bemerken, dass der Wasserpegel sinkt, weichen sie - wenn möglich - in Bereiche aus, in denen es noch eine ausreichende Wasserführung gibt. Gelingt das aufgrund mangelhafter Durchgängigkeit des Gewässers nicht (z. B. durch Wehre oder Wasserkraftanlagen ohne Fischtreppen), werden die tieferen Bereiche des Gewässers aufgesucht. Trocknen auch die aus, haben die Fische keine Möglichkeit zu überleben“, erklärt Kaiser.

Warmes Wasser enthält weniger Sauerstoff. Auch das kann zur tödlichen Falle für Fische werden. Mit einem Trick können Fische noch eine Weile überleben: „Bei zunehmender Wassertemperatur und damit einhergehenden sinkenden Sauerstoffgehalten stellen die Fische zunächst die Nahrungsaufnahme ein. Auf diese Weise können sie eine kurze Zeit überbrücken. Über einen längeren Zeitraum hinweg können sie jedoch ihren Energiebedarf nicht mehr decken und sterben dann.“

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Schnecken, Krebsen und Würmern reichen feuchte Kieslücken

Aber wie geht es dann weiter? Wo kommen neue Fische her? „Fällt ein Bachlauf trocken, fehlt die dort ausgefallene Fischgeneration. Ein Wiederbesiedlung erfolgt, sofern nicht durch Querbauwerke eingeschränkt, durch benachbarte Gewässerabschnitte“, so die Expertin.

Doch im Ökosystem Fluss leben ja nicht nur Fische. Unzählige Kleinstlebewesen leben an oder im Wasser. „Im Gegensatz zu Fischen sind Kleinstlebewesen wie wasserlebende Insekten, Schnecken, Krebse, Egel und Würmer häufig in der Lage, sich in das feuchte Kieslückensystem des Gewässers zurückzuziehen, um von dort das Gewässer bei besseren Bedingungen wieder zu besiedeln“, erläutert Kaiser.

Aber auch hier gibt es Grenzen: Bei zu hohen Temperaturen, niedrigen Sauerstoffwerten und einem vollständigen Austrocknen des Gewässers sind auch Kleinstlebewesen gefährdet.

Fast die Hälfte Europas ist von Dürre bedroht

Fehlen Kleinstlebewesen fehlt Fischen auch die Nahrung

Niedrigwasser am Rhein, im Bild Koeln-Suerth (Foto vom 11.08.2022). Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) sieht in der zunehmenden Haeufung von Niedrigwasser-Situationen am Rhein eine Gefahr fuer den Wirtschaftsstandort Deutschland und will die
Niedrigwasser am Rhein hat Auswirkungen - auch auf die Tierwelt.

Bei der Wiederbesiedlung haben die Kleinstlebewesen aber eine tolle Strategie: Viele sogenannte wasserlebende Insektenarten kommen mit dem sogenannten Kompensationsflug aus benachbarten Gewässern zurück. „Bei diesen Arten sind nur die Larven wasserlebend, während die später aus der Puppe schlüpfenden Tiere das Wasser verlassen und flugfähig sind“, so Kaiser.

Diese Arten sind von ihrem Lebenszyklus her an ein (kurzzeitiges) Austrocknen der Gewässer angepasst. Bei anderen Tiergruppen, die dauerhaft im Wasser leben (wie Schnecken oder Kleinkrebsen), ist eine Wiederbesiedlung deutlich erschwert.

Und weil in der Natur alles mit allem zusammenhängt, beeinflusst ein reduzierter Bestand an Kleinstlebewesen auch die Wiederbesiedlung von Fischen, da dadurch die Nahrungsgrundlage vieler Fische dezimiert ist.

Eine Sache ist noch wichtig:

Die Flüsse haben nach den Regenfällen der vergangenen Zeit wieder mehr Wasser, auch die Bäche sprudeln wieder. Das aber hat nichts mit dem großen Problem für unser Grundwasser und der extremen Dürre in tieferen Bodenschichten zu tun. Denn die Böden sind weiterhin brutal hart. Das Wasser, das über Bäche und Flüsse abfließt, hilft natürlich der dortigen Tierwelt. Dieses Wasser ist aber für die Grundwasserneubildung verloren, denn die Flüsse transportieren das Wasser aus der Landschaft heraus zum Meer. Wir müssen es aber in der Landschaft halten. Dafür müsste es im Boden versickern. Und damit das in ausreichendem Maße geschieht, müsste es sehr lange regnen und Flächen müssen entsiegelt werden.

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(osc)