Wetterlexikon: Vb-Wetterlage

Wetterlexikon: Vb-Wetterlage
Entstehung von sommerlichen Starkniederschlägen in Mitteleuropa infolge der Vb-Zugbahn. © Dieter Kasang/Hamburger Bildungsserver

Was ist eine Vb-Wetterlage?

Ende des 19. Jahrhunderts begann man damit verschiedene Systematiken zu entwickeln, um Wetterlagen in Europa zu charakterisieren. Eine dieser Systematiken stammt von Wilhelm Jacob van Bebber. Er teilte die Wetterlagen nach der Zugbahn von Tiefdruckgebieten ein. Von dieser Charakterisierung ist heute nur noch die Bezeichnung der "Zugbahn Vb" (sprich: "fünf-b") gebräuchlich.

Vb-Wetterlagen sind im Sommer mit größeren Niederschlagsmengen verbunden

Sie beschreibt die Zugbahn eines Tiefs vom Golf von Genua über Österreich nach Tschechien und Polen. Sie beginnt meist mit der Bildung eines Genuatiefes, das sich besonders gut entwickeln kann, wenn kalte Luftmassen über Westeuropa in den Golf von Genua und somit über das relativ warme Mittelmeer ausbrechen. Diese Tiefs ziehen dann des Öfteren mit der Höhenströmung auf der beschriebenen Zugbahn nach Nordosten.

Das Besondere an diesen Vb-Wetterlagen ist, dass sie mit größeren Niederschlagsmengen verbunden sind. Denn auf der Vorderseite des Vb-Tiefs wird warme und feuchte Mittelmeerluft angesaugt und um das Tief herum geführt. Diese Mittelmeerluft gleitet dann auf die kalte Polarluft auf der Tiefrückseite auf. An der Grenze dieser beiden Luftmassen kommt es oft zur Bildung stärkerer Niederschläge über der Südosthälfte Deutschlands, in Tschechien, Polen sowie Teilen Österreichs und Oberitaliens. Diese werden durch den Anstau an Gebirgen wie zum Beispiel dem Erzgebirge und den Alpen noch verstärkt werden.

Sommerliche Vb-Wetterlagen waren für viele große Hochwasserlagen, wie zum Beispiel das Jahrhunderthochwasser im August 2002 an der Elbe oder das Oderhochwasser im August 1997 verantwortlich. Solche verheerenden Auswirkungen haben aber nur wenige Vb-Wetterlagen.

Besonders im Winter sind sie von den Niederschlagsmengen deutlich harmloser. Dies ist dadurch begründet, dass die im Winter kältere Luft deutlich weniger Wasserdampf aus dem Mittelmeer aufnehmen kann. Dennoch können solche Wetterlagen für größere Neuschneemengen in den Nordstaulagen der Mittelgebirge und der Alpen sorgen.

Quelle: DWD