Bauernregeln und ihre Bedeutung

Wetterlexikon: Die Eisheiligen (Mamertus, Pankratius, Servatius, Bonifatius und Sophia)

Die Eisheiligen: Was ist das eigentlich und wann finden die Gedenktage statt?
Die Eisheiligen: Kälteeinbrüche im Frühjahr sind nach wie vor gefürchtet. © dpa, Frank Rumpenhorst, abl

Was sind die Eisheiligen und wann finden sie statt?

Die Eisheiligen, auch gestrenge Herren genannt, waren Bischöfe und Märtyrer aus dem 4. und 5. Jahrhundert. Sie heißen Mamertus, Pankratius und Servatius. Meist werden sie noch ergänzt durch Bonifatius und - als weibliche Komponente - durch die Sophia. Die "kalte Sophia" oder auch "kalte Sofie" hat in Sachen Bekanntheit die Herren mittlerweile überflügelt. Als Eisheilige werden die Tage vom 11. bis 15. Mai bezeichnet.

Die Eisheiligen als Wetterphänomen: Kälteeinbrüche im Frühjahr sind immer noch gefürchtet

Zu den Eisheiligen gehören Mamertus, Pankratius, Servatius, Bonifatius und die
Wintereinbruch im Frühjahr: Droht an den Eisheiligen der Spätfrost? © imago images/Sylvio Dittrich, Sylvio Dittrich via www.imago-images.de, www.imago-images.de

Der Begriff ist historisch gewachsen. Er entstand aus der Beobachtung, dass es im Frühjahr in der zweiten Maidekade des Öfteren zu Kaltlufteinbrüchen kam. In Norddeutschland gelten die Tage vom 11. bis 13. Mai als Eisheilige (Mamertus, Pankratius und Servatius). Im Süden und Südosten Deutschlands kommen noch der 14. Mai (Bonifatius) und der 15. Mai (kalte Sofie) hinzu, wohingegen der 11. Mai (Mamertus) hier nicht gültig ist. Diese eintägige Differenz beim Beginn der Eisheiligen erklärt sich aus dem Zeitraum, den die Kaltluft bei Eintritt der Nord-Wetterlagen benötigt, um von Nord nach Süd vorzudringen.

Kaltlufteinbrüche können in dieser Zeit in allen Gegenden Mitteleuropas noch Frost bringen. Die Vegetation bekommt dann häufig Frostschäden ab. Die Wetteraufzeichnungen deuten an, dass die mitteleuropäischen Kaltlufteinbrüche der zweiten Mai-Dekade in der nahen Vergangenheit (19./20. Jahrhundert) häufiger und intensiver eingetreten sind als in der Gegenwart.

Mit welchen Temperaturen können wir dieses Jahr rechnen? Hier gibt es die Wetter-Prognose.

Bauernregel: Welche Auswirkungen haben die Eisheiligen auf die Pflanzen?

Die besondere Bedeutung der Eisheiligen ergibt sich aus der Tatsache, dass der Polarlufteinfluss in eine kritische, d. h. frostempfindliche Vegetationsperiode fällt, wobei die Frostgefahr hauptsächlich durch die nächtliche Auskühlung besteht. In den letzten Jahren aber sind die stark frostgefährdeten Vegetationsperioden etwas früher als im vieljährigen Mittel eingetreten (evtl. Indiz für die globale Klimaerwärmung), sodass sich nun die "Eisheiligen" gegenüber vorher auftretenden Kälteperioden (z. B. Ende April) nicht mehr so stark auf die Vegetation auswirken.

Auf die Eisheiligen beziehen sich gleich mehrere Bauernregeln. So lautet eine:

‘Vor Bonifaz kein Sommer, nach der Sophie kein Frost.’

Dieser Bauernregel nach sind zu den Eisheiligen die letzten frostigen Nächste des Frühlings möglich. Dies ist insofern wichtig für die Vegetation, als dass Frost die Saat zerstören kann. Will man die Ernte nicht gefährden, sät man demnach besser erst nach der ‘kalten Sophie’. Hierzu einen Stichtag zu haben war wichtig für die Bauern, denn begannen sie zu spät mit der Saat, fiel die Ernte dementsprechend geringer aus.

Die Eisheiligen: Werden sie durch den Klimawandel verschoben?

Die Bauernregeln um die Eisheiligen stammen aus dem Mittelalter und wurden vermutlich in einer Kälteperiode aufgestellt, deren Ausmaße wir heute in Deutschland nicht mehr kennen. Zwischen der Mitte des 17. Jahrhunderts und der des 19. Jahrhunderts weiteten sich die Gletscher aus den Alpen zwei Mal aus, Höfe und Dörfer wurden zerstört.

Wurden die Eisheiligen durch den Klimawandel mittlerweile so verschoben, dass wir sie einfach als gewöhnliche kalte Tage empfinden? Tatsächlich sind die Eisheiligen in den vergangenen Jahren öfter ausgeblieben oder der Kälteeinbruch kam schon zu Anfang oder erst zum Ende des Monats Mai. Meteorologen merken an, dass an den Gedenktagen mit über 25 Grad sogar eher zu „Schweißheiligen“ kommen kann. Kälteeinbrüche im Mai sind dabei zwar nach wie vor nicht ungewöhnlich, sie fallen dabei aber seltener frostig aus.

Mit Material vom DWD.

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