Bitterkalt oder doch ungewöhnlich mild?

Was der Indische Ozean Dipol über unseren Winter verrät

von Christian Häckl und Letizia Vecchio

Besonders in diesem Jahr fragen sich viele, ob uns in den kommenden Monaten ein harter oder milder Winter bevorsteht. Stichwort: Heizkosten. Für die Langfristprognose bedienen sich Meteorologen unterschiedlicher Modelle. Und jetzt könnte noch etwas Licht in die Winterprognose bringen: der „Indische Ozean Dipol“, aber der ist noch gar nicht so lange auf dem Radar der Wissenschaft.

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Wetterphänomen mit weitreichenden Folgen

Dass die Wassertemperatur der Meere das globale Klima stark beeinflusst, ist weitreichend bekannt. Besonders anschaulich hat man das zum Beispiel schon beim südamerikanischen Wetterphänomen wie El Niño gesehen, der unter anderem immer wieder für verheerende Dürren verantwortlich war. Ein weiterer Komplex, der so krasse Auswirkungen auf das weltweite Klima hat, ist der Indische Ozean Dipol (IOD). Er beschreibt ein Zirkulationszyklus, der sich circa alle vier bis sechs Jahre ins Positive oder Negative umkehrt. Genauer gesagt bedeutet das, dass die Oberflächentemperatur des Meeres im Indischen Ozean an unterschiedlichen Messpunkten (im östlichen und westlichen indischen Ozean) eine enorme Differenz aufweist, das heißt, sich stark positiv oder negativ voneinander unterscheidet. Im Frühjahr des Folgejahres kehrt der Dipol meist in seine neutrale Phase zurück.

Positive Phase - warmer Winter?

Befindet sich der Dipol in einer positiven Phase, ist die Wassertemperatur im Westen des Indischen Ozeans höher und im Osten niedriger als üblich. Die deutlich kühlere Luft im Osten kann dann mit östlichen Winden bis zur Afrikanischen Küste treiben, unterdessen nimmt sie immer mehr an Feuchtigkeit auf. An Land regnen die Wolken dann ab und können krasse Überschwemmungen zur Folge haben. Eine positive Phase kann bei uns in Deutschland mit ungewöhnlich warmen Wintern einhergehen, so wie im Jahr 2019 oder 2005. Allerdings ist das nicht immer so – im Jahr 2013 war der Winter hierzulande ebenfalls ungewöhnlich warm – der Dipol allerdings in seiner neutralen Phase.

Negative Phase - kalter Winter?

Den zugefrorenen Chiemsee bei Rimsting (Oberbayern) nutzt am Donnerstag (08.01.2009) diese Frau, um mit Schlittschuhen und Kinderwagen den Winter zu genießen. Im Hintergrund ist das Kloster Frauenchiemsee der Benediktinerinnenabtei Frauenwörth zu seh
Im Winter 2009 war sogar der Chiemsee problemlos zum Eislaufen nutzbar - der Indische Ozean Dipol durchlief damals seine negative Phase.

Erinnern Sie sich noch an den Winter 2010? In der ganzen Bundesrepublik war es eiskalt, nachts vielen die Temperaturen im Süden und Osten sogar auf bis zu minus 25 Grad. Weiße Weihnachten wurden für viele das erste Mal zur Realität – insgesamt lag die Temperatur im Dezember 2010 3,5 Grad (!) unter dem Mittel. Und wie lagen die Dinge im Indischen Ozean? Ja, Sie haben richtig geraten, der Dipol war gerade in seiner negativen Phase, das heißt, die Temperatur im Westen des Indischen Ozeans lag deutlich unter dem Mittel.Und genau das ist 12 Jahre später, im Jahr 2022, genauso der Fall. Von daher ist es gut möglich, dass es in diesem Winter ebenfalls so sein könnte.

Klimakatastrophen und der Dipol

ARCHIV - 16.01.2020, Kenia, Sissia: Zwei Mitarbeiter vom Katastrophenschutz gehen in einem Schwarm Wüstenheuschrecken. Der Osten Afrikas wird von der schwersten Heuschreckenplage seit 25 Jahren heimgesucht. (zu dpa: UN-Generalsekretär: Klimawandel un
Im Winter 2019/2020 kam es in Ostafrika zu einer verheerenden Heuschreckenplage.

Ein kalter Winter wäre für viele Menschen in diesem Jahr aus finanzieller Sicht ein Problem: Denn dann muss auf kurz oder lang ordentlich geheizt werden – und das ist so teuer wie noch nie. Allerdings kann der Dipol in anderen Teilen der Welt noch viel verheerende Auswirkungen haben als eine explodierende Gasrechnung.

Im Jahr 2019/2020 sorgte der stark positive Dipol in Ostafrika für heftige Regenfälle, die wiederum eine verheerende Heuschreckenplage und anschließende Ernteausfälle zur Folge hatten. Auf der anderen Seite führte die anhaltende Trockenheit in Australien zu heftigen Buschbränden. Mittlerweile geht man davon aus, dass die Klimakrise den Zyklus zusätzlich verstärkt und dessen Auftreten häufiger macht – denn das Meer heizt sich an unterschiedlichen Stellen noch stärker auf.

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(eve)