Land unter in Urlaubsregionen

Bis 500 Liter! Heftige Regen-Unwetter im Südwesten

von Paul Heger

Wetter in Portugal
Erst Ende Januar sorgte ein schwerer Sturm in Portugal für Schäden und Opfer. Nun droht Hochwasser durch massive, anhaltende Regenfälle.

Der Südwesten Europas und auch der Nordwesten Afrikas kommen nicht raus aus der Unwettergefahr. Heftiger Starkregen wird immer wieder große Regenmengen fallen lassen und die Gefahr von Hochwasser und Sturzfluten immer weiter erhöhen.

Nach Sturm-Unglück: Atmosphärischer Fluss erreicht Südwesten

Seit Wochen knallen Tiefs mit Sturm, teils Orkan und großen Regenmengen an die Atlantikküste Portugals und Spaniens. Die Aufräumarbeiten nach dem letzten tödlichen Unwetter in Portugal sind noch lange nicht vorbei, da drohen schon die nächsten schwerwiegenden Folgen.

Im Video: So prallen die Tiefs auf Europa

Mit Tief Romina, international Leonardo genannt, kommen an den südwestlichen Küsten bis einschließlich Mittwoch nochmal 50 bis 150 Liter pro Quadratmeter runter – und die Böden sind oft bereits voll mit Wasser. Von Spaniens Sierra Nevada über Gibraltar bis in den Norden Marokkos drohen örtlich sogar zwischen 200 und 300 Liter. Damit sind Überflutungen, wenn nicht sogar Sturzfluten recht wahrscheinlich. Gleichzeitig gibt es immer wieder Sturmböen.

Regenberechnungen vom 03.02. bis einschließlich 04.02.2026 für den Südwesten Europas: Von Südspanien bis zur Nordwestspitze Afrikas drohen örtlich über 200 Liter pro Quadratmeter in nur eineinhalb Tagen!
Von Südspanien bis zur Nordwestspitze Afrikas drohen örtlich über 200 Liter pro Quadratmeter in nur eineinhalb Tagen!

Auslöser dieser Regenfälle ist ein sogenannter Atmosphärischer Fluss. In der Luft befindet sich dabei ein Streifen mit sehr hoher Luftfeuchtigkeit, der über längere Zeit wie ein Fluss über/in dieselbe Richtung fließt. An Ort und Stelle wird für längere Zeit sehr viel Regen produziert.

Non-Stop Unwettergefahr von Marokko bis Galizien

Leider ist die Lage am Donnerstag noch nicht überstanden. Bis einschließlich Sonntag wird es täglich teils heftig regnen. Die Regensummen wachsen auf flächig 100 bis 200 Liter in der Südhälfte Spaniens, in Galizien und in ganz Portugal. Regional gehen die Berechnungen sogar auf Regensummen von 300 bis im Extremfall mancher Wettermodelle 500 Liter – so viel wie in Berlin im ganzen Jahr fällt.

Regenberechnungen vom 03.02. bis einschließlich 08.02.2026 für den Südwesten Europas: In Spitzen bis einschließlich Sonntag gibt es um 300 Liter. Manche Wettermodelle gehen sogar auf Werte um 500 Liter, besonders um die Meerenge von Gibraltar herum.
In Spitzen bis einschließlich Sonntag gibt es um 300 Liter. Manche Wettermodelle gehen sogar auf Werte um 500 Liter, besonders um die Meerenge von Gibraltar herum.

Im Zentrum der heftigsten Niederschläge steht die Atlantikküste von Galizien und Portugal, die Westhänge der Sierra Nevada, Andalusien und weiterhin der Nordwesten Marokkos. Diese Regenmengen sind absolut außergewöhnlich und können hier heftige Folgen haben. Urlauber sollten besonders vorsichtig sein, Warnungen beachten und gegebenenfalls die Region verlassen.

Problem: Extremwetter durch Kälte-Blocking und Klimawandel

Schaut man in die nächste Woche, sieht man weitere Niederschläge. Übrigens: Auch an den Westküsten Italiens, den Balkans, Griechenlands und der Türkei kann es vereinzelt heftiger zur Sache gehen. Frankreich und die Britischen Inseln haben immer wieder zumindest sehr unangenehmes Wetter. Und das seit Wochen. Was ist da los?

Regenberechnungen vom 03.02. bis einschließlich 15.02.2026 für den Südwesten Europas: Bis Ende nächster Woche könnten flächig (!) über 500 Liter in Portugal fallen.
Und noch mehr: Bis Ende nächster Woche könnten flächig (!) über 500 Liter in Portugal fallen.

Die Wetterlage ist mal wieder komplett eingefahren. Auch bei uns in Deutschland sieht man das seit Wochen. Das hängt vor allem mit dem großen Kältehoch über Europa zusammen. Es blockt das Vorankommen der Tiefs nach Nord- und Osteuropa ab. Damit toben sich die Stürme an den Westküsten aus. Viele Tiefs werden auch südlich umgelenkt, genau über die Iberische Halbinsel in Richtung Mittelmeer.

So presst das Tief Romina, in Südwesteuropa Leonardo genannt, feuchtmilde Luft gegen die Iberische Halbeinsel und hinein in den Mittelmeerraum.
Tief Romina, in Südwesteuropa Leonardo genannt, presst feuchtmilde Luft gegen die Iberische Halbeinsel. Hoch Daniel liegt mit schwerer Kaltluft über Nord- und Osteuropa und blockiert das Vorankommen der Tiefs, die sich deswegen an Ort und Stelle abregnen.

Ist das der Klimawandel? Auch wenn sich der Atlantik von seinen Rekordtemperaturen entfernt hat, ist er weiterhin wärmer als normal. Er kann damit mehr Feuchtigkeit in die ebenfalls wärmer gewordene Atmosphäre leiten, welche wiederum mehr Feuchtigkeit aufnehmen kann. Das zusammen kann größere Regenmengen hervorrufen. Gleichzeitig erwärmen sich die Nordpolarregionen massiv, was beispielsweise den Polarwirbel destabilisiert. Letzteres begünstigt die großen blockierenden Hochdruckgebiete mit ihrer fiesen Kälte – in Nordamerika wie in Europa. Also, ja: Der Klimawandel dürfte seine Finger mit im Spiel haben.

Verwendete Quellen: wetter.de