Biene verpasst Blüte

Jahreszeiten verändern sich - mit Folgen für Natur und Landwirtschaft

von Henning Liss und Carlo Pfaff

Viele Pflanzen brauchen die Bienen als Bestäuber im Frühling. (Symbolbild)
Problematisch: Wenn das Zusammenspiel zwischen Pflanzen und Tieren durch den Klimawandel durcheinander kommt. (Symbolbild)

Möhren, Spargel, Winterweizen: Diese und viele andere Pflanzen brauchen Kälte im Winter, um im Frühling so richtig durchstarten zu können. Doch unsere Winter sind längst nicht mehr so kalt wie vor einigen Jahrzehnten. Auch der Winter 2021/2022 war zu warm. Dies ist nur ein Beispiel dafür, wie der Klimawandel die Jahreszeiten verändert, die Natur aus dem Takt bringt und Landwirte vor viele Herausforderungen stellt.

Pflanzen zeigen: Frühling beginnt 16 Tage früher

Wir können die Veränderungen der Jahreszeiten mit statistischen Auswertungen erkennen - oder mit Beobachtungen der Natur. Meteorologe Carlo Pfaff erklärt: „Der Frühling startet immer früher. Vergleicht man die Klimaperiode 1961 bis 1990 mit der Klimaperiode 1991 bis 2020 sieht man, dass sich der Beginn der Haselblüte und damit der Start des sogenannten Vorfrühlings vom 3.3. auf den 15.2. vorverlegt hat. Der Frühling beginnt also 16 Tage früher. Nicht ganz so markant verändert hat sich der Beginn des phänologischen Winters, hier verlegt sich der Termin nur um 2 Tage nach hinten (vom 3.11. auf den 5.11.) Insgesamt dauert der phänologische Winter jetzt nur noch 102 statt 120 Tage, also 18 Tage kürzer im Vergleich zum alten Klimamittel.“

Lese-Tipp: Wann beginnt der Frühling?

Klimawandel: Blüten kommen den Bienen zuvor

Allerdings verschieben nicht alle Pflanzen und Tiere ihre Rythmen gleichzeitig. Das kann zu Problemen führen, wie Wissenschaftlerinnen der Julius-Maximilians-Universität Würzburg herausgefunden haben: Die Pflanze „Küchenschelle“ blüht aufgrund der höheren Temperaturen früher, während sich bestimmte Wildbienen an den traditionellen Frühlingsfahrplan halten und im Vergleich spät schlüpfen. Die Bienen sind dann im Extremfall noch nicht so weit, und können die „Küchenschelle“ nicht bestäuben. Außerdem fehlt den Bienen dann eine Nahrungsquelle. „Bienen und Blüte verpassen sich“, wie es in einem aktuellen Artikel der Internetseite „agrarheute“ heißt.

Vernalisation: Viele Pflanzen brauchen Kälte

Die Landwirtschaft ist auf vielfältige Weise vom Klimawandel betroffen. Im Bezug auf die Jahreszeiten-Verschiebungen stellen die milden und kurzen Winter ein Problem für viele Nutzpflanzen dar: Sie benötigen Kälte für ihren Entwicklungsprozess. Das Fachwort dafür lautet „Vernalisation“. Milde Winter können also eine schlechtere Ernte bedeuten.

Andersherum können Pflanzen bei warmen Temperaturen zu früh wachsen, obwohl der Frühling noch nicht richtig begonnen hat. Wenn dann nochmal eine kalte Winter-Periode mit Frost kommt, drohen ebenfalls Einbußen bei der Ernte.

Dazu kommen natürlich weitere Risiken wie Dürre und Extremwetter.

Das Dürre-Problem in Deutschland

Der Klimawandel wirkt sich vielfältig aus

Die benannten Bienen können auf andere Nutzpflanzen ausweichen, und auch die Landwirte können mit anderem Saatgut (z.B. Wechselweizen) in einem gewissen Maße reagieren. Doch klar ist, dass die Beziehungen zwischen Pflanzen, Tieren und Menschen vielschichtig sind. Der Klimawandel bringt nun Veränderungen in dieses „eingespielte“ System, zum Beispiel in Bezug auf die Jahreszeiten. Das hat Folgen.

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(cli,apf)