Warum Tiere keine kalten Füße bekommen

Wildtiere im Winter: Die beeindruckendsten Überlebensstrategien von Füchsen & Co.

von Amelie von Kruedener

Murmeltier sammelt Gras für seinen Winterbau. El Dorado County, Kalifornien, USA
Murmeltiere machen es sich in ihrem Bau kuschelig warm und verschlafen den Winter einfach. Doch wie sieht es mit Tieren aus, die keinen Winterschlaf halten?

Wenn draußen der Winter tobt und wir in kalten Nächten, Schnee und eisigem Dauerfrost gerne in unsere vier Wände flüchten, sind die Tiere draußen den Wetterverhältnissen völlig ausgeliefert. Deshalb hat jede Tierart seine ganz eigenen Tricks, um die kalten Temperaturen zu überleben.

Wer hat immer kalte Füße, wer hält Winterschlaf und wessen Gehirn wächst bei Kälte? Hier ein Überblick über die interessantesten Überlebensstrategien von Tieren, um durch den Winter zu kommen.

Lese-Tipp: Mit diesen einfachen Tipps helfen Sie Wildtieren durch den Winter

Winterschlaf und Winterruhe – Was ist eigentlich der Unterschied?

Wie der Name schon verrät, "verschlafen" Winterschläfer einfach die kalte Jahreszeit und setzen somit ihre Körperfunktionen auf Sparflamme. Hierzu gehören vor allem kleinere Säugetiere wie Hamster, Murmeltiere und Fledermäuse. Größere Tiere wie Dachse, Waschbären und Braunbären ruhen sich im Winter hingegen nur aus, das heißt ihre Körpertemperatur wird nicht so stark abgesenkt und sie wachen regelmäßig auf, um nach Futter zu suchen.

Übrigens: Die Winterruhe ist abhängig von der Umgebung. Braunbären in Sibirien verbringen bis zu 7 Monate in ihren Höhlen, während europäische Braunbären ihre Höhlen auch im Winter verlassen. Bären im Zoo müssen überhaupt keine Winterruhe halten, da sie genug Wärme und Futter haben.

Winterstarre: Insekten und ihr "Frostschutzmittel"

Sinkt die Außentemperatur, verkriechen sich Insekten häufig unter der Erde, in Laubhaufen oder kleinen Holzritzen. Dort verfallen sie in eine Winterstarre, aus der sie erst wieder erwachen, wenn es draußen wärmer wird. Um in dieser Kältestarre zu überleben, haben sie eine Art Frostschutzmittel, damit ihre Körperflüssigkeit bei Minusgraden nicht gefriert.

Darum haben Enten immer kalte Füße

Zwei Enten stehen auf dem fast zugefrorenen Habermannsee
Enten haben immer kalte Füße?

Bei winterlichen Überlebensstrategien spielen Fett, viel Luft und kalte Füße eine große Rolle. Außerdem sind Energiesparer im Winter klar im Vorteil!"Enten bekommen keine kalten Füße; sie haben immer kalte Füße", erläutert Eva Goris, Pressesprecherin der Deutschen Wildtier Stiftung. "Das ist gut so, denn mit warmen Füßen würden Wasservögel die Eisschicht, auf der sie stehen, erst antauen und dann im Schmelzwasser festfrieren." Durch Entenfüße strömt nur wenig Blut und das wird obendrein von etwa 40 Grad Körpertemperatur auf knapp sechs Grad heruntergekühlt. Kalte Füße sind für Enten also ein Normalzustand.

Viel Fett macht warm: Vögel und ihr Federkleid

Mit Fett und viel Luft zur Wärmeisolation halten sich Wasservögel und viele andere Wildtiere im Winter warm. Vögel fetten ihre Federn ein, damit das Federkleid wasserabweisend wird und vor dem Auskühlen schützt. Das Fett wird eigens dafür in einer Fettdrüse am Stoß produziert. Mit dem Schnabel verteilen die Vögel das Fett im ganzen Federkleid. Obendrein plustern sie sich auf, um mit Luft zwischen den Federn eine Isolationsschicht zu schaffen.

Praktisch: Das Gehirn der Schwarzkopfmeise wächst bei Kälte

Schwarzkopfmeise sitzt auf einem schneebedeckten Ast in Saskatoon, Saskatchewan
Die nordamerikanische Schwarzkopfmeise muss sich Hunderte von Verstecken merken - und hat dafür einen genialen Trick.

Die Schwarzkopfmeise wirkt fast schon unscheinbar, wäre da nicht ihre außergewöhnliche Fähigkeit, den Winter zu überleben. Im Norden Amerikas herrscht ein harsches Klima, auf das sich der Singvogel schon im Herbst vorbereitet. Er versteckt Samen, Nüsse und Beeren an unterschiedlichen Orten. Um alle Verstecke wiederzufinden, ist die Schwarzkopfmeise nun auf ihr Gedächtnis angewiesen: Der Hippocampus, zuständig für das Ortsgedächtnis, wächst bei den Schwarzkopfmeisen um bis zu 30 Prozent. Ist der Winter dank Futtervorräten überstanden, schrumpft der Gehirnteil im Frühling wieder auf Normalgröße.

Ein dickes Fell als Kälteschutz: So halten sich Fuchs, Hase und Wildschwein warm

Fuchs, auf der Suche nach Essen, in einer Schneelandschaft in Kars, Türkei
Das Fell der Füchse ist im Winter besonders wärmend.

Auch Fellträger nutzen Luft als Kälteschutzmittel. Außerdem ist das Fell von Rot- und Rehwild, Fuchs und Feldhase sowie Wildschweinen im Winter besonders lang, dicht und hat - im Gegensatz zum Sommerfell - Haare mit einer gewellten Schaftstruktur. Dicke Wollhaare wirken zusätzlich wie wärmende Unterwäsche unter den Deckhaaren. Außerdem haben sich Wildtiere schon vor dem Winter eine dicke Speckschicht angefressen, um genug Energie für kalte Tage zu haben.

Faulheit macht sich bezahlt: Energiesparende Wildtiere sind im Vorteil

"Übrigens sind Energiesparer unter den Wildtieren klar im Vorteil", betont Eva Goris. Der Rothirsch beispielsweise ist ein großartiger Energiesparer: Er fährt seinen Stoffwechsel herunter und verharrt möglichst still, denn Hektik und Stress verbrennen unnötige Energie und die ist in der nahrungsarmen Zeit ohnehin knapp. Brennstoffe wie Gräser und Kräuter können kaum aufgenommen werden.

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(avo)